Fußball

TV-Milliardenpoker beginnt Die DFL muss frisches Geld regnen lassen

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Wer darf künftig das Signal aus den Bundesligastadien in die Welt schicken? Darum geht es dieser Tage für die DFL.

(Foto: SVEN SIMON/Frank Hoermann/POOL)

Die Corona-Krise hat deutlich gemacht: Ohne viele hundert TV-Millionen fällt die Fußball-Bundesliga innerhalb weniger Wochen in den Panikmodus. Der Druck auf die Liga-Bosse ist gewaltig, denn sie müssen nach der Gegenwart jetzt auch die Zukunft sichern. Aber sie halten einen Joker in der Hand.

Beim großen Milliarden-Poker will sich Christian Seifert keinesfalls in die Karten schauen lassen. Also schottete sich der Chef der Deutschen Fußball Liga (DFL) mit seinem Stab in einem geheimen "War Room" in Frankfurt/Main ab, als am Montag der Startschuss für die Auktion um die Medienrechte am deutschen Profifußball für die vier Spielzeiten von 2021/2022 bis 2024/2025 erfolgte. Und diese stellt Seifert vor eine heikle Aufgabe: Schließlich ist ungewiss, welche Auswirkungen die Coronakrise auf die finanzielle Schlagkraft der Interessenten im Bieterwettstreit hat.

Eine Antwort auf diese Frage wird die DFL am 19. Juni haben. Verkündet wird das Ergebnis am 22. Juni, nachdem die Klubs bei ihrer obligatorischen Versammlung informiert wurden. 4,64 Milliarden Euro flossen bei der vorigen Auktion für vier Spielzeiten - und der Wunsch der Klubs nach neuen Geboten in Rekordhöhe ist freilich groß. Dass dieser tatsächlich in Erfüllung geht, könnte der Online-Riese Amazon entscheidend beeinflussen.

Amazon erhöht den Druck

Den US-Giganten, der schon in der laufenden Saison in die Live-Übertragung der Bundesliga eingestiegen ist, bezeichnet Sportmarketing-Experte Karsten Petry als "Schreckgespenst", das "den Druck auf die sonstigen Bieter wie Telekom, Dazn und Sky erhöht". Es sei daher ein "cleverer Schachzug" der DFL gewesen, Amazon nach Unstimmigkeiten mit dem eigentlichen Rechteinhaber Eurosport nach dem Restart kurzfristig schon ins Boot zu holen, erklärte der Geschäftsführer der Agentur Octagon Deutschland im Gespräch mit dem SID.

Den anderen Interessenten sei laut Petry damit vor Augen geführt worden, dass Amazon ein "ernstzunehmender Mitbieter sein wird". Und ein überaus potenter sowieso, schließlich hat der Onlinehändler sogar von der Krise profitiert. Amazon konnte im ersten Quartal des Jahres seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 26 Prozent auf knapp 69 Milliarden Euro steigern.

"Druck auf uns ist immens"

Die meisten Beobachter gehen aber nur von einem gezielten Gebot der Amerikaner auf ein Rechtepaket aus. Amazon, das sich bereits Rechte an der Champions League ab der Saison 2021/22 gesichert hat, verfolgt ohnehin ein anderes Geschäftsmodell als die Konkurrenz. "Es ist ein Zusatzgeschäft, das ihnen den Zugriff auf weitere Daten bietet", erklärte Petry. Das Unternehmen von Jeff Bezos könne so über "Big Data" ableiten, was es an "Werbung ausspielen und welche Produktvorschläge" es machen könne. Für den Pay-TV-Sender Sky steht hingegen möglicherweise sogar die Existenz auf dem Spiel, sollte er als bisheriger Haupt-Rechteinhaber leer ausgehen.

Ob mit oder ohne Amazon - Seifert ist um seine knifflige Aufgabe nicht zu beneiden. "Der Druck auf uns ist immens", hatte er schon vor der Pandemie im Hinblick auf die Rechte-Ausschreibung gesagt. Derzeit kassieren die 36 Profiklubs knapp 1,2 Milliarden Euro pro Saison (inklusive Zusammenfassungen im Free-TV) für die deutschsprachigen Rechte, dazu kommen ein paar Hundert Millionen aus der ganzen Welt.

Welche Bedeutung die mit Abstand wichtigste Einnahmequelle der Vereine hat, wurde durch die drohenden Insolvenzen aufgrund der ausbleibenden Zahlungen während der Zwangspause deutlich. Als Interessenten an den Live-Übertragungen werden neben Sky, Dazn und Amazon auch Netflix, die Telekom, Apple und Disney gehandelt. Wer welche Rechte bekommt, entscheiden auch die Vorgaben des Bundeskartellamts - unter anderem mit Blick auf den Übertragungsweg (Satellit, Kabel, Web-TV, Mobile-TV). Ein Unternehmen kann alle Rechte kaufen. In diesem Fall muss "nur" dafür gesorgt sein, dass ein weiterer Anbieter gleichzeitig zumindest einen Teil der Spiele übertragen kann.

Quelle: ntv.de, Alexander Sarter, sid