Fußball

Aus der DDR-Oberliga zur WM Ex-Schiedsrichter Heynemann bleibt am Ball

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Bei Bernd Heynemann stehen 151 Bundesligaspiele auf der Uhr.

imago sportfotodienst

Vom Straßenfußballer zum Schiedsrichter: "Fußball ist eigentlich mein Leben", sagt Bernd Heynemann. Sein Leben an der Pfeife ist zweigeteilt: erst DDR-Oberliga und dann Bundesliga. Inzwischen hat er einen neuen Lebensschwerpunkt - und heute Geburtstag.

An seinem Ehrentag klinkt sich Bernd Heynemann ganz bewusst aus. "Ich mach das mit meiner Frau nach dem Motto von Hape Kerkeling: 'Ich bin dann mal weg.'", sagte Deutschlands früherer Top-Schiedsrichter vor seinem 65. Geburtstag. Für 24 Stunden hat der Fußball Pause, dieser Tag gehört nur ihnen. Zeit, zurückzuschauen. "65 ist zwar kein runder Geburtstag, aber es ist ein gewisser gesellschaftlicher Einschnitt, wo man sagt: Jetzt bist du eigentlich zum alten Teil gehörig." Wo es hingeht, wollte er nicht verraten, nicht einmal seine Frau wisse Bescheid. Nur so viel: Er habe "etwas geplant, und wir sind weg."

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Fachgespräch: Bernd Heynemann erklärt Pierre Littbarski die Regelauslegung.

(Foto: imago/Christian Schroedter)

In trauter Zweisamkeit wird sich das Ehepaar erinnern an ein Leben, in dem Heynemann sehr oft und sehr lange Männern in kurzen Hosen hinterhergelaufen ist. "Selber habe ich als Straßenfußballer angefangen und irgendwann gab es dann die Gabelung: Weiterspielen oder pfeifen. Also Fußball ist eigentlich mein Leben." Nach 151 Bundesliga-Spielen, der EM 1996 und der WM in Frankreich zwei Jahre später hatte er 2001 seine Schiedsrichter-Karriere beendet. Heute kickt Heynemann wieder selbst: Bei den Alten Herren des Polizeisportvereins Magdeburg. Gelegentlich tritt er als Experte im Fernsehen auf.

"Wie in Hollywood"

Auf Schalke, in Wolfsburg, bei Hertha BSC oder seinem Heimatverein 1. FC Magdeburg in der zweiten Liga sitt Heynemann gerne auf den Tribünen. Er ist ein Kind der Bundesliga. Wenn er über sie spricht, wird er sentimental. "Früher haben wir im West-Fernsehen die Bundesliga geguckt und auf einmal warst du ab 1991 selber dabei", sagte er: "Das ist natürlich schon eine Geschichte, als wenn du einen Hollywood-Film guckst und dann selber in Hollywood bist." Nur ein Jahr nach seinem Debüt im Oberhaus, vorher hatte er von 1980 bis 1991 in der DDR-Oberliga gepfiffen, leitete Heynemann 1992 das Endspiel des DFB-Pokals zwischen Borussia Mönchengladbach und Hannover 96 (3:4 i.E.).

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Für die CDU saß Heynemann fast zehn Jahre im Bundestag.

Lange ist das alles her. Mittlerweile hat Heynemann eine weitere Passion gefunden. Die Politik. Für die CDU saß er von 2002 bis 2009 im Bundestag, später auch im Landtag von Sachsen-Anhalt (2015 bis 2016). Im Stadtrat Magdeburgs ist er heute noch aktiv, in diesem Jahr macht er die 20 Jahre voll. Bei den Kommunalwahlen im Mai will Heynemann noch einmal antreten. Sie mache ihm Spaß, die Kommunalpolitik, sagte er. Die große Politik von einst sei aber "Geschichte". Doch eine Meinung hat Heynemann trotzdem. Seitdem er mitmischt, habe sich das politische Klima verändert.

Dabei nehme er einen "großen Unterschied zwischen Ost und West" wahr. "Ich denke schon, dass seit 2015 ein Riss durch die gesamte Gesellschaft ging, durch die Flüchtlingspolitik", sagte er. Was auch viele Ängste und Ungerechtigkeiten hervorgerufen hat." Heynemanns Appell ist klar: "Jetzt muss man sehen, wie man bei realer, politischer Arbeit nicht nur redet, sondern auch etwas tut, um die Gesellschaft wieder in Einklang zu bringen." Er wird es von Magdeburg aus beobachten.

Quelle: n-tv.de, Von Florian Krebl, sid

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