Fußball

Aufregung im DFB-Pokal Fans von Hansa ignorieren Corona-Regeln

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Nun, das hat mit Corona-Regeln so viel nicht zu tun.

(Foto: dpa)

Der Profifußball kämpft um die Rückkehr von Fans - mit sehr unterschiedlichem Erfolg. Vor dem Bundesliga-Start könnte eine einheitliche Regelung kommen. Bilder aus dem DFB-Pokal sorgen derweil für Aufregung - weil Corona-Regeln teilweise intensiv ignoriert werden.

Die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern ist begeistert. Fußball vor Fans, vor über 7000 sogar, das sei "ein großer Schritt in Corona-Zeiten." So twitterte Manuela Schwesig am Sonntagnachmittag während ihres Besuchs beim DFB-Pokalspiel zwischen Hansa Rostock und dem VfB Stuttgart. An den Tweet angeheftet war ein Video, das die Fans im Stadion zeigt. Ein Video, das heftige Reaktionen hervorruft. Denn auf dem Video ist eine durchaus beachtliche Anzahl von Fans zu sehen, die die in der Pandemie geltenden Regeln ignorieren: kein Abstand, kein Mund-Nasen-Schutz. Es war zwar erlaubt, die Maske am Platz abzunehmen, jedoch nicht, dabei zu singen, da so die Gefahr einer Corona-Infektion steigt.

Auch in Magdeburg, hier empfing der Drittligist den Zweitligisten SV Darmstadt 98 (2:3), waren 5000 Fans zugelassen. In Chