Fußball

Magier, Mannschaft, Maulwürfe Die gefährlichen Baustellen des 1. FC Köln

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Sie müssen sich nun nicht mehr ihre Köpfe zerbrechen: Jörg Schmadtke und Peter Stöger.

(Foto: dpa)

Die Bauherren der erfolgreichsten Saison seit 25 Jahren sind nun nicht mehr beim 1. FC Köln. Das sieht nicht gut aus: Kein Trainer, kein Geschäftsführer Sport, der Kaderplaner auf dem Sprung, die Mannschaft dezimiert. Und die Maulwürfe graben.

Saisonale Arbeitslosigkeit ist das, was eintritt, wenn es zu kalt wird. Viele Baustellen verwaisen, nur bei ganz dringenden Projekten werden die Beschäftigten aufs Gelände gescheucht. Für Fußballer im laufenden Spielbetrieb wie der Bundesliga ist das Alltag, das liegt in der Natur des Wettbewerbs. Beim 1. FC Köln ist es offenbar besonders dringend, die Bosse entschieden sich am Freitag - der winterlichen Kälte trotzend und vor dem 2:2 beim FC Schalke 04 - Trainer Peter Stöger zu entlassen und eine jahrelang stabile Konstruktion einzureißen. Nun steht der Verein nicht nur sieglos am Tabellenende, sondern muss gleich mehrere Baustellen betreiben:

1. Der Trainer

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Top mit Holstein Kiel: Markus Anfang. Und nun ein Kandidat beim 1. FC Köln?

(Foto: imago/Agentur 54 Grad)

Ein neuer Trainer soll her, schon in der Winterpause. Zwischenlösung Stefan Ruthenbeck kam passenderweise über die Feuerwehrzufahrt zum Training im Franz-Kremer-Stadion, aber auch er dürfte nicht viel bewegen können. Selbst wenn er es schafft, das Team im DFB-Pokal und in der Europaliga ins kommende Jahr zu bringen - der neue Mann übernimmt mutmaßlich den unangefochtenen Tabellenletzen der Bundesliga. Welcher Kandidat könnte glauben, dass er sich da in Köln profilieren kann? Zumal er an Stöger gemessen werden und mit viel weniger Kredit bei den Fans anfangen wird, als ihn der Entlassene nach dem Schalke-Spiel noch hatte. Angeblich ist der aus Köln stammende Markus Anfang von Holstein Kiel der Top-Kandidat. Doch der Präsident des Spitzenreiters der Zweiten Liga ruft zehn Millionen Euro Ablöse auf. Ein Fingerzeig auf das, was dem FC bei Verhandlungen mit Spielern droht. Schaffen es die Kölner trotzdem, einen neuen Trainer zu verpflichten, wird er einem Magier gleich behaupten müssen, er könne reparieren, was gar nicht kaputt ist: die Mannschaft.

2. Die Mannschaft

Kaputt ist das Team nicht, aber warum konnte es nach großartiger vergangener Saison keine guten Ergebnisse mehr einfahren? Die rationalen Erklärungen sind einfach: Ex-Sportchef Jörg Schmadtke kaufte vor allem defensiv ein, der offensive Königstransfer Jhon Córdoba floppte. Die Kölner überkam ein selten erlebter Verletzungsfluch, der Teamstützen wie Jonas Hector wegriss. Dazu kommen: Abschlusspech und der Videobeweis, der erstmals auf Schalke einen Punkt einbrachte - aber davor viele Zähler gekostet hatte. Intern erscheint die Mannschaft intakt zu sein, ihre Leistungen sind bis auf wenige Ausnahmen sehr engagiert. Beim ersten Training mit Ruthenbeck hallte es allerdings forscher über den Platz als unter Stöger. Der hielt sich verbal eher zurück. Er erreichte das Team trotzdem, musste jedoch zuletzt feierwütige Spieler mit abendlichen Kontrollen bändigen. Es wird nicht einfach sein, Verstärkungen zu einem Wechsel nach Köln zu überreden - außer, die Verantwortlichen machen es wie der berüchtigte Michael Meier: Viel Geld und Ausstiegsklauseln bei Abstieg bieten, damit sie sich das Trikot mit dem Geißbock überstreifen. Doch wer soll all das verhandeln?

3. Geschäftsführer Sport und Sportdirektor

Der Geschäftsführer Sport, Schmadtke, hat schon vor einigen Wochen sein Büro ver- und damit mehr als eine Baustelle hinterlassen: die der Mannschaft und seiner eigenen Position. Nach der Posse um Horst Heldt ist angeblich Dietmar Beiersdofer der heißeste Kandidat für Schmadtkes Nachfolge, er wurde bereits in Köln gesichtet. Laut Geschäftsführer Alexander Wehrle liege der Verein bei der Lösung der Sportchef-Frage "in den letzten Zügen". Doch es wird nicht einfacher, denn Jörg Jakobs, der langjährige aber zwischenzeitlich degradierte Kaderplaner, sollte eigentlich mit Stöger die Wintereinkäufe koordinieren. Wie weit die Pläne fortgeschritten sind, ob und welchen Einfluss ein möglicher neuer Trainer oder gar Interimslösung Ruthenbeck dabei haben wird, sind alles Unbekannte. Zudem endet Jakobs' Vertrag im kommenden Sommer. Damit hätten dann alle sportlichen Bauherren der erfolgreichsten Kölner Saison seit 25 Jahren den Ort des Geschehens verlassen. Nur eines scheint derzeit sicher: Über den Tisch von Ex-Vereinspräsident Wolfgang Overath werden die Transfers nicht gehen; so wie vor wenigen Jahren, als der Klub fast bankrott ging. Wobei: Andere, längst verschwunden geglaubte Kräfte sind wieder am Werk, ...

4. ... die Maulwürfe

Ein Garant für die ungewöhnliche Ruhe im Klub war in den vergangenen Jahren die erfolgreiche Bekämpfung des über Jahrzehnte gepflegten rheinischen Brauchs, Interna an Journalisten zu geben und so gemeinsam mit dem Boulevard die Vereinspolitik in gewünschte Bahnen zu drängen. Bisheriger Höhepunkt: In der Saison 2010/2011 lancierte mindestens ein Spieler - mutmaßlich Stürmer Milivoje Novakovic - Inhalte der Kabinenansprachen und private Details von Frank Schaefer an die Presse. Der Trainer schmiss drei Spieltage vor Saisonende hin. Es ist ein Beispiel dafür, wie gefährlich Maulwürfe das Baustellenchaos in Köln machen können.

Aus dem Kreis der Mannschaft dringt zwar bisher nichts nach außen - dafür plaudern die Funktionäre. "Wir müssen mal über unsere Gremienarbeit nachdenken. Was alles an die Öffentlichkeit gekommen ist, ist wirklich bedenklich", motzte Klubpräsident Werner Spinner. Die Maulwürfe graben also wieder fleißiger als in den vergangenen Jahren - ihnen ist die Kälte der Saison offenbar egal.

Quelle: n-tv.de

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