Überschwängliches Lob für El MalaDeutsche WM-Hoffnung rettet Köln schon wieder von der Bank

Ein Tor alle 103 Minuten, immer wieder auch von der Bank kommend. Der 19-jährige Kölner El Mala ist einer der Senkrechtstarter dieser Bundesliga-Saison - und zugleich die Lebensversicherung des Aufsteigers. Trotzdem kommt er häufig nur von der Bank. Wieso?
Nach dem kräftigen Schulterklopfer von Lukas Kwasniok konnte auch Said El Mala sein Lächeln nicht mehr verstecken. Breit grinsend klatschte der Shootingstar des 1. FC Köln im Anschluss an seinen nächsten spielentscheidenden Auftritt mit seinem Trainer ab, die Versetzung auf die Bank schien der Super-Joker seinem Coach längst verziehen zu haben.
"Said", schwärmte Kwasniok nach dem 2:2 (1:2) beim abstiegsbedrohten 1. FC Heidenheim zum Jahresauftakt, "ist als Spielentscheider einer der besten". Er sei, ergänzte der Kölner Trainer bei DAZN, "einer der besten Bundesliga-Spieler von der Bank". Denn wenn der Gegner einmal müde sei, so Kwasniok, "kommen seine Waffen noch besser zur Geltung".
So auch in Heidenheim. Mit seiner ersten Aktion, nur wenige Minuten nach seiner Einwechslung, hatte El Mala (48.) im Schneetreiben auf der Ostalb zum erneuten Ausgleich und Endstand getroffen. Für den 19 Jahre alten Senkrechtstarter war es bereits das vierte Joker-Tor der Saison, keiner hat in der Bundesliga mehr. In nur 723 Einsatz-Minuten hat er bereits sieben Treffer erzielt und drei weitere Tore vorbereitet. Er ist die Lebensversicherung des Effzeh.
Warum El Mala von der Bank kommt
Geht es nach Kwasniok, dürfen ruhig noch ein paar dazu kommen. So ein "Startelf-Mandat", erklärte der 44-Jährige El Malas überraschenden Bankplatz in Heidenheim, "bedeutet auch immer, ein Spiel abzuarbeiten. Und wenn er viel abarbeiten muss, kommen seine Künste nicht mehr ganz so zur Geltung. Deswegen lassen wir immer wieder andere Spieler für ihn abarbeiten und er darf dann die Spiele entscheiden."
In Heidenheim klappte das nicht zum ersten Mal. Schon gegen den FC Augsburg (1:1) oder den Hamburger SV (4:1) trug El Mala von der Bank ganz entscheidend zu Punktgewinnen bei. Dass es gegen den Abstiegskandidaten, der durch Marvin Pieringer (15.) und Julian Niehues (26.) zweimal in Führung gegangen war, für den FC auch zum siebten Mal in Folge nicht zum Sieg reichte, schien die Beteiligten nur wenig zu stören - mit Ausnahme der Fans.
Trainer Kwasniok unter Druck
Nach Abpfiff enthüllten einige Anhänger ein Protestbanner gegen Kwasniok. "Kwasni Yok" war darauf zu lesen, Yok ist türkisch für "Nein". "Ich nehme das zur Kenntnis, wir versuchen, da in Kommunikation zu treten", sagte Kwasniok darauf angesprochen und fügte an: "Ich kann nur mit Leistung und Punkten vorangehen."
Die Kölner sind seit dem 2. November in der Fußball-Bundesliga ohne Sieg. Seitdem haben sie nur drei Punkte sammeln können. Allein der gute Saisonstart hält den Aufsteiger momentan noch von den Abstiegsrängen entfernt. Doch der Vorsprung ist dünn. Mit 17 Punkten steht der Effzeh nur fünf Punkte vor dem FC St. Pauli und dem gestrigen Gegner Heidenheim.
Am Mittwoch (20.30 Uhr/Sky und RTL und im Liveticker auf ntv.de) kommt es für den FC zum Duell mit dem FC Bayern. Und das mit schweren Personalsorgen in der Defensive. Nach dem erneuten Ausfall von Dominique Heintz und der anstehenden Gelbsperre von Torschütze Eric Martel (18.) fehlen Kwasniok gegen die Münchner sechs potenzielle Kandidaten für die Innenverteidigung. Vielleicht also wieder eine Aufgabe für den Super-Joker - und wer weiß, was dann vielleicht im Sommer bei der WM passiert.