Fußball

Sitzen als Gesundheitsgefahr? DFB rechtfertigt Flug, kassiert wieder Ärger

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Thilo Kehrer und Co. sollten bestmöglich regenerieren, heißt es.

(Foto: dpa)

Mit ihrem Kurzstreckenflug von Stuttgart nach Basel kassiert die Fußball-Nationalmannschaft eine herbe Klatsche. Nach dem Spiel in der Nations League gegen die Schweiz versuchen sich der DFB-Pressesprecher sowie Defensivmann Thilo Kehrer in Erklärungen. Doch die helfen nicht beim Imagegewinn.

Mit dem Flugzeug nach Basel, dort in der Nations League gegen die Schweiz nur 1:1 gespielt: Die Außendarstellung des DFB-Teams ist derzeit nicht besonders glücklich. Es hapert auf und abseits des Rasens.

Nach der heftigen Kritik am Kurzstreckenflug von Stuttgart nach Basel rechtfertigt sich der DFB - und weist die Vorwürfe zurück. Der Zug als Transportmittel sei wegen der Corona-Hygieneregeln nicht infrage gekommen, sagte Pressesprecher Jens Grittner nach der Partie. Durch das auf der Route nötige Umsteigen hätten die Spieler zu viele Kontakte außerhalb des Mannschaftskreises gehabt.

Was man also als nötige Vorsicht durchgehen lassen kann, rechtfertigt aber noch nicht, warum das Team nicht mit dem Bus gefahren ist. Schließlich waren sie von einem Bus sowohl zum Flughafen in Stuttgart gebracht als auch in Basel wieder eingesammelt worden. Doch auch hierfür gebe es Gründe, heißt es: Eine Anreise mit dem Bus sei aus Regenerationsgründen für die Spieler nicht möglich gewesen, da zwei- bis dreistündiges Sitzen ihre Fitness und Gesundheit gefährdet hätte.

Das unterstrich auch Defensivmann Thilo Kehrer: "Zwischen dem Spiel gegen Spanien und der Schweiz haben wir alles daran gesetzt, so schnell wie möglich zu regenerieren und die bestmögliche Fitness zu haben. Da ist es schon ein Unterschied, ob man drei oder dreieinhalb Stunden sitzt oder 45 Minuten. Das Sitzen oder Nicht-Bewegen ist für die Regeneration nicht optimal."

Eine Erklärung, die für Unverständnis sorgt. "Bla bla bla, 3,5 Stunden im Bus mit entsprechender Beinfreiheit usw. (wir reden hier ja nicht vom Flixbus) ist durchaus auch für Profisportler noch in Ordnung. Und wenn die Strecke zu lang ist, kann man auch Pausen machen. Beim Fliegen sind sie mit An- und Abfahrt nicht schneller", kommentierte ein Nutzer bei Twitter. Ein anderer wurde sarkastisch: "Regeneration ist wichtig! So 1,5 Stunden weniger Reise können 2-3 Muskelfasern retten! Dazu noch die Unfall- und Verletzungsgefahr! Und Stau! Stau ist extrem stressig!"

Ein weiterer Nutzer verglich das DFB-Team mit den Radprofis bei der Tour de France. Diese hatten am Sonntag die neunte Etappe absolviert, saßen 153 bergige Kilometer in den Pyrenäen auf dem Rad. Weil die nächste Etappe am Dienstag in Île d'Oléron startet, mussten sie noch am Abend in die Teambusse steigen und die 430 Kilometer aus Laruns kommend hinter sich bringen. Dabei haben sie lediglich einen Tag Regeneration an diesem Montag und waren zuvor innerhalb von neun Tagen insgesamt 1536,5 Kilometer auf der Tour unterwegs.

Es wird deutlich, dass die Rechtfertigungen dem Ansehen des DFB nicht helfen. Umweltfreundliche, bodenständigere Varianten des Reisens wären deutlich besser angekommen. So aber provozierte der Verband einen Shitstorm, der vor allem aufkam, weil Fotos von der Reise mit dem Charterflugzeug vom DFB selbst in den sozialen Netzwerken verbreitet worden waren. Dabei gibt der Verband selbst an, sich für die Umwelt und den Naturschutz zu engagieren. Eigens dafür gibt es Projekte - die nun von der Nationalmannschaft jedoch konterkariert wurden.

"Wir können die kritischen Stimmen nachvollziehen und nehmen die entstandene Diskussion zum Anlass, uns zu hinterfragen, wie wir künftig die wichtigen Aspekte Umwelt und Nachhaltigkeit stärker in unseren Planungen und Entscheidungen berücksichtigen können", wurde Nationalmannschafts-Direktor Oliver Bierhoff auf der DFB-Homepage zitiert.

Quelle: ntv.de, ara

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