Fußball

Bermuda erstmals beim Gold Cup Der forscheste Winzling auf der Weltbühne

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Grenzenloser Jubel: Mit dem 3:1 gegen die Dominikanische Republik qualifiziert sich Bermuda im März erstmals für den Gold Cup.

(Foto: imago images / Agencia EFE)

Der Gold Cup ist an echten Überraschungen eher arm. Meistens gewinnen die USA oder Mexiko die Kontinentalmeisterschaft des Concacaf-Verbandes. Aber das Turnier bringt immer interessante Exoten hervor. Diesmal: Bermuda, eine Inselgruppe mit gerade einmal 65.000 Einwohnern.

Bermuda als kleines Land zu bezeichnen, wäre wohl übertrieben. Denn selbst unter den vielen kleinen Nationen des Fußball-Verbandes für Nord- und Zentralamerika sowie der Karibik, Concacaf, ist Bermuda nur ein Winzling. Der Archipel mit seinen mehr als 350 Koralleninseln hat eine Fläche von knapp 54 Quadratkilometern - und ist somit deutlich kleiner als beispielsweise Manhattan (87,5 Quadratkilometer).

Dennoch hat Bermuda einiges vor. Erstmals steht die Fußball-Nationalmannschaft auf der großen internationalen Bühne, ist neben Guyana einer von zwei Neulingen beim Gold Cup. Die Meisterschaft des Concacaf-Verbandes, die alle zwei Jahre ausgetragen wird, findet diesmal nicht mehr mit zwölf, sondern erstmals mit 16 Mannschaften statt. Man wolle es so auch kleineren Nationen ermöglichen, dabei zu sein, hieß es von Concacaf.

"Kleiner Gold-Cup-Neuling mit großen Visionen"

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Bermuda qualifizierte sich im März durch einen 3:1-Auswärtssieg in der Dominikanischen Republik für den Gold Cup - und gibt heute in Costa Ricas Hauptstadt San Jose gegen Haiti seinen Turniereinstand (0 Uhr). "Wir sind auf dem Papier zwar Underdogs, aber wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und glauben, dass wir hier hergehören", sagt Kapitän Dante Leverock. Die "Sports Illustrated" nannte die "Gombey Warriors" (Gombey ist Bermudas ikonische und farbgewaltige Performance-Kunst bestehend aus Trommeln, Tanz und Maskerade) einen "kleinen Gold-Cup-Neuling mit großen Visionen."

Denn Verbandspräsident Mark Wade denkt bereits über diesen Gold Cup hinaus. Er träumt von einer WM-Teilnahme. 2022 ist das noch unrealistisch, aber 2026 vielleicht möglich. Dann wird das Teilnehmerfeld von 32 auf 48 Mannschaften erhöht. Wade orientiert sich an den Isländern. Die hatten sich 2016 erstmals für eine Europameisterschaft qualifiziert und im Vorjahr in Russland dann ihre WM-Premiere erlebt. Allerdings zählt Island mit seinen knapp 350.000 Einwohnern mehr als fünfmal so viele Menschen wie Bermuda.

"Kleine aber anspruchsvolle Nation"

Mit einer Bevölkerung von knapp 65.000 ist die Inselgruppe, die vor allem für das Bermuda- Dreieck, Bermuda-Shorts und einige herausragende Golfplätze bekannt ist, die kleinste Nation außerhalb Ozeaniens, die je bei einer Verbands-Meisterschaft mitgespielt hat. Viele Profis sind in der heimischen Bermudian Premier League aktiv, aber es gibt auch einige Legionäre, wie zum Beispiel Kapitän Leverock, der bei Sligo Rovers in Irland spielt. Doch alle Akteure, sagt Nationaltrainer Kyle Lightbourne, sind auf Bermuda geboren und haben dort das Fußballspielen gelernt. Lightbourne sieht bei einigen seiner Profis "viel Potenzial." Und er weiß ebenso wie die Spieler, dass dieser Gold Cup die Chance ist, sich international zu empfehlen.

Neben Haiti spielt Bermuda in der Vorrundengruppe B gegen Costa Rica und Nicaragua. Leverock spricht trotz Fifa-Weltranglistenplatz 174 ganz offen vom Einzug ins Viertelfinale. Bermuda sei zwar eine "kleine Nation, aber zugleich auch eine anspruchsvolle Nation", weiß Lightbourne. Die Landsleute daheim, sagt er, seien zwar glücklich über die Qualifikation, aber würden sich damit nicht zufrieden geben.

"Wir gegen die Welt"

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"Wir sind alle Krieger einer kleinen Nation, ein Leichtgewicht, das es mit Größeren, Schwereren aufnimmt", so Leverock. Der Verteidiger nennt die Gold-Cup-Premiere "monumental", - nicht nur für das aktuelle Team, sondern auch "für das Land und die nächste Fußball-Generation." Mittelfeldspieler Zeiko Lewis betont, dass es für Bermudas Fußballer immer ein Kampf "Wir gegen die Welt" sei. "Wir müssen uns ständig anhören, dass wir aus einem kleinen Land kommen. Aber wir wollen zeigen, dass wir trotzdem viel Herz haben und mächtig sind", so Lewis.

Vergangenen Sonnabend wurde das Team von Bermudas Premierminister David Burt persönlich Richtung Costa Rica verabschiedet. Das Staatsoberhaupt hob hervor, wie stolz die Fußballer das ganze Land gemacht hätten - und wie begeistert nun alle den Turnierspielen entgegenfiebern würden. Burt sprach von einem "gewaltigen Sommer" für sein Land. Und er erwähnte beinahe nebenbei, dass einige der Kicker mal seine Angestellten waren. So ist das halt auf Bermuda. Hier sind die Wege eben weitaus kürzer als anderswo. Und irgendwie kennt fast jeder jeden.

Wie klein Bermuda ist, hat "Bernews", eine von zwei Nachrichtenseiten des Landes, anhand einiger interessanter Statistiken verdeutlicht. Demnach kommen die 16 teilnehmenden Länder dieses Gold Cup zusammengerechnet auf 550 Millionen Einwohner. Das liegt vor allem an den USA (325 Mio) und Mexiko (129 Mio). Die durchschnittliche Population beträgt 34 Millionen Menschen pro Nation. Bermudas Anteil an der Gesamtsumme: 0,01 Prozent. Und sieben der 17 Stadien haben ein größeres Fassungsvermögen als Bermuda Einwohner.

Quelle: n-tv.de

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