Fußball

Mental und physisch ohne Stärke Der Psychoknacks bei Mainz 05 sitzt tief

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Union hat die Nase vorn, die Mainzer können dem Ball meist nur hinterhergucken.

(Foto: imago images/Thomas Frey)

Mainz 05 steckt im Abwärtsstrudel. Die Rheinhessen lassen sich in der Fußball-Bundesliga mit einfachsten Mitteln vorführen. Ist der Stecker einmal gezogen, wirkt das Team von Trainer Schwarz hilflos. Vor allem psychologisch scheinen die Mainzer dem Druck nicht standhalten zu können.

Der 1. FSV Mainz 05 ist zurzeit der angenehmste Gegner der Bundesliga. Es gibt wohl kein Team im Fußball-Oberhaus, das ausrechenbarer und leichter zu verunsichern ist. Vorne fehlt es an Kreativität und Durchschlagskraft, hinten an letzter Konsequenz, das eigene Tor zu verteidigen. Beim Besuch des 1. FC Union Berlin waren die Gäste aus der Hauptstadt, die am Ende an diesem Samstag mit 3:2 (2:0) gewannen, fast immer mit dem gleichen Muster erfolgreich: Langer Ball auf die Spitzen Sebastian Polter und Sebastian Andersson - die beiden Sturmkanten verarbeiteten in Mainz fast jede Angabe und sorgten für Gefahr.

Mit ganz einfachen Mitteln setzten sich die Gäste aus Köpenick gegen die Rheinhessen durch. Dass Mainz in der aktuellen Situation, insbesondere nach der 0:8-Rekordniederlage aus der Vorwoche gegen RB Leipzig, nicht immer die richtigen Entscheidungen und Lösungen auf den Platz bringt, war zu erwarten, die angekündigte Reaktion der Mannschaft war gegen Berlin allerdings auch nicht zu sehen.

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Zu lange mühten sich die Rheinhessen mit ihrem fahrigen Offensivspiel ab und rieben sich an einer physisch starken Union-Elf auf. In der Körpergröße hatten die Gäste aus Berlin "einen klaren Vorteil", betonte Mainz-Trainer Sandro Schwarz. Bei den Standardsituationen kurz vor Ende der ersten Hälfte und gleich nach Beginn der zweiten setzte es dann zwei psychologisch harte Nackenschläge für die Mainzer. "Die zwei Ecken haben uns das Genick gebrochen. Da war der Stecker gezogen."

Keine Notstromaggregate

Auffällig bei Mainz ist, und das haben andere Bundesligapartien ebenfalls gezeigt: Wenn bei der besagte Stecker der Schwarz-Elf einmal gezogen ist, gibt es auch keine Notstromaggregate oder Ersatzakkus, die der Mannschaft wieder Leben einhauchen könnten. Das Aufbäumen gen Ende der Partie und die beiden Treffer der Hausherren sind dann auch der Unerfahrenheit der Unioner anzurechnen, die in den letzten 20 Minuten jegliche spielerische Übersicht vermissen ließen. Da waren sie den desolaten Mainzern allerdings schon so weit enteilt, dass es dennoch für den historischen ersten Auswärtssieg der Unioner Bundesliga-Geschichte reichte.

05-Trainer Sandro Schwarz, der gerne situative Spielszenen heranzieht, suchte nach dem Spiel etwas krampfhaft nach den möglichen Wendepunkten. Chancen durch Adam Szalai (20.) und Ridle Baku (28.) hätten die Führung bringen, Robin Quaison im Eins-gegen-eins mit dem überragenden Gästekeeper Rafal Gikiewicz den Ausgleich erzielen können. Schwarz ergänzte aber selbst, dass die Berliner bereits zuvor zwei glasklare Möglichkeiten auf ein früheres Tor hatten. Die Rhetorik des Trainers klingt dann oft sehr redundant und trifft wohl auf fast jede der Niederlagen in dieser Saison zu.

"Das nagt an dir"

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Dabei scheinen die Mainzer psychisch nicht für den Abstiegskampf gewappnet zu sein. "Der Kopf hat heute eine große Rolle gespielt", gestand Schwarz ein, der nun sein Team wieder aufrichten muss. Ähnlich sah es auch Verteidiger Daniel Brosinski: "Wenn du wiederholt zuhause in Rückstand gerätst und es ist wieder ein Standardtor, das nagt dann an dir", ließ der Verteidiger tief blicken. "Wir müssen selbstkritisch sein und jeder muss sich hinterfragen, ob er heute über 90 Minuten alles reingehauen hat."

Bei den Fans hat die Vereinsführung und die Mannschaft allerdings einiges an Kredit verspielt. Kurz vor der Halbzeit schallte es von den Tribünen: "Wir wollen euch kämpfen sehen". Es folgte unmittelbar das 0:2. Nach dem dritten Gegentor stellten die Fans der Mainzer den Support ihrer Mannschaft komplett ein.

Um seinen Job macht sich der Trainer allerdings keine Sorgen. Davor habe er keine Furcht, erklärte er nach der Partie. Er sei eher frustriert und enttäuscht über die Niederlage. "Es geht um die Mannschaft und den Klub, alles andere wird nun aufgearbeitet." In Mainz gelten ohnehin andere Gesetze, was die Bundesliga-Mechanismen bei sportlich schlechten Phasen angeht. Das konnten die Verantwortlichen bislang und bereits in der vergangenen Saison meist wegmoderieren. In den kommenden Wochen wird das angesichts der Gegner Hoffenheim und Frankfurt aber zusehends schwieriger.

 

Quelle: n-tv.de

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