Sport
Montag, 23. August 2010

HSV-Fans überfallen St. Paulianer: Derby wird zum Risikospiel

Anhänger des Fußball-Bundesligisten Hamburger SV überfallen Fans des FC St. Pauli und verletzen drei Menschen. Die Vereine sind entsetzt, der HSV bittet um Entschuldigung. Und die Brisanz des Stadtderbys in vier Wochen steigt. Alle Beteiligten machen sich Sorgen um die Sicherheit der Zuschauer.

Feiern mit den Fans: die Spieler des FC St. Pauli nach dem 3:1-Sieg in Freiburg.
Feiern mit den Fans: die Spieler des FC St. Pauli nach dem 3:1-Sieg in Freiburg.(Foto: dpa)

Der Überfall von Anhängern des Hamburger SV auf Fans des FC St. Pauli erschreckt die Vereine, der DFB ist alarmiert - das Stadtderby soll aber wie geplant im Herzen Hamburgs stattfinden. Wenn die beiden Vereine am vierten Spieltag der Fußball-Bundesliga aufeinandertreffen, herrscht die höchste Sicherheitsstufe rund ums Millerntor-Stadion.

"Das ist schon etwas, worüber wir uns Gedanken machen und wo wir auch aktiv werden", sagte der Sicherheitsbeauftragte des Deutschen Fußball-Bundes, Helmut Spahn. "Wir werden gerade mit Blick auf das Derby am 4. Spieltag aber Gespräche mit den Verantwortlichen der Klubs führen", kündigte Spahn an. Der Sicherheitsexperte sieht in der Attacke, sollte es sich so abgespielt haben, wie Polizei und Zeugen sagen, eine neue Qualität, weil es sich um eine gezielte Aktion gehandelt haben könnte.

"Das war ein Angriff auf Wehrlose"

Etwa 15 vermummte HSV-Hooligans hatten den St.-Pauli-Fans in der Nacht zum Sonntag nach dem Spiel beim SC Freiburg am Bahnhof Hamburg-Altona aufgelauert und vier von ihnen bei brutalen Attacken verletzt. Dabei handelt es sich um eine Mutter mit 16-jährigem Sohn und dessen gleichaltrigen Freund sowie einen 50-jährigen Mann, wie der Verein mitteilte. Das Quartett hatte eine organisierte Reise des St.-Pauli-Fan-Ladens genutzt. Die Polizei sprach von etwa 20 St.-Pauli-Anhängern, die angegriffen wurden.

Die Mannschaft, die im gleichen Zug heimreiste, war bis auf Ersatztorwart Benedikt Pliquett zuvor an drei Hamburger Bahnhöfen ausgestiegen. Pliquett wurde aus einiger Entfernung Zeuge des Überfalls. An seinem Kopf sei eine Flasche vorbeigeflogen, berichtete der FC St. Pauli. Bei der Attacke wird eine geplante Aktion vermutet. "Wir sind total konsterniert, können das nicht begreifen", sagte St. Paulis Teammanager Christian Bönig. "Das waren keine Ausschreitungen, das war ein Angriff auf Wehrlose."

"Das ist ein beschämendes Verhalten"

Der Hamburger SV mit dem Vorsitzenden Bernd Hoffmann und Sportchef Bastian Reinhardt hat beim Stadtrivalen um Entschuldigung gebeten. "Das ist ein beschämendes Verhalten und trübt die Freude über zwei Hamburger Siege in der Bundesliga am Wochenende. Wir werden die Täter bestrafen, müssen aber erst prüfen, in welchem Zusammenhang sie zum Verein stehen", sagte HSV-Sprecher Jörn Wolf.

Laut Polizei befanden sich unter den Angreifern vier Personen, die als "Gewalttäter Sport" geführt werden. Auch Dauerkarten-Besitzer des HSV und Mitglieder der Fanabteilung Supporters sollen unter den Hooligans gewesen sein. "Wir verurteilen jegliche Form von gewalttätigen Auseinandersetzungen. Hier gibt es nichts zu tolerieren", sagte Ralf Bednarek, Abteilungsleiter des 60.000 Mitglieder starken Supporters-Clubs. Die zwischenzeitlich in Gewahrsam genommenen Hooligans sind wieder auf freiem Fuß. "Der HSV oder die DFL sind zuständig, Stadionverbote zu verhängen", sagte Bednarek. Sollte sich bestätigen, dass Supporters unter den Tätern waren, wird ein Ausschluss aus der Abteilung erwogen. "Wir dürfen aber nicht überreagieren", sagte der Abteilungsvorsitzende.

"Kritische Abendspiele am Millerntor sind gescheitert"

Beide Vereine fordern, das in vier Wochen angesetzte Derby im Millerntor-Stadion (17. bis 19. September) am Samstagnachmittag auszutragen. Den genauen Termin legt die Deutsche Fußball Liga erst fest. "Kritische Abendspiele am Millerntor sind gescheitert. Das haben die Partien gegen Hansa Rostock bewiesen", sagte Bednarek. Die Gegebenheiten im Stadtteil St. Pauli würden die Schlichtung möglicher Auseinandersetzungen im Dunkeln erschweren.

Im Vorfeld werden sich beide Vereine und Fanabteilungen sowie Landes- und Bundespolizei mit der Sicherheit beim ersten Erstligatreffen beider Klubs seit April 2002 auseinandersetzen. Eine Verlegung ins größere und und nach Sicherheitsaspekten besser zu kontrollierende HSV-Stadion ist nach Ansicht beider Vereine kein Thema. "Wir haben ein Heimspiel, und das findet natürlich am Millerntor statt", sagte St. Paulis Klubsprecher Christian Bönig. Stattdessen werde man "alles Menschenmögliche tun, damit wir ein friedliches Derby erleben." Die bisherigen sieben Bundesligaheimspiele gegen den Lokalrivalen hatten aus Kapazitäts- und Sicherheitsgründen stets im weitläufigen Volkspark stattgefunden.

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Quelle: n-tv.de

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