Fußball

Scheinheilige Debatte um 50+1-Regel Dietmar Hopp ist Hoffenheim

Dietmar Hopp hat die Macht beim Bundesligisten TSG Hoffenheim, auch ohne offizielles Mandat. Er zahlt, also bestimmt er, ob Luiz Gustavo zum FC Bayern wechselt oder Trainer Ralf Rangnick gehen muss. Das weiß auch die Deutsche Fußball-Liga - und verweist auf die 50+1-Regel. Das ist scheinheilig und notwendig zugleich.

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"Unser Dank gilt noch einmal Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp, der den Transfer in dieser Form ermöglichte."

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Nun diskutieren sie über Dietmar Hopp. Es geht um den Verkauf des Spielers Luiz Gustavo für geschätzte 17 bis 20 Millionen Euro zum FC Bayern München. Um die Rolle, die der Hoffenheimer Mäzen dabei gespielt hat und darum, ob er gegen die Statuten der Deutschen Fußball-Liga verstoßen hat. Um es vorweg zu nehmen: Die Debatte ist scheinheilig. Und notwendig zugleich. Aber der Reihe nach.

Dietmar Hopp soll mit seinem Freund Uli Hoeneß, dem Präsidenten des FC Bayern, den Transfer eingefädelt und ausgehandelt haben. Dafür spricht, dass Karl-Heinz-Rummenigge, der Münchner Vorstandsvorsitzende, hinterher sagte: "Unser Dank gilt noch einmal Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp, der den Transfer in dieser Form ermöglichte. Ich habe selten so seriöse Verhandlungen wie mit Herrn Hopp erlebt." Dabei darf der das eigentlich gar nicht. Dietmar Hopp könnte also gegen die 50+1-Regel verstoßen haben, wie es Deutsche Fußball-Liga formuliert, die den Fall nun prüfen will. Das ist notwendig.

Kein Investor soll machen können, was er will

Denn die Regel ist in den Statuten der DFL verankert und besagt, dass ein Bundesligist stets die Mehrheit seiner Anteile behalten muss. Also mindestens 51 Prozent. Ziel dieser Regelung: Kein Geldgeber soll mit einem Verein machen können, was er will. Und er soll nicht im Tagesgeschäft mitwirken können, zumal die Mehrheit der Vereine gar keine Vereine mehr sind, sondern Kapitalgesellschaften. Als abschreckende Beispiele gelten die englischen Klubs FC Chelsea, Manchester City, Manchester United und FC Liverpool, bei denen ein russischer Ölmilliardär, ein arabischer Scheich und anglo-amerikanische Finanzinvestoren schalten und walten, wie es ihnen beliebt.

Die Hoffenheimer tragen dem Rechnung, indem Dietmar Hopp tatsächlich nur 49 Prozent der Stimmrechte an der TSG 1899 Hoffenheim Fußball-Spielbetriebs GmbH hält – aber etwa 96 Prozent des Stammkapitals. Doch der Tageszeitung "Die Welt" sagte Dietmar Hopp: "Der Transfer des Spielers Luiz Gustavo erfolgte in absolutem Einklang mit den Bestimmungen der 50+1-Regelung. Als Gesellschafter und Sprecher des Beirates war ich in den Verhandlungen nur deshalb dabei, weil die Bayern-Führung darum gebeten hat." Das Geschäft abgewickelt hätten Hoffenheims Manager Ernst Tanner und Präsident Peter Hofmann. Damit ist die Sache für Dietmar Hopp erledigt. Und auch die Prüfung der DFL dürfte ins Leere laufen. Womit wir bei der Scheinheiligkeit sind.

Wer die Kapelle bezahlt, bestimmt, was gespielt wird

Natürlich weiß die DFL: Wer die Kapelle bezahlt, der bestimmt auch, was gespielt wird. Bei den Werksklubs in Leverkusen und Wolfsburg hat der Geldgeber seit jeher mehr Einfluss, als es der Geist der Statuten vorsieht. Und in Hoffenheim ist das nun einmal der Software-Milliardär Dietmar Hopp, der nach eigenen Angaben mehr als 175 Millionen Euro in seinen Lieblingsverein investiert hat – auch ohne offizielles Mandat im Klub. Dietmar Hopp hat die Macht, Dietmar Hopp ist die TSG Hoffenheim. Er kann sich "sicher sein, dass nichts gegen seinen Willen geschieht: keine großen Transfers, keine Ernennung leitender Angestellter", schrieb dazu die "Süddeutsche Zeitung". Und auch keine Entlassung, wie der Fall des gemobbten Trainers Ralf Rangnick gezeigt hat.

Die Ironie der Geschichte ist, dass hier ein Mäzen in dem Moment die meiste Kritik einsteckt, in dem er nicht wie ein Mäzen, sondern wie ein ganz normaler Kaufmann handelt, der sich darum bemüht, zumindest einen Teil seines Geldes wiederzubekommen. Und sich nebenbei darum kümmert, die TSG Hoffenheim zumindest ein Stück weit auf ein solides finanzielles Fundament zu stellen, so dass die GmbH vielleicht irgendwann einmal die Chance bekommt, ohne ihren Mäzen zu wirtschaften. Doch das ist noch ein weiter Weg. Bis dahin bestimmt Dietmar Hopp, was gespielt wird. Uli Hoeneß wird es ihm danken.

Zehn von 18 Erstligisten sind inzwischen Kapitalgesellschaften, acht fungieren als eingetragene Vereine. Hier eine Übersicht der Rechtsformen der Fußball-Bundesligisten:

Borussia Dortmund Borussia Dortmund GmbH & Co. KG aA
FSV Mainz 05  1. FSV Mainz 05 e.V.
Bayer LeverkusenBayer 04 Leverkusen Fußball GmbH
Hannover 96   Hannover 96 GmbH & Co. KgaA
FC Bayern MünchenFC Bayern München AG
SC Freiburg   Sport-Club Freiburg e.V.
Eintracht FrankfurtEintracht Frankfurt Fußball AG
TSG HoffenheimTSG 1899 Hoffenheim Fußball-Spielbetriebs GmbH
Hamburger SVHamburger Sport-Verein e.V.
FC Schalke 04FC Gelsenkirchen-Schalke 04 e.V.
1. FC Nürnberg1. Fußball-Club Nürnberg Verein für Leibesübungen e.V.
1. FC Kaiserslautern1. FC Kaiserslautern e.V.
VfL WolfsburgVfL Wolfsburg-Fußball GmbH
Werder BremenSV Werder Bremen GmbH & Co KG aA
FC St. Pauli    FC St. Pauli von 1910 e.V.
1. FC Köln1. FC Köln GmbH & Co. KgaA
VfB StuttgartVfB Stuttgart e.V.
Bor. Mönchengladbach Borussia VfL 1900 Mönchengladbach GmbH

  

Quelle: ntv.de

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