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Pauline Bremer im Interview "Das Wembley-Stadion ist bombastisch"

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Gute Erinnerungen an Wembley: Pauline Bremer gewann dort im Mai mit Manchester City den FA-Cup.

(Foto: imago images / ZUMA Press)

Am Samstag (ab 18.30 Uhr bei Eurosport) erwartet die deutschen Fußballerinnen Historisches: Im ausverkauften Wembley-Stadion spielt das Team von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg gegen England. Keine Spielerin im Aufgebot hat je eine größere Kulisse erlebt. Pauline Bremer von Manchester City spricht vor der Partie im Interview mit n-tv.de über den Boom des Frauenfußballs in ihrer Wahlheimat, die Lehren aus der WM, ihr Comeback nach langwieriger Verletzung und über die Bezahlung von Frauen und Männern.

Sie waren schon ein paar Mal im Wembley-Stadion. Was erzählen Sie Ihren deutschen Kolleginnen vor dem Länderspiel gegen England?

Genau, ich habe habe schon zweimal in Wembley gespielt. Vor vier Jahren gab es schon mal ein Länderspiel zwischen Deutschland und England, bei dem ich dabei war. In der vergangenen Saison standen wir mit Manchester City dort im FA-Cup-Finale. Und einmal war ich als Fan da. Das Stadion ist bombastisch. Es hat eine riesige Historie. Wenn ich mit den Engländerinnen bei mir im Verein spreche, merkt man, was Wembley überhaupt bedeutet. Bei den Spielen, bei denen ich dabei war, war das Stadion nur halb voll. Trotzdem war die Atmosphäre der Wahnsinn. Ich bin gespannt, wie es jetzt wird.

Der englische Verband hat 90.000 Karten für das Spiel gegen Deutschland verkauft. Löst diese Zahl Vorfreude aus? Oder ein leichtes Unbehagen?

Zur Person

Pauline Bremer wurde am 10. April 1996 im niedersächsischen Ossenfeld geboren. Seit dem Alter von neun Jahren spielt sie Fußball, ihr Debüt in der Bundesliga gab sie am 2. Dezember 2012 für Turbine Potsdam. 2015 wechselte sie zu Olympique Lyon, 2017 schließlich zu Manchester City. Ihr erstes Spiel für das DFB-Team absolvierte sie an ihrem 18. Geburtstag beim WM-Qualifikationsspiel gegen Slowenien.

Auf jeden Fall riesengroße Vorfreude. Das sind die Spiele, für die man jeden Tag auf dem Trainingsplatz steht. Ich glaube, niemand von uns hat bisher vor so vielen Zuschauern gespielt.

Der englische Frauenfußball erlebt einen Boom. Die Women’s Super League ist die einzige Vollzeit-Profiliga Europas, beim Manchester-Derby zum Saisonstart kamen so viele Zuschauer wie noch nie bei einem Ligaspiel, auch andere Vereine verlegen Spiele in die größeren Männer-Stadien. Was macht England besser als Deutschland?

Was hier wirklich gut betrieben wird, ist das Marketing um die großen Spiele. Das Manchester-Derby oder das Länderspiel sind gute Beispiele dafür. Es ist ein Erfolg, dass wir für einzelne Spiele in die großen Stadien gehen. Das steigert die Aufmerksamkeit. Bei normalen Spielen in der Liga kommen dann aber trotzdem nur 1000 bis 2000 Zuschauer. Die große Herausforderung ist es, das zu ändern. Wenn wir die Chance haben, uns vor vielen Zuschauern zu zeigen, dann müssen wir das nutzen. Wir müssen attraktiven Fußball bieten und die Leute dafür begeistern, regelmäßig zu kommen.

Ist es anstrengend, nie einfach nur spielen zu können, sondern immer auch Botschafterin für den Frauenfußball zu sein?

Nein, ich würde nicht sagen, dass das anstrengend ist. Wir machen das ja gerne. Wir wollen sowieso immer den besten Fußball spielen.

In der Women's Super League geben Arsenal, Chelsea und Manchester City den Ton an. Auch Manchester United hat seit einer Weile eine Frauenmannschaft. In Spanien mischt - neben Barça und Atlético - künftig Real Madrid mit. Sollten alle großen Vereine auch ein Frauenteam stellen?

