Fußball

Kein Top-Transfer für Liverpool Das riskante Kaderspiel von Jürgen Klopp

imago41462792h.jpg

Jürgen Klopp und sein FC Liverpool müssen ohne große Verstärkungen auskommen: ein durchaus gewagtes Kaderspiel.

(Foto: imago images / Geisser)

Im Vorjahr gab der FC Liverpool viel Geld aus, in diesem Sommer hingegen hält sich der Klub auf dem Transfermarkt zurück. Trainer Jürgen Klopp glaubt, dass im Kader noch genug Potenzial steckt. Reicht das, um den Titel-Hattrick von Manchester City zu verhindern?

In den wildesten Tagen des Fußball-Kalenders ging es beim FC Liverpool erstaunlich ruhig zu. Der englische Vizemeister hat sich in diesem Sommer auf dem Transfermarkt zurückgehalten. Die einzigen Zugänge sind die Abwehr-Teenager Sepp van den Berg und Harvey Elliott sowie der spanische Ersatztorwart Adrián. Spieler für die Zukunft also und für den Notfall. Für den laufenden Betrieb sah Coach Jürgen Klopp keinen Handlungsbedarf. "Man sollte keine Transfers nur deshalb tätigen, weil auch andere Vereine Transfers tätigen. Das ergibt keinen Sinn", rechtfertigte sich der deutsche Übungsleiter gerade im Gespräch mit "Sky Sports". Seiner Meinung nach ist sein Kader gut so, wie er ist.

In der Tat ist das ja eine komplizierte Frage: Wie macht man eine Mannschaft noch besser, die in der abgelaufenen Saison in der Premier League nur ein Spiel verloren und die Champions League gewonnen hat? Im vergangenen Jahr hat der FC Liverpool massiv investiert, er gab mehr als 260 Millionen Euro aus und holte dafür Spieler, die den Verein auf ein völlig neues Level gehoben haben, in die absolute internationale Spitzenklasse. Allen voran Innenverteidiger Virgil van Dijk (kam bereits im Januar 2018) und Torhüter Alisson (kam vergangenen Sommer). Sie gelten als transformative Transfers. In der neuen Saison, die Klopps Mannschaft an diesem Freitag an der heimischen Anfield Road gegen Aufsteiger Norwich City eröffnet, geht es für Liverpool eher "um das Feintuning, nicht um große Operationen", wie es der "Guardian" formulierte. Der Verein war deshalb zum Beispiel auch nicht daran interessiert, den Brasilianer Philippe Coutinho aus Barcelona zurückzuholen.

imago41542344h.jpg

Im Mittelfeld liegen die Hoffnungen auf Alex Oxlade-Chamberlain. Nach langer Verletzung soll er das Mittelfeld kreativer machen.

(Foto: imago images / Focus Images)

Der Vizemeister hat im eigenen Kader noch genug Potenzial, sich im Vergleich zur Vorsaison zu verbessern, es sind noch genug Schätze vor der eigenen Haustür zu heben, davon ist Klopp überzeugt. Nach langer Verletzungspause steht der junge Innenverteidiger Joe Gomez wieder zur Verfügung. Er gilt langfristig als natürlicher Nebenmann für van Dijk in der Abwehrmitte. Im Mittelfeld liegen die Hoffnungen auf Alex Oxlade-Chamberlain. Der Ex-Profi des FC Arsenal verpasste die komplette vergangene Saison mit einem Kreuzbandriss. Zur neuen Spielzeit steht er wieder zur Verfügung und soll das Mittelfeld kreativer machen. Auch vom einstigen Leipziger Naby Keïta erhofft sich der Klub mehr als in seiner ersten Spielzeit in Liverpool, in der er mit Schwierigkeiten bei der Eingewöhnung und Verletzungen zu kämpfen hatte.

Wo Manchester City im Vorteil ist

Dennoch ist es gewagt für den FC Liverpool, ohne größere Transfers in die neue Saison zu gehen und auf eine natürliche Weiterentwicklung zu vertrauen, während Manchester City mit der Verpflichtung des defensiven Mittelfeldspielers Rodri von Atlético Madrid für 70 Millionen Euro einen Rekord für die teuerste Verpflichtung der Vereinsgeschichte aufgestellt hat. Der Meister hat Klopps Mannschaft auch in der neuen Saison voraus, dass er auf fast jeder Position doppelt besetzt ist. Das würde auch gelten, falls Leroy Sané sich noch dem FC Bayern anschließt.

imago41405913h.jpg

Der gerade einmal 18 Jahre junge Rhian Brewster ist die große Hoffnung hinter den Stammkräften Sadio Mané, Roberto Firmino und Mohamed Salah.

(Foto: imago images / Colorsport)

In Liverpool gibt es keinen gleichwertigen Ersatz für die Außenverteidiger Andrew Robertson und Trent Alexander-Arnold. Auch hinter den Angreifern Mané, Firmino und Salah wird es dünn. Der gerade einmal 18 Jahre junge Rhian Brewster ist die große Hoffnung hinter den Stammkräften Sadio Mané, Roberto Firmino und Mohamed Salah. Er gilt als Riesentalent. Außerdem gibt es noch Königsklassen-Held Divock Origi. Er ist aber weiterhin nur als Joker eingeplant und fällt so nicht in die Kategorie der Spieler, die Liverpool quasi von innen heraus im Vergleich zur Vorsaison besser machen können.

Aus dem Top-Trio sollte also besser niemand länger ausfallen oder sich eine anhaltende Schwächephase gönnen. Das hat auch die Saisonvorbereitung, die für Liverpool durchwachsen lief mit nur drei Siegen aus sieben Spielen und der Niederlage im Supercup gegen Manchester City, gezeigt. Mané, Firmino und Salah verpassten sie größtenteils, weil sie bis weit in den Sommer hinein beim Afrika-Pokal und der Copa América beschäftigt waren.

Trotzdem besteht kein Zweifel, dass der FC Liverpool in der neuen Saison die einzige Mannschaft sein wird, die einem Titel-Hattrick von Manchester City im Weg stehen könnte. Das Verlangen nach der ersten Meisterschaft seit 1990 hat durch den um nur einen Punkt verpassten Titel in der vergangenen Saison noch zugenommen, die Euphorie im Umfeld des Vereins ist riesig nach dem Gewinn der Champions League durch den 2:0-Erfolg im Finale gegen Tottenham Hotspur. Trainer Klopp hatte noch in der magischen Nacht von Madrid Anfang Juni eine Warnung an die Konkurrenz geschickt. Seine Botschaft: "Das ist erst der Anfang für diese Mannschaft."

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema