Fußball

Buli-Check: SC Paderborn 07 Die vehementen Gegner des Gaunerfußballs

imago40302667h.jpg

Paderborn, eine Mannschaft die nur Vollgas kennt. Die Power aus der 2. Liga soll nun auch ins Oberhaus gerettet werden.

(Foto: imago images / Nordphoto)

Sicher ist im Fußball ja nichts. Noch nicht mal, dass der SC Paderborn im siebten Jahr in Serie wieder die Liga wechselt. Sicher ist aber, da legen wir uns fest, dass der Erstliga-Aufsteiger einige Teams so richtig ärgern wird - allerdings auch, dass er von einigen Teams so richtig auf die Nuss bekommt.

Das Schlimmste hat der SC Paderborn bereits vor Beginn seiner zweiten Saison in der 1. Fußball-Bundesliga überstanden: Die von den Fans unter Boykottandrohung verachtete Kooperation mit RB Leipzig wurde abwendet. Offiziell natürlich nicht, weil die Fans so vehement dagegen waren, sondern freilich bloß aufgrund unterschiedlicher Ansichten über die inhaltliche Ausgestaltung der Zusammenarbeit. Ein Ausbildungsbetrieb? Oh, nein! Zumindest nicht unter fremder Führung.

Wer kommt, wer spielt, wer bleibt, wer geht, das halten sie nun weiter in der eigenen Verantwortung. Wenn man sich das denn als Minimal-Etatist erlauben kann. Und so gestaltet sich die Wahrheit dann auch eher so: "Es gehört zu unserer DNA und Philosophie, immer wieder Abgänge durch neue Spieler, die deren Platz einnehmen möglichst gleichwertig zu ersetzen", sagt Martin Przondziono. Ein Mann, der diesen etwas komplizierten Satz selbst mit Kraft und Geschick leben muss. Denn Martin Przondziono, der seine aktive Fußballerkarriere zwischen Zweiter Liga und Oberliga bestritten hat, ist in diesem Sommer vom Leiter Lizenzspielerbereich zum neuen Geschäftsführer aufgestiegen. Der Posten war vakant, weil Markus Krösche dem heftigen Werben von RB Leipzig nach- und der Klub ihn gegen eine sechsstellige Ablöse freigab.

Was gibt's Neues?

Zum Beispiel die Erfahrung von 33 Bundesligaspielen! Die bringen die Neuzugänge Jannik Huth, Ersatztorwart des FSV Mainz 05 (sieben Spiele), Gerrit Holtmann, Ersatzverteidiger des FSV Mainz 05 (26 Spiele), und Marcel Hilßner, mal Ein- und mal Auswechselstürmer von Hansa Rostock (ein Spiel, für Werder Bremen) mit. Addiert zu den 61 im Kader bereits vorhandenen Einsatzerfahrungen - Uwe Hünemeier (37), Christian Strohdiek (22) und Mohamed Dräger (zwei) - kommt das Aufgebot des SCP auf einen Erfahrungsschatz von 94 Pflichtspielen in der höchsten deutschen Spielklasse. Nur mal so zum Vergleich: Bayerns (Noch)-Schrumpfkader kommt auf 2692, Unions aufgerentnerte gepimpte Mitaufsteigerelf zählt knackige 1062! Aber, und nun greifen wir einigermaßen angeekelt in die Kiste mit den schlimmsten Fußballersprüchen, weder Erfahrung schießt Tore, noch rettet Erfahrung Mannschaften vor dem Abstieg.

imago40416495h.jpg

Philipp Klement blieb lieber mit dem VfB Stuttgart in der zweiten Liga, als mit Paderborn im Oberhaus zu spielen.

(Foto: imago images / Revierfoto)

So, Hände gewaschen, und weiter: In Paderborn setzen sie ganz stark darauf, dass ihre Idee mit starken Fußballern aus unteren Liga oder Zweite-Chance-Spielern erneut sehr gut funktioniert. Ein unter anderem mit Philipp Klement (zum VfB Stuttgart weitergezogen), Bernard Tekpetey (über den FC Schalke 04 direkt an Fortuna Düsseldorf verliehen) sowie Babacar Gueye (bleibt), Christopher Antwi-Adjej (bleibt auch) und Jamilu Collins (bleibt vielleicht, ist nämlich begehrt) bewährtes System. Cauly Oliveria Souza könnte der nächste sein, der sich so auf den Radar der Großklubs spielt. Ein Mittelfeldtechniker, mit guten Standards - aus der 2. Liga abgestiegen mit dem MSV Duisburg. Streli Mamba ist ebenfalls einer dieser aus Paderborner Sicht hoffentlich zuletzt unterschätzten Spieler. Ausgebildet in den Jugendmannschaften des VfB Stuttgart und des 1. FC Kaiserslautern spielte der Stürmer in den vergangenen sieben Jahren bei sechs Klubs - erfolgreich zuletzt drei Jahre für Energie Cottbus, in der 3. Liga. Als prominentester Zugang - weil 55-facher Nationalspieler für Luxemburg? - wird Rechtsverteidiger Laurent Jans geführt. Und noch ein Mann für den Durchbruch: Johannes Dörfler vom KFC Uerdingen.

Auf wen kommt es an?

Der wichtigste Mann im Kader des SC Paderborn ist Steffen Baumgart. Wer es schafft, eine Mannschaft, die nur dank des Lizenzentzugs von 1860 München nicht in die Regionalliga abstürzte, binnen zwei Jahren von der dritten in die erste Liga zu führen, mit Fußball für den es keine nerdige Fanliebe braucht - kein Tikitaka, keine hart gebremste Offensive mit konsequenter Restverteidigung - zu zwei Aufstiegen zu führen, dem darf man attestieren, dass er einem klaren Plan folgt. Und jeden Bolzplatztraditionalisten muss diese Idee zu einem Sturzbach an Tränen rühren: "Offenes Visier. Feuer frei." Taktische Geplänkel, so schreibt es der "Kicker" sind diesem Mann zuwider, ein ergaunertes 1:0 entspricht nicht seinen Vorstellungen.

Tatsächlich lässt Baumgart, einst selbst ein durchaus erfolgreicher Stürmer an der Seite seiner legendären Zuarbeiter Stefan Beinlich und Matthias Breitzkreutz bei Hansa Rostock, seine Mannschaft mit Anpfiff immer direkt von der Kette, 90 Tore zum ersten Aufstieg, 76 Tore zum zweiten. Der "Sport Bild" erklärte er: "Wir definieren uns über Tempofußball, sind total offensiv ausgerichtet und suchen immer eine Lösung mit Ball. Daran wird sich auch in der Bundesliga nichts ändern. Selbst wir damit in einigen Spielen Probleme bekommen sollten."

Was fehlt?

imago38058755h.jpg

Er fehlt dem SC Paderborn sicher: Bernard Tekpetey läuft in der kommenden Saison für Fortuna Düsseldorf auf.

(Foto: imago/pmk)

So genau wissen sie das in Paderborn vielleicht selbst nicht. Zumindest aber ist es so: "Unsere Transferpolitik ist in keiner Weise für beendet erklärt worden. Wir werden bis zum letzten Tag gucken, was möglich ist, wie wir den Kader verändern müssen und verstärken können", sagte Baumgart noch vergangene Woche dem "Westfalen-Blatt".

Was sagt der Insider?

Ob es beim zweiten Anlauf in der 1. Bundesliga für den Klassenerhalt reicht? Schwer zu sagen, findet Stephan Simann. Er betreibt den Fan-Blog schwarzundblau.com. Was ihm Hoffnung macht: Mit Union Berlin ein schwächerer Mitaufsteiger als damals der 1. FC Köln und sein Klub, der aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat. "Die Gesamtphilosophie des SCP macht mir die größte Hoffnung. Seit Steffen Baumgart die Mannschaft übernommen hat, wird konsequent und schonungslos nach vorne gespielt. Diese Art des Spiels wurde stets durchgezogen und soll auch nun noch weiterentwickelt werden. Die Spieler dafür sind daund im Gegensatz zu vielen anderen Aufsteigern, die sich in der Bundesliga dann plötzlich hinten reinstellen, wird unsere Mannschaft ihren Stil einfach weiterspielen. Die ersten Testspiele haben das schon gezeigt", erklärte der Blogger im Gespräch mit unserer Redaktion. 

*Datenschutz

Dass diese bedingungslose Ausrichtung auch schmerzhafte Niederlagen mit  sich bringen könnte? "Wir werden auch hoch gegen andere Mannschaft verlieren, aber dies ist kein Grund, um vom Offensivkonzept abzurücken." Vor allem  eine Niederlage würde den Blogger sehr schmerzen – eine gegen RB Leipzig. Also gegen jenen Klub, der doch so gerne mit dem SCP kooperiert  hätte. "Ich habe sehr stark aufgeatmet, als das Thema vom Tisch war, ich verstehe zwar beide Seiten, aber eine gespaltene Fangemeinschaft schadet nur. Die Vereinsführung agierte bei der Geschichte ziemlich blauäugig, hat aberglücklicherweise noch die Kurve bekommen." Nun aber erstmal: "Die neue Saison genießen. Diesen Luxus dürfen wir uns in der 1. Liga leisten." Und sich  überall freuen: "Denn wo Paderborn ist, da ist auch schöner Fußball."

Wie lautet das Saisonziel?

"Drinbleiben ist unser Ziel." Zitat Baumgart. Weitere Erklärungen? Nicht nötig.

Die Prognose von n-tv.de

Das Startprogramm

Bayer 04 Leverkusen (A)

SC Freiburg (H)

VfL Wolfsburg (A)

FC Schalke 04 (H)

Hertha BSC (A)

FC Bayern München (H)

Der SC Paderborn wird heftige Niederlagen erleiden (mindestens zweimal 0:6 oder höher)und er wird sich großartige Siege erkämpfen. Er wird so unter anderem dem FC Bayern daheim ein 1:1 abtrotzen und den FC Schalke 04 in der Benteler Arena mit 1:0 besiegen. Weil dieses Jahr mit Union Berlin1, mit Hertha BSC2, mit Fortuna Düsseldorf3 und eben mit Paderborn nur wenige Mannschaften die Absteiger unter sich ausspielen, retten sich die Ostwestfalen in die Relegation.

1,2,3: Verärgerte oder spottende Mails bitte erst zum Saisonende!

*Datenschutz
*Datenschutz

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema