Fußball

Der argentinische Titelfluch Der auf ewig unvollendete Lionel Messi

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Mit der Leistung der Unparteiischen war Lionel Messi alles andere als einverstanden.

(Foto: imago images / Fotoarena)

Der ewige Traum vom großen Titel erfüllt sich für Lionel Messi wieder einmal nicht. Argentinien scheitert im Halbfinale der Copa América am Erzrivalen Brasilien. Für den Superstar ist es die nächste Enttäuschung - er findet dafür einen Schuldigen.

Normalerweise hält sich Lionel Messi in Interviews nach Niederlagen eher kurz. Doch nach der 0:2 (0:1)-Pleite seiner argentinischen Fußball-Nationalmannschaft gegen Brasilien im Halbfinale der Copa América suchte der Kapitän der Albiceleste bewusst die Mikrofone. Sichtlich enttäuscht über die nächste verpasste Titelchance mit seinem Land, vor allem aber verärgert über den Schiedsrichter. "Einen Schwachsinn" nannte Messi den Umstand, dass Roddy Zambrano aus Ecuador selbst bei strittigsten Szenen nicht den Videoassistenten bemüht hatte. "Wir haben alles gegeben, was wir hatten. Aber es gab Dinge, die gegen uns gelaufen sind", schimpfte der Superstar des FC Barcelona.

"Jeder minimale Kontakt" an einem Brasilianer sei mit einem Pfiff geahndet worden, während der Unparteiische Argentinien gleich mehrere Elfmeter verweigert habe. Etwa in der 84. Minute, als Nicolas Otamendi bei einem Eckball unsanft per Check von Arthur gestoppt wurde und mit schmerzverzerrtem Gesicht im Strafraum zu Boden ging. Zambranos Pfeife aber blieb stumm.

"Brasilien kontrolliert alles"

Dass seine Kritik etwas bewirkt, glaubt Messi nicht. "Brasilien kontrolliert alles", erklärte der fünfmalige Weltfußballer, nachdem er mit der Nationalmannschaft auf dem Weg zum lang ersehnten ersten großen Titel wieder einmal unsanft gestoppt wurde. Damit meinte er auch die Verantwortlichen in der südamerikanischen Konföderation Conmebol, die unter dem Einfluss des brasilianischen Verbandes stünden.

Sportlich dagegen machte der 32-Jährige weder sich noch seinen Mitspielern Vorwürfe. Er selbst zeigte nach einem bis dahin unauffälligen Turnier seine beste Leistung in einer Mannschaft, die sich gegenüber den vorherigen Auftritten auch deutlich steigerte. Argentinien hatte in der Vorrunde nur eines von drei Spielen gewonnen, im Viertelfinale gab es ein 2:0 (1:0) gegen Außenseiter Venezuela. "Leo, wach gegen Brasilien auf", hatte das Sportblatt "Olé" danach mit Blick auf das Duell gegen den Erzrivalen im Halbfinale gefordert, auch zeigte sich Messi selbstkritisch: "Mein Niveau ist nicht das beste".

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Messi beklagt den zu großen Einfluss des brasilianischen Verbandes im südamerikanischen Fußball.

(Foto: imago images / Agencia EFE)

Auch den Untergrund in den Stadien hatte der Angreifer hernach kritisiert: "Die Spielfelder sind eine Schande." Ähnlich hatte sich auch Brasiliens Nationaltrainer Tite geäußert. Der Naturrasen in Belo Horizonte gehörte allerdings zu den besseren des Turniers. Und plötzlich setzte Messi im Mittelfeld immer und immer wieder zum Dribbling an, den Ball eng am Fuß, immer auf der Suche nach dem Pass, der Mitspielern wie Sergio Agüero in der 36. Minute die Chance zum Torabschluss eröffnet.

Erst Latte, dann Pfosten

"Endlich hat die Nationalmannschaft ein ordentliches Spiel abgeliefert, immer mit Herz und einer Offensivkraft, die sie zuvor nicht gezeigt hatte", urteilte die Tageszeitung "La Nación". Messi war an vielen der 13 argentinischen Torschüsse beteiligt, denen nur vier der Brasilianer gegenüberstanden. Die aber trafen durch Gabriel Jesus (19.) und Roberto Firmino (71.) doppelt, während Sergio Agüero per Kopf nach Messi-Freistoß (30.) am Aluminium scheiterte.

