Fußball

Trainerlegende feiert Geburtstag Ede Geyer kann noch "gnadenlos" sein

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Eduard Geyer sieht Fußball heute "viel entspannter".

(Foto: imago images / VIADATA)

Nicht nur als letzter Trainer der Fußball-Nationalmannschaft der DDR ist Eduard Geyer unvergessen. Mit dem FC Energie Cottbus schafft er nach der deutschen Wiedervereinigung gar sein eigenes Märchen. Nun wird er 75 Jahre alt - und gibt sich unverändert meinungsstark.

Über Fußball diskutiert Eduard Geyer noch immer leidenschaftlich gerne. In ungesunde Höhen wie einst schnellt sein Puls dabei aber längst nicht mehr. "Ich sehe es viel entspannter und bin nicht fanatisch dabei. Ich muss mich nicht mehr ärgern über Spieler, Funktionäre, Sponsoren und andere Möchtegerne, die im Fußball manchmal mitreden wollen", sagte Geyer: "Ich verfolge den Fußball aber intensiv und bin gut informiert."

Meinungsstark, geraderaus und immer einen flotten Spruch parat. "Ede" Geyer ist ein Original des Ostens - und machte auch nach der Wende groß von sich reden. An diesem Montag feiert die Trainerlegende von Energie Cottbus seinen 75. Geburtstag. "Da ist der Tag der Republik", scherzte Geyer. "Ganz intim mit der Familie" will er seinen Ehrentag in der Dresdner Wahlheimat verbringen. "Am Wochenende haben wir dann einen größeren Freundeskreis zu Gast, vielleicht schauen wir ein paar alte Filme an, ohne nur in Nostalgie zu schwelgen", sagte Geyer: "Es wird ganz lustig werden."

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Das letzte Fußball-Länderspiel gewann die DDR dank zweier Tore von Matthias Sammer mit 2:0 - und Eduard Geyer stand an der Seitenlinie.

(Foto: picture alliance / dpa)

Es könnte ein langer Abend werden. Geyer hat viel erlebt. Als Spieler feierte der Familienvater und Großvater mit Dynamo Dresden große Erfolge und wurde zweimal DDR-Meister (1971 und 1973) sowie Pokalsieger (1971). Als Trainer führte Geyer, dessen Stasi-Mitarbeit 1991 öffentlich wurde, Dresden 1989 zum Meistertitel und durchbrach die mehrjährige Regentschaft von Dynamo Berlin. Auch dank dieses Erfolges wurde er 1989 letzter Auswahltrainer der DDR und wollte die Mannschaft um Matthias Sammer zur WM nach Italien führen. Die Chancen standen gut, doch wenige Tage nach dem Mauerfall am 9. November 1989 verlor sein Team das entscheidende Qualifikationsspiel in Österreich mit 0:3.

Cottbus - das gallische Dorf

Geyer galt als Ordnungs- und Disziplin-Fanatiker, jungen Spielern leerte er auch schon mal kurzerhand den Kabinenschrank. Deshalb und wegen seiner ungeschminkten Art, seine Spieler auch öffentlich mit Kritik zu konfrontieren, erhielt Geyer den Spitznamen "Ede Gnadenlos". Bundesweit wurde Geyer aber erst als knorriger Trainer von Energie Cottbus Kult. Zehn Jahre leitete er dort von 1994 bis 2004 das Training und führte das "kleine gallische Dorf" aus dem Süden Brandenburgs im Jahr 2000 bis in die Bundesliga.

Drei Jahre blieb die Lausitz erstklassig und sorgte dabei für manche Überraschung. 2003 ging es zurück in die zweite Liga. Ein Jahr später kam für den Trainer wegen Erfolglosigkeit das Aus. "Es war ein schöne Zeit in Cottbus." Vom Glanz ist bei Energie wenig geblieben. Den Werdegang des Viertligisten verfolgt Geyer dennoch weiter. In seinem Fokus steht aber vor allem Dynamo Dresden, die Spiele in der zweiten Liga verfolgt Geyer regelmäßig im Stadion. Zufrieden ist er dabei nicht immer. "Es ist es unbefriedigend, weil man in den letzten Jahren eigentlich keine richtige Entwicklung gesehen hat." Um klare Worte ist er auch mit 75 Jahren nicht verlegen.

Quelle: ntv.de, Nikolaj Stobbe und Emanuel Reinke, sid