Ich denke schon, dass diese großen Namen Zuschauer anlocken. Man sieht das hier in Manchester. Manchester United kennen die Leute einfach. Das Manchester-Derby hat eine riesige Bedeutung. Den Zuschauern ist egal, ob es die Männer- oder Frauenmannschaft ist. Sie unterstützen den Verein.

Sollte der Fußball der Frauen bewusst eine andere Zielgruppe ansprechen?

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In der EM-Qualifikation läuft es für Bremer und Co. derzeit sehr gut.

(Foto: imago images/Hartenfelser)

Man merkt bei unseren Spielen, dass mehr Familien und Kinder kommen. Das hat natürlich auch damit zu tun, dass es vom Preis günstiger ist. Eine fünfköpfige Familie geht automatisch eher zum Frauenfußball, weil sie da einfach nicht so viel bezahlt wie bei einem Spiel der Männer. Das müssen die Vereine nutzen.

Eintrittspreise sind ein gutes Stichwort. Es wird immer wieder diskutiert, Karten Frauenspiele kostenlos auszugeben, um Zuschauer anzulocken. Eine gute Idee?

Das ist eine Philosophie-Frage. Ich finde, man sollte das Spiel nicht durch freien Eintritt abwerten. Wir stehen genau so viele Stunden auf dem Trainingsplatz wie die Männer und spielen auch attraktiven Fußball. Das ist ein Wert, den wir verkaufen wollen. Natürlich können wir nicht so wahnsinnig viel Eintritt nehmen. Aber dass man die Tickets verschenkt? Das kann man mal machen, generell ist das der falsche Weg.

Kommen wir zu Ihnen. Sie waren lange verletzt, fielen über ein Jahr mit mehreren Brüchen im rechten Bein aus. Haben Sie um Ihre Karriere gefürchtet?

Es war eine schwere Zeit mit einigen Rückschlägen. Aber für mich war immer klar, dass ich zurück auf den Platz will. Es war nicht schwer, mich in der Reha zu motivieren. Klar, es gab auch Tage, wo man ziemlich frustriert ist. Aber ich habe immer versucht, mich an kleinen Zielen festzuhalten. Wieder schmerzfrei zu gehen, wieder zu laufen. Nach und nach konnte ich meine Fitness wieder aufbauen.

Für die WM im Sommer waren Sie nach Ihrer Verletzung nicht nominiert. Sie verfolgten das deutsche Aus im Viertelfinale am Fernseher. Was sind die Lehren aus dem Turnier?

*Datenschutz

Wir sollten aus der WM mitnehmen, dass man einfach nie aufhören darf, zu arbeiten. Man muss immer weiter dranbleiben, weil andere Nationen auch gute Arbeit leisten. Um in der Weltspitze dabei zu bleiben, müssen wir uns technisch und taktisch immer weiterentwickeln. Durch das WM-Aus haben wir auch die Olympischen Spiele verpasst. Das ist besonders bitter, weil ich da nach meiner Verletzung unbedingt dabei sein wollte. Jetzt ist mein Ziel die EM im übernächsten Jahr in England. Das ist für mich natürlich auch etwas Besonderes.

Neben dem Fußball absolvieren Sie ein BWL-Fernstudium. Wie klappt das zeitlich?

Eigentlich ganz gut. Aber in der Regelstudienzeit schaffe ich es wohl nicht. Dafür bin ich zu viel unterwegs. Ich finde es wichtig, nebenbei noch etwas anderes zu machen, als Ausgleich. Man steht die ganze Zeit auf dem Platz und betätigt sich körperlich. Da ist es gut, auch etwas fürs Köpfchen zu tun.

Außerdem kann es nicht schaden, einen Plan für die Zukunft zu haben. Finden Sie die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern im Fußball unfair?

Das ist eine schwierige Frage. Man kann das schwer vergleichen. Die Männer spielen jedes Wochenende in vollen Stadien, haben andere Ticketpreise und eine viel größere Reichweite. Deshalb können wir nicht einfach sagen, dass wir das gleiche verdienen wollen. Trotzdem wünschen wir uns natürlich eine angemessene Wertschätzung mit guten Gehältern und professionellen Trainingsbedingungen.

Mit Pauline Bremer sprach Hendrik Bucheister

Quelle: n-tv.de

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