So wie auch Messi selbst, der in der 58. Minute aus halblinker Position im Strafraum den Abschluss suchte, aber nur den linken Pfosten des brasilianischen Tores fand. In der 65. Minute hatte Argentiniens Kapitän den Ausgleich auf dem Fuß, seinen Freistoß entschärfte Alisson kurz vor der Torlinie. Zuvor hatte Dani Alves ihn nur per Foul kurz vor der Strafraumgrenze stoppen können.

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Die argentinische Presse zeigte sich trotz der Niederlage versöhnlich.

(Foto: imago images / Agencia EFE)

So schrieb auch die größte Tageszeitung des Landes "Clarín", dass Messi "der Führungsspieler auf dem Feld" war, nur das Tor habe eben gefehlt. Auch "La Nación" attestierte eine überzeugende Leistung "des Kapitäns, der sich auf dem Spielfeld wohlfühlte". Die argentinische Presse zeigte sich also nach der Kritik im Vorfeld und trotz der Niederlage versöhnlich mit ihrer Nationalmannschaft, die nach den Final-Niederlagen bei der WM 2014 (0:1 n.V. gegen Deutschland) sowie bei der Copa América 2015 (1:4 n.E. gegen Chile) und 2016 (2:4 n.E. gegen Chile) diesmal um den dritten Platz spielt.

Die nächste Enttäuschung

Für Messi, der im Vereinsfußball mit dem FC Barcelona längst alles gewonnen hat, ist die Halbfinal-Niederlage die nächste Enttäuschung einer einst mit großen Erwartungen gestarteten Karriere in der Nationalmannschaft. Doch schon sein Debüt für die Albiceleste ließ erahnen, dass längst nicht alles reibungslos verlaufen würde. Der erste Auftritt des damals 18-Jährigen im August 2005 endete nach wenigen Sekunden: In der 64. Minute eingewechselt, flog er in der 65. Minute nach einer vermeintlichen Tätlichkeit mit Rot vom Platz. Der noch immer einzige Platzverweis für den heute 32-Jährigen.

Damals war Messi zur A-Nationalmannschaft gestoßen, nachdem er wenige Wochen zuvor die argentinische U20 zum WM-Titel geführt hatte. Als bester Spieler des Turniers erzielte er sechs Tore, darunter beide Treffer zum 2:0-Finalsieg über Nigeria. Auch Messis bislang letzter Titel in blau und weiß kam mit einem U-Team zustande – der U23, die 2008 das olympische Fußballturnier in Peking für sich entschied. Zwischen diesen beiden Erfolgen lag Messis erste Copa América im Jahr 2007. Argentinien erreichte das Finale und unterlag dort Brasilien deutlich mit 0:3. Es war die erste von inzwischen vier Niederlagen in großen Finals für den vielleicht besten Spieler, den der Fußball je gesehen hat.

Rücktritt? Diesmal nicht

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Der Unvollendete: Ein großer Titel mit der Nationalmannschaft fehlt dem fünfmaligen Weltfußballer noch immer.

(Foto: imago images / Fotoarena)

Dem 32-Jährigen droht das Schicksal des Unvollendeten, zumindest im Nationaltrikot. Auf die Frage, ob er bei der nächsten Copa, die bereits im kommenden Jahr in Argentinien und Kolumbien stattfindet, dabei ist, sagte Messi: "Wenn ich der Gruppe weiterhelfen kann, weiter begleiten kann, ja." Ein erneuter Rücktritt wie nach dem Copa-Finale 2016 scheint damit zunächst ausgeschlossen.

Damals hatte Messi nach einer enttäuschenden Leistung im Endspiel seinen Abschied erklärt, diesen aber kaum sechs Wochen später rückgängig gemacht. Auch, weil er selbst im fortschreitenden Fußballer-Alter die Figur ist, auf die ganz Argentinien ihre fußballerischen Hoffnungen, Sehnsüchte und Erwartungen projiziert. Viele Chancen auf einen großen Titel bleiben schließlich nicht mehr, bei der WM 2022 in Katar wird er bereits 35 Jahre alt sein.

Quelle: ntv.de

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