Fußball

Joachim Löw und der Fall Kuranyi Fällt er um - oder bleibt er stur?

Was haben Helmut Rahn, Stefan Effenberg und Lothar Mattäus mit Kevin Kuranyi zu tun? Sie sind einst aus der Fußball-Nationalmannschaft geflogen. Und durften später wieder mitmachen. Ob das auch für Kuranyi gilt, weiß nur Bundestrainer Joachim Löw.

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Umfaller oder Sturkopf? Joachim Löw jedenfalls hat gesagt: "So lange ich Bundestrainer bin, spielt Kuranyi nicht mehr für Deutschland."

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Darf Kevin Kuranyi nun wieder mitspielen oder nicht? Seit der Diskussion vor der Weltmeisterschaft 2006, ob nun Oliver Kahn oder Jens Lehmann das Tor hüten darf, ist das die aufgeregteste Diskussion um eine Personalie in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Wie auch immer Joachim Löw sich entscheidet – er kann nur verlieren. Der Bundestrainer steckt in der Klemme: Begnadigt er den Schalker Stürmer, werden sie ihn einen Umfaller nennen.

Nachdem Kuranyi beim WM-Qualifikationsspiel gegen Russland im Oktober 2008 aus Frust in der Halbzeit das Stadion verlassen hatte, hatte Löw schließlich angekündigt: "So lange ich Bundestrainer bin, spielt Kuranyi nicht mehr für Deutschland." Bleibt der Bundestrainer hart, muss er sich vorwerfen lassen, den zurzeit besten Stürmer nicht mit zur Weltmeisterschaft nach Südafrika zu nehmen und so die Mannschaft sportlich zu schwächen. Also macht Löw das, was in dieser Situation am besten ist – er sagt nichts.

Bis er sich entschieden hat, haben wir einmal nachgesehen, wie das in der Vergangenheit so war mit den Rauswürfen und den Begnadigungen in Deutschlands wichtigster Mannschaft. Drei Beispiele dafür, dass Trainer auch milde sein können – wenn es gar nicht mehr anders geht. Vielleicht hilft ihm das ja weiter.

Als der Boss in U-Haft saß

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WM 1958 in Schweden: Helmut Rahn ist dabei.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

HELMUT RAHN. Helmut Rahn? Ja, der! 1954 schoss er das bekannteste Tor der Nachkriegsgeschichte, im Finale der Weltmeisterschaft zum 3:2 gegen Ungarn. Sie wissen schon: Tor! Tor! Tor! Tor! Drei Jahre später war Schluss mit lustig, Bundestrainer Sepp Herberger ("Nach dem Spiel ist vor dem Spiel") warf ihn raus. Was war geschehen? Rahn saß zwei Wochen im Gefängnis, weil er erst mit seinem Wagen angetrunken in einer Baugrube gelandet war und anschließend einem Polizisten die Mütze vom Kopf geschlagen hatte, als der ihm Handschellen anlegen wollte. Ein Jahr und fünf Länderspiele später war Rahn aber wieder dabei. Die WM 1958 in Schweden stand an, und der Bundestrainer hatte ein Problem im Sturm. Herberger sprach mit den Herren vom Fußball-Bund – und die Sache war vergessen. Der Boss war wieder da. Angeblich hatte auch Herbergers Frau Evi ein gutes Wort eingelegt: "Sepp, Du kannst den armen Kerl doch nicht einfach fallen lassen. Wie kann man nur so hart sein?"

Und was hat das mit Kevin Kuranyi zu tun? Dass alle, die auf seine Rückkehr hoffen, sich an Daniela Löw wenden sollten. Auch wenn Kuranyi nie im Knast saß.

Effenberg und der stinkende Finger

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Damals auf Malta: Stefan Effenberg und Berti Vogts sind sich einig.

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STEFAN EFFENBERG. Stefan Effenberg? Na klar, wer, wenn nicht er. Da hat Berti Vogts mal so richtig hart durchgegriffen. Was war geschehen? Stefan Effenberg zeigte bei der WM 1994 in den USA nach dem Gruppenspiel gegen Südkorea (3:2) in Dallas den deutschen Fans, die mit ihm und dem Spiel der Mannschaft nicht zufrieden waren – und das auch deutlich zum Ausdruck brachten –, den ausgestreckten Mittelfinger. Ende der Karriere. "Für immer", wie Bundestrainer Vogts und DFB-Präsident Egidius Braun ("Entsetzlich") beteuerten. Für immer dauerte dann relativ genau vier Jahre bis nach der schwachen Weltmeisterschaft 1998. Vogts holte Effenberg zurück, ehe der nach vier Wochen und zwei schrecklichen Testpielen auf Malta selbst zurücktrat. Vogts musste kurz darauf übrigens auch gehen.

Und was hat das mit Kevin Kuranyi zu tun? Vielleicht tritt er ja – für den Fall, dass er wieder mitmachen darf - nach vier Wochen und zwei schrecklichen Spielen selbst zurück.

Die Plaudertasche als Rekordhalter

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Freunde fürs Leben: Berti Vogts und Lothar Matthäus.

(Foto: picture-alliance / dpa)

LOTHAR MATTHÄUS. Lothar Mattäus? "So lange ich Bundestrainer bin, wird Lothar Matthäus nicht mehr in der deutschen Mannschaft spielen." Zitat Berti Vogts, Bundestrainer, 1996. Was war geschehen? Interne Querelen, wie es so schön heißt. Matthäus hatte es sich mit einem Teil der Mannschaft, allen voran mit Kapitän Jürgen Klinsmann, verscherzt, weil er Interna aus der Kabine ausgeplaudert hatte. Und das gilt in Fußballerkreisen als Sakrileg. Zwei Jahre später allerdings, vor der WM 1998 in Frankreich, brauchte Vogts dringend einen Abwehrchef. Matthäus kam zurück – und blieb auch nach Vogts' Ablösung bis 2000 dabei. Und darf sich heute mit 150 Einsätzen Rekordnationalspieler nennen. Was er durchaus auch macht. Dennoch ist er immer noch sauer: "Ich hatte Pech, dass mich Berti Vogts aus mysteriösen Gründen drei Jahre nicht berücksichtigt hat. Er hat mir drei Jahre geraubt. Sonst wäre ich auf 180 Länderspiele oder mehr gekommen."

Und was hat das mit Kevin Kuranyi zu tun? Vielleicht hat er ja noch eine große und lange Karriere in der Nationalmannschaft vor sich. 99 Spiele noch, dann ist er bei 151. Und Lothar Matthäus so richtig sauer.

Quelle: n-tv.de

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