Fußball

Im Bus "fliegt die Kuh" Der 1. FC Kaiserslautern löst ein Erdbeben aus

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Ein Augenblick für die Ewigkeit.

(Foto: IMAGO/Jan Huebner)

Mit dem Aufstieg in die 2. Fußball-Bundesliga ist beim 1. FC Kaiserslautern der Stolz zurückgekehrt. Das Umfeld ist total euphorisiert, die Ambitionen sind schon jetzt wieder gigantisch. Auf die Verantwortlichen wartet jede Menge Arbeit. Grüße gibt es vom traurigen Ex-Coach.

Der 1. FC Kaiserslautern hat bei einer großen Party vor 10.000 begeisterten Fans auf dem Stiftplatz der Stadt den Aufstieg in die 2. Bundesliga gefeiert. Die Freude über die Rückkehr der Roten Teufel in die zweithöchste Fußball-Klasse nach vier Jahren war über die Stadtgrenze hinaus in Rheinland-Pfalz groß. Die Aufstiegsparty begann am Nachmittag und ging bis spät in den Abend. Nach Jahren der Tristesse und großer Finanznot ist wieder Stolz beim Traditionsklub eingekehrt. "Der Verein ist durch viel Scheiße gegangen", sagte Mittelfeldspieler Hikmet Ciftci nach dem 2:0 (0:0) im Relegations-Rückspiel bei Dynamo Dresden: "Das soll ein Geschenk sein für den Verein, für die Fans."

Im vierten Anlauf sei man "endlich raus aus der 3. Liga", wie Kapitän Jean Zimmer frohlockte, der auch bekannte: "Es gibt sehr, sehr viele kleine Augen." Nach drei Niederlagen im Ligaendspurt hatten nur die wenigsten noch mit diesem Happy End gerechnet. Doch der neue Trainer Dirk Schuster hauchte den Roten Teufeln wieder Leben ein. Er habe seinen niedergeschlagenen Spielern eingetrichtert, "dass die Relegation keine Strafe ist, sondern eine Chance", berichtete der Coach, der in seiner erfolgreichsten Zeit schon Darmstadt 98 von der Drittklassigkeit in die Bundesliga geführt hatte.

"Die Mannschaft hat ein Erdbeben ausgelöst", sagte Oberbürgermeister Klaus Weichel am Abend. Zur Party auf dem Stiftsplatz kamen Stürmer Terrence Boyd und René Klingenburg mit Zigarre auf die Bühne, Mike Wunderlich brachte eine XXL-Flasche Whisky mit und reichte sie den Fans im Publikum weiter. Popstar Mark Forster trug mit einem Song zur prächtigen Stimmung der Aufsteigergemeinde bei. "Die Vorfreude auf die zweite Bundesliga ist riesengroß", jubelte Kapitän Jean Zimmer. "Es kommen jetzt richtig geile Gegner auf uns zu." Und: "Diese Feier heute war das i-Tüpfelchen auf die letzten Wochen!"

"Betzenberg gehört wieder ins Oberhaus"

Ministerpräsidentin Malu Dreyer gratulierte dem FCK, der mit "riesiger Willenskraft, viel Herzblut" den Aufstieg geschafft habe. "Ich freue mich mit für die Fans, die Stadt und die Region und ganz persönlich auf die Spiele in der 2. Bundesliga", sagte sie. "Von ganzem Herzen" freute sich SPD-Sportminister Roger Lewentz über den Aufstieg. Die Pfalz und die großartigen Fans hätten diese erste Etappe des Aufstiegsmarathons mehr als verdient. "Der in der 3. Liga mehrfach ausverkaufte Betzenberg gehört wieder ins Oberhaus des deutschen Fußballs", betonte er.

Wie euphorisiert das Umfeld des viermaligen Meisters ist, zeigte auch die ausgelassene Stimmung beim Public Viewing im Fritz-Walter-Stadion mit 7500 Fans. Keine Frage: Der Klub "lechzt nach Erfolg", wie Schuster bereits nach zwei Wochen im Amt festgestellt hat. Manager Thomas Hengen, der mit dem späten Trainerwechsel von Marco Antwerpen zu Schuster auch persönlich ein extrem hohes Risiko eingegangen war, wollte noch nichts zur Personalplanung für die Zweitliga-Saison verraten: "Heute und morgen ist erst mal Kopf durchblasen angesagt."

Grüße vom Ex-Coach

Antwerpen zollte dem 1. FC Kaiserslautern Anerkennung, wenn auch nicht ganz ohne Wehmut. "Die Mannschaft, der ganze Verein, haben Großartiges geleistet. Ich bin stolz auf die Jungs", sagte er bei Sport1, bekannte aber auch: "Für mich war es natürlich emotional nicht leicht, die Relegationsspiele zu verfolgen." Die Spieler hätten immer an ihre Chance geglaubt, sagte Schuster und dankte auch Antwerpen: "Wir haben heute das vollendet, was er vorbereitet hat."

Einen Schatten auf das Freudenfest wurde durch die Ankündigung des Deutschen Fußball-Bundes geworfen, dass wegen der Vorfälle beim Relegationsspiel ein Verfahren gegen beide Vereine eingeleitet wird. Dies teilte der DFB auf Anfrage der Deutschen Presseagentur mit. Nach dem zweiten FCK-Tor in der Nachspielzeit war die Partie für mehrere Minuten unterbrochen, weil aus dem Dresdner Fanblock Leuchtraketen und Böller auf den Rasen geworfen wurden. Zudem wurden Dynamo-Vereinsfahnen verbrannt.

"Lautern ist der geilste Klub der Welt!"

Die Pfälzer Aufstiegshelden hatten bereits auf der Rückfahrt aus Dresden kräftig gefeiert und im Bus "die Kuh fliegen lassen", wie Schuster sagte. Kurz nach Abpfiff der Partie rannten die Roten Teufel zu ihren Fans, hüpften und tanzten mit ihren Anhängern und kippten das erste Bier noch auf dem Rasen, während die Fans brüllten: "Lautern ist der geilste Klub der Welt!" Aus Respekt vor dem Gegner und wohl auch aus Sorge vor einer Eskalation der ohnehin aufgeheizten Atmosphäre in der Dresdner Arena habe er seine Spieler angehalten, "im Stadion etwas zurückhaltender zu feiern"

Wo der Klub hin will, verdeutlichte Mittelfeld-Akteur Mike Wunderlich: "Der Verein gehört nicht in die 3. Liga und auch nicht in die 2. Liga. Wir sind wenigstens den ersten Schritt gegangen", sagte der Routinier und dankte dem kurz vor der Relegation freigestellten Antwerpen: "Der Coach hat einen super Job gemacht. Und der neue Coach auch." Für die Pfälzer endete eine vierjährige Leidenszeit in der Tristesse. Abwehrspieler Kevin Kraus kündigte im Überschwang der Gefühle an: "Wir feiern bis zum Verlust der Muttersprache."

Seit Abschluss des Insolvenzverfahrens im Dezember 2020 ist der FCK offiziell schuldenfrei, das finanzielle Plus im zweistelligen Millionenbereich durch den Aufstieg hilft nochmals enorm. Das defizitäre Geschäft in der 3. Liga hat dank der weitaus höheren Mediengelder ein Ende, der Wert des Klubs dürfte sich massiv steigern. Durch den Einstieg mehrerer Investoren könnte er vielleicht sogar in neue Sphären vordringen. Mit seiner Strahlkraft und dem Mythos Betzenberg ist der FCK aber auch eine Bereicherung für die zweite Liga. Nun muss der Verein nur noch Ruhe und Kontinuität lernen. "Die 15 Monate, die ich beim FCK bin", sagte Hengen, "fühlen sich wie 15 Jahre an."

Quelle: ntv.de, tno/dpa/sid

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