Fußball

Im Stadion verstorben Drama um Gentners Vater überschattet VfB-Sieg

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imago/Pressefoto Baumann

Eigentlich ist die Freude beim VfB Stuttgart nach dem wichtigen Dreier gegen Hertha BSC groß. Doch kurz nach Abpfiff erfährt Christian Gentner, dass sein Vater auf der Tribüne zusammengebrochen ist. Auch ein herbeigeeilte Notarzt kann Gentner senior nicht mehr retten.

Kurz nach dem Abpfiff war der Fußball nur noch Nebensache. Im Anschluss an das 2:1 (0:1) des VfB Stuttgart gegen Hertha BSC warteten die Journalisten im Kabinengang auf Matchwinner Mario Gomez, als die Szenerie eine bedrückende Dramatik annahm. Zunächst stürmte der Bruder von Christian Gentner in die Umkleide, kurz darauf rannten der VfB-Kapitän und der Stuttgarter Mannschaftsarzt aus der Kabine in Richtung des Business-Bereiches.

Nach Angaben des Klubs war Gentners Vater dort zusammengebrochen und musste reanimiert werden. Der Notarzt war vor Ort, konnte Gentner senior aber nicht mehr retten. Er sei im Stadion verstorben, wie der Verein kurz nach dem Spiel mitteilte. Der schwäbische Bundesligist stellte umgehend seine Medienaktivitäten ein, die Spieler standen nicht für Interviews zur Verfügung. Um 18.18 Uhr ertönte eine Durchsage in der Arena. Die Besucher wurden gebeten, das Stadion aufgrund eines "medizinischen Notfalls" umgehend zu verlassen - die Veranstaltung "sei beendet". Um 18.40 Uhr wurden schließlich auch die Medienvertreter zum Gehen aufgefordert, da die komplette Arena geräumt werde.

Noch ohne Wissen von dem dramatischen Vorfall hatte Gentner direkt nach dem Abpfiff ein Interview bei Sky gegeben und sich zur sportlichen Situation geäußert. "Wenn wir konstanter über 90 Minuten werden, kommen wir da unten raus", hatte der 33-Jährige gesagt. Kurz darauf interessierte der Sport Gentner schon nicht mehr, noch im Trikot übersprang er auf dem Weg zu seinem Vater die Absperrbänder im Kabinengang. Auf dem Platz hatte der Spielführer mit dafür gesorgt, dass der stark ersatzgeschwächte VfB einen wichtigen Dreier im Kampf gegen den Abstieg einfahren konnte. Gentner lieferte die Vorarbeit zum entscheidenden Treffer von Gomez (74.). Schon zuvor war der Ex-Nationalspieler erfolgreich (64.) gewesen - es war sein erstes Tor seit über zwei Monaten.

Gomez entscheidet per Jubiläumstor

Mit seinen Pflichtspiel-Treffern Nummer 99 und 100 im VfB-Dress drehte der 33-Jährige die Partie zugunsten der Schwaben. Tor-Debütant Maximilian Mittelstädt (38.) hatte die lange Zeit klar überlegenen Berliner vor 47.680 Zuschauern in Führung gebracht. Während die Hertha (23 Punkte) den dritten Sieg in Serie verspielte und einen Rückschlag im Rennen um einen Europacup-Platz hinnehmen musste, schaffte der VfB (14 Zähler) den Sprung aus der Abstiegszone. "Ich freue mich besonders für Mario. Ich habe immer an ihn geglaubt. Er hat einen großen Namen, deshalb steht er schneller in der Kritik, und die torlosen Minuten werden gezählt", sagte Stuttgarts Trainer Markus Weinzierl: "Aber er wird wieder mehr Tore machen. Wenn es uns gelingt, öfter gefährlich in den Strafraum zu kommen, wird seine Quote wieder steigen."

Mit Blick auf die ausstehenden beiden Spiele vor der Winterpause beim VfL Wolfsburg und gegen Schalke 04 hofft Weinzierl auf ein selbstbewusstes Auftreten seiner Mannschaft: "Wir müssen alles raushauen, um uns in eine gute Ausgangslage im Kampf gegen den Abstieg zu bringen." Bei diesem Kampf soll auch Benjamin Pavard dabei sein. VfB-Präsident Wolfgang Dietrich schloss einen Transfer des französischen Weltmeisters in der Winterpause zu Rekordmeister Bayern München aus. "Der Riegel vor einen Wintertransfer von Pavard ist mehrfach vorgeschoben. Wir müssen den Kader nicht schwächen, sondern stärken - und deswegen ist die klare Antwort, dass er bei uns bleibt", sagte Dietrich vor dem Anpfiff bei Sky.

Quelle: n-tv.de, Alexander Sarter, sid

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