Fußball

Beängstigend starke Tor-Show Es gibt keine gute Idee gegen Haaland

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Völlig entschlossen: Erling Haaland!

(Foto: picture alliance / Pressefoto Rudel)

Von einem Wunder ist der SV Wehen-Wiesbaden in der ersten Runde des DFB-Pokals meilenweit entfernt. Und das, weil der SV Wehen-Wiesbaden auf ein Wunder trifft. Auf Erling Haaland. Die Tore des Stürmers sind zwar nicht besonders spektakulär, dafür aber seine gnadenlose Gier.

Wäre Donyell Malen ein Typ wie Erling Haaland, dann hätte er dieses Ding gemacht. Aber Donyell Malen ist kein Typ wie Erling Haaland. Das gilt übrigens allein schon in der Erscheinung. Malen ist viel kleiner, viel weniger wuchtig als sein neuer Teamkollege. Aber Malen ist ein Stürmer, er kann es, so erzählt man, in der Mitte und auf dem Flügel. Vermutlich wird das zweite Terrain sein bevorzugtes Einsatzgebiet bei Borussia Dortmund werden. Dort herrscht nach dem Abgang des Offensiv-Künstlers Jadon Sancho Bedarf. Und weil das so ist, hat der BVB diesen Niederländer ja auch verpflichtet.

In der ersten Pokalrunde durfte er ein paar Minuten mittun, besonders auffällig war er nicht. Seine Fitness soll nach der Europameisterschaft vor ein paar Wochen noch nicht wieder im optimalen Zustand sein, heißt es aus Dortmund. Eine Entschuldigung dafür, dass Malen in der 81. Minute den Ball nicht verwandelte, obwohl er frei vor Keeper Florian Stritzel stand, ist das aber nicht. Nun, zum Thema muss man das nach dem souveränen 3:0-Erfolg der Dortmunder in der ersten Runde des DFB-Pokals bei Drittligist SV Wehen-Wiesbaden nicht machen. Und auch nicht, dass die Abwehr des BVB gelegentlich nicht ganz geschmeidig wirkte. War halt eine absolute Not-Formation mit Nico Schulz, mit Manuel Akanji (einzige Stammkraft), mit Debütant Antonios Papadopoulos und Felix Passlack.

Unfassbare Quote

Wie so oft machte sich bei der Borussia ein Mann zur großen Show: Erling Haaland. Der Stürmer erzielte alle Tore gegen das tapfere Team aus Liga drei. Aber bei aller Leidenschaft gelang es den Männern um Sascha Mockenhaupt, den riesigen BVB-Fan, eben auch nicht, woran schon die Spitzenkräfte im internationalen Fußball gescheitert waren. Haaland machte einfach sein Ding. Er büffelte sich durch die Reihen. Nicht immer besonders elegant, aber immer voll unter Dampf. Das Spektakuläre an diesem Mann sind eher selten die Abschlüsse, er erzielt in der Regel keine Sensationstore wie Cristiano Ronaldo, Lionel Messi oder Neymar, er ist auch kein torgefährliches Ganzkörperphänomen wie Thomas Müller. Das Spektakuläre an diesem Mann ist die Zuverlässigkeit, mit der er seine Arbeit erledigt.

Nachdem seine erste Riesenchance noch von der Linie gekratzt wurde, schob Haaland den Ball nach 26 Minuten nach einem perfekten Konter unter Bedrängnis souverän an Stritzel vorbei. Fünf Minuten später verwandelte er einen Foulelfmeter. Gefoult worden war er (natürlich) selbst. Dabei erlaubte er sich ein kleines Späßchen. Beim Aufstehen pumpte er sich zweimal per Liegestütz hoch. Eine Einlage am Rande der Arroganz. Ein Zeichen der Kraft? Oder doch eher ein Zeichen, dass ihn das Duell mit dem Drittligisten langweilt? Nun, seine Körpersprache sagte etwas anderes aus. Haaland war die ganze Zeit griffig und ging auch kleineren Auseinandersetzungen abseits des Balles nicht aus dem Weg. Den dritten Treffer machte er in Minute 51, Wehen war gerade mit Mut aus der Pause gekommen. Haaland brauchte allerdings zwei Anläufe, der erste Schuss wurde noch pariert.

Haaland hat jetzt 60 Pflichtspiele für den BVB absolviert. Und in diesen 60 Pflichtspielen hat er 60 Treffer erzielt. Was für eine Quote. Und tatsächlich rätseln die Trainer und Abwehrspieler auf diesem Planeten darüber, was man tun kann, um diesen 21-Jährigen zu stoppen. Sporadisch mag das bereits gelungen sein. Eine Idee, die Schule gemacht hat, war noch nicht dabei. Für den BVB ist das eine sehr gute Sache. Denn man möchte in Dortmund gerne wieder verlässlich ernsthaft um die deutsche Meisterschaft mitspielen. Auch dafür hat man Marco Rose als neuen Trainer verpflichtet. Und womöglich ist die Chance, groß wie lange nicht. Denn der FC Bayern, der neunmal in Folge nationaler Champion war, stolpert mit seinem neuen Trainer Julian Nagelsmann überraschend hart in die neue Spielzeit. Zwar sind die Münchner noch weit weg vom Panikmodus, aber vier Testspiele ohne Sieg, das macht schon nachdenklich. Und die Gedanken kreisen um die mittlerweile ziemlich zermürbenden Dinge wie Kader und mögliche Korrekturen. Eigentlich wollten sie ja nichts mehr machen.

Haaland muss bleiben

Aber das könnte sich eben ändern. Auch, weil Borussia Dortmund als Konkurrent um die Schale ein sehr gutes Aufgebot beisammen hat. Okay, das hatten sie schon häufiger. Aber mit Gregor Kobel wurde eine Schwachstelle im Tor vermeintlich behoben, auch wenn er sich gegen Wehen-Wiesbaden einen kleinen (folgenlosen) Aussetzer leistete. Bis auf Sancho wurden auch alle Leistungsträger gehalten. Und das soll auch so bleiben. Gehen soll kein Star mehr. Und ganz bestimmt nicht Haaland. Der ist international indes heftig umworben. Was angesichts seiner Leistungen kein Wunder ist. Der BVB hat aber immer wieder klargemacht: Interesse, liebe Topklubs, liebe Oligarchen, Scheichs und sonstige Investoren, könnt ihr gerne haben, haben aber könnt ihr den Stürmer aber eben nicht. Lizenzspielerchef Sebastian Kehl hat es so formuliert: Auf die Frage von Sky, ob es ein Szenario geben könnte, bei dem der BVB in diesem Sommer schwach werde, sagte der ehemalige Profi: "Nein! Welches Szenario sollte denn kommen? Wir haben uns klar festgelegt." Es sind Sätze, die natürlich immer gesagt werden. Und in der Vergangenheit oft genug widerlegt wurden.

Den Dortmundern darf man aber glauben, dass sie ihren Stürmer in diesem Sommer nicht mehr abgeben. Finanziell besteht keine Notwendigkeit, erst recht nicht nach der 85-Millionen-Ablöse für Sancho, die aus Manchester (von United) kommt. Ein naheliegendes Szenario, in dem der Norweger die Borussia noch verlässt, das gibt es nicht. So sagte Sebastian Kehl, Leiter der BVB-Lizenzspielerabteilung, nach dem Pokalerfolg bei Sky. "Es ist gut, dass wir ihn haben." Und daran werde sich auch nichts ändern. "Ich habe überhaupt nicht das Gefühl, dass er wegwill", betonte Kehl. Was Erling Haaland übrigens auch nicht will: ausgewechselt werden. Trainer Rose hatte einen kurzen Gedanken daran verschwendet, ihn aber eilig wieder verworfen, wie Kehl erzählte. "Erling wäre sonst sauer geworden." Und wenn sie etwas beim BVB nicht haben wollen, dann ein verärgertes Phänomen.

Quelle: ntv.de

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