Fußball

Slapstickspiel in Nations League Eine bizarre Komödie von Abwehrpatzern

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Verpatzt.

(Foto: imago images / ZUMA Press)

Nach einer dummen Aktion des niederländischen Supertalents Matthijs de Ligt geht England im Nations-League-Halbfinale in Führung. Dann macht der Youngster seinen Fehler wieder gut, die "Three Lions" dagegen patzen fatal. Das Protokoll eines skurrilen Abends.

Die niederländische Fußball-Nationalmannschaft kann mal wieder einen Titel gewinnen. Nun, es wäre zwar nur der Gewinn der umstrittenen Nations League, aber immerhin die erste große - 71 Zentimeter nämlich - Trophäe seit dem EM-Erfolg 1988. Als letzte Hürde auf diesem Weg muss das Team von Coach Ronald Koeman am Sonntagabend die gastgebende Mannschaft Portugal schlagen. Anpfiff des Endspiels ist um 20.45 Uhr. Bereits um 15 Uhr wird das Spiel um Platz drei zwischen der Schweiz und England angepfiffen. Und vor allem die "Three Lions" müssen sich fragen lassen: Warum spielen wir eigentlich schon so früh? Spektakulär hatte sich die Mannschaft gegen die Niederlande beim 1:3 (1:0/1:1) nach Verlängerung um die Titelchance gepatzt. Das folgenschwere Protokoll eines skurrilen Halbfinals:

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PATZER (I), 32. Minute, TOOOOR FÜR ENGLAND, 1:0 Marcus Rashford: Nun, das war nicht schwer. Langer Zickzack-Anlauf, kurze Verzögerung, Torwart verladen, Elfmeter verwandelt. Und wo ist der Patzer? Nun, bei der Entstehung. Marten de Roon spielt ein solides Pass auf Matthijs de Ligt. Das international heftigst umworbene Abwehrtalent verarbeitet diesen Ball aber mit größtmöglicher Nachlässigkeit höchst unsolide. Englands Stürmer Marcus Rashford sprintet zum versprungenen Ball, de Ligt grätscht - aber eigentlich nur Rashford um.

KEIN PATZER, 73. Minute, TOOOOR FÜR DIE NIEDERLANDE, 1:1 Matthijs de Ligt: Ecke für die Niederlande. Und wo steht de Ligt? 16 Meter vor dem Tor. Ecke ausgeführt. Und wo steht de Ligt nun? Hoch in der Luft, fünf Meter vor dem Tor. Kopfball, drin. Fehler egalisiert. Was für ein feiner Laufweg.

PATZER (II), 97. Minute, TOOOOR FÜR DIE NIEDERLANDE, 1:2 Quincy Promes oder Kyle Walker: John Stones, Abwehrspieler von Manchester City, hat einen spektakulären Radius. Sein Versuch, sich als letzter Mann am eigenen Strafraum mit dem Ball am Fuß vom Gegner wegzudrehen, scheitert peinlich. Memphis Depay, der zuvor schon den einen oder anderen Bock der Engländer mit aller Güte unbestraft ließ, schaltet und schießt sofort, Jordan Pickford pariert zwar fantastisch, sein Abpraller aber wird von Quincy Promes und Kyle Walker aus acht Metern irgendwie über die Linie gedrückt. Der eine sagt: Promes war's. Der andere sagt: Walker hat's gemacht. Sind wir ehrlich: Egal, Tor ist Tor.

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Matchwinner im Patzer-Gewitter: Quincy Promes.

(Foto: imago images / VI Images)

PATZER (III), 114. Minute, TOOOOR FÜR DIE NIEDERLANDE, 1:3 Quincy Promes: Walker wirft auf Höhe des eigenen Strafraums ein (unspektakulär), Stones passt den Ball ohne Druck auf Ross Barkley (spektakulär schlecht), der bekommt an der Strafraumkante sofort Stress von Promes (sehr gut) und verliert den Ball (folgenschwer). Depay steht frei vor Pickford, spielt quer (sehr freundlich) auf den durchgelaufenen Promes, Schuss aufs leere Tor. Tor.

So, und nun? Nun trifft der immer noch unfassbare Cristiano Ronaldo (und natürlich Portugal) auf die niederländische Weltklasse-Abwehr. Neben de Ligt verteidigt dort Kapitän Virgil van Dijk, der zuletzt mit dem FC Liverpool die Champions League gewann und sich in Position für die Wahl des Weltfußballers gebracht hatte. "Wir werden alles geben, um am Ende die Trophäe in den Händen zu halten", so van Dijk. Man mag es ihm glauben, es wäre schließlich die erste seit 31 Jahren. Für die Niederlande freilich.

Quelle: n-tv.de, tno

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