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Dino Hermann zeigt's an: Der HSV will endlich wieder Stärke demonstrieren.
Dino Hermann zeigt's an: Der HSV will endlich wieder Stärke demonstrieren.(Foto: imago/Sven Simon)
Mittwoch, 29. Juli 2015

Der Bundesliga-Check: Hamburg: Die Uhrensöhne proben den Umbruch

Von Christian Bartlau

Ach, der HSV. Nicht wenige Fußball-Fans hätten sich eine Bundesliga-Saison ohne den Chaos-Klub gewünscht. Nach der unverschämten Rettung soll jetzt alles besser werden, wirklich. Nur gibt es dafür wenig Anzeichen.

Der Hamburger SV ist der Tiger Woods der Bundesliga: Vor langer, langer Zeit hatte er es richtig drauf - heute schaut die Sportwelt amüsiert bis erstaunt zu, wie er von einer Peinlichkeit zur nächsten eilt. Wie der gefallene Golf-Star schafft es der HSV dabei immer wieder, sich selbst zu unterbieten. Auf eine katastrophale Saison mit zwei Trainerentlassungen und einer unverdienten Rettung in der Relegation folgte eine absolut desaströse Saison mit zwei Trainerentlassungen und einer unverschämten Rettung in der Relegation. So hoch türmt sich der Misthaufen aus Selbstüberschätzung und Unfähigkeit, dass der HSV zu einem der meistgehassten Klubs der Liga wurde. Sogar die Hamburger Wochenzeitung "Zeit" schrieb entnervt: "Steigt endlich ab!" Die Suada endete mit dem Satz: "Viel schlimmer geht's doch nicht." Nun ja - den Beweis muss der HSV in der neuen Saison erstmal erbringen.

Was gibt’s Neues?

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Der Realitätssinn hält offenbar wieder Einzug in Hamburg. In den vergangenen Jahren kamen Neuzugänge oft mit überzogenen Ansagen nach Hamburg, vor allem die Trainer übten sich als Lautsprecher. Martin Jol wollte "mit den Bayern mitmischen", für Bert van Marwijk müsste der HSV "um Platz eins bis sechs mitspielen", Mirko Slomka sah ihn "eigentlich unter den Top Fünf". Der neue Schwede Albin Ekdal hat sich wohl im Vorfeld seines Transfers ein paar Spiele angeschaut und sagte: "Hamburg gehört zu den Top Acht der Bundesliga." Ein höflicher junger Mann.

Um tatsächlich mal wieder ins obere Tableau zu rutschen, krempelt Sportdirektor Peter Knäbel den Kader um. Prominente Namen haben den HSV verlassen (Marcell Jansen, Rafael van der Vaart, Heiko Westermann, Valon Behrami), verpflichtet wurden vor allem Defensivanker: Gotoku Sakai und Emir Spahic sollen die wacklige Abwehr stabilisieren. Spahic hat nicht erst seit seiner Box-Einlage gegen einen Leverkusener Ordner einen zweifelhaften Ruf, aber einen, pardon, unschlagbaren Vorteil: Er wechselt ablösefrei.

Auf wen kommt es an?

Ganze 25 Tore erzielten die Hamburger in der Vorsaison. Klar, dass Trainer Bruno Labbadia hier ansetzen will. Nur: Eine Verstärkung für die Offensive hat ihm Sportdirektor Knäbel noch nicht geliefert, was den Coach merklich frustrierte. Die Schlagzeilen in den Hamburger Zeitungen über einen Streit zwischen den beiden scheinen übertrieben, aber Labbadia hat deutlich gemacht, dass er gerne noch einen Zehner hätte. Hilfreich wäre auch, wenn Torjäger Pierre-Michel Lasogga seine Seuchensaison mit nur vier Treffern vergessen machen kann. "In den letzten Jahren war ich nicht in dem körperlichen Zustand, um gleich da zu sein", sagte der Acht-Millionen-Mann zuletzt. "Dieses Jahr ist es anders."

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Was fehlt?

Der personelle Umbruch ist eingeleitet, doch kann der HSV auch endlich eine langfristige Strategie etablieren? Bruno Labbadia ist bei seinen bisherigen Stationen nicht gerade als Konzepttrainer aufgefallen – nicht umsonst hatten sich die Verantwortlichen lange um Thomas Tuchel bemüht. Wollen sie einen teuren Spieler verpflichten, sind sie auf den launischen Mäzen Klaus-Michael Kühne angewiesen. Der hat vor der Saison die Namensrechte am Stadion erworben – der Volkspark ist zurück. Das bringt Sympathiepunkte bei den Fans, die sonst wenig zu feiern haben. Mittlerweile haben sie das Image ihres Klubs als Hassobjekt der Liga schon so verinnerlicht, dass sie sich "die unabsteigbaren Uhrensöhne" nennen. Aber der HSV wäre nicht der HSV, wenn er seine Fans nicht gleich wieder verprellen würde: Trotz schwer verdaulicher Vorstellungen ziehen die Preise für Dauerkarten an – und zwar vor allem für Kinder und Behinderte, die plötzlich fast das Doppelte zahlen müssen.

Wie lautet das Saisonziel?

Vor einer konkreten Aussage zu den Zielen in der neuen Saison hat sich Bruno Labbadia bisher gescheut. Das hat Methode, auch hier zieht Demut ein. "Wir müssen uns im Klaren sein, dass wir uns in Geduld üben", sagte Labbadia während des Trainingslagers zu den Möglichkeiten, die der Kader eröffnet. "Eine, zwei oder drei Transferperioden werden nicht ausreichen, um alles wettzumachen." Wie viel Geduld das Umfeld mit Labbadia aufbringt, könnte sich ziemlich schnell zeigen. Zum Auftakt muss der HSV in vier Spielen dreimal auswärts ran, darunter in München und in Gladbach.

Die n-tv.de Prognose

Schon in den vergangenen beiden Spielzeiten ging es für den HSV darum, wieder in die Spur zu kommen. Das sah dann ungefähr so aus:

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Natürlich geht es nicht viel schlimmer. Eigentlich. Aber noch hat sich im Kader und im Verein nicht so viel getan, noch scheinen die Verantwortlichen darauf zu setzen, dass der Knoten platzt, der all das vermutete Potenzial freisetzt. Irgendwie, irgendwo, irgendwann. Solange das so bleibt, werden wir gegen Ende der Saison öfter auf eine einschlägig bekannte Stadionuhr blicken als auf die eigene Armbanduhr.

Quelle: n-tv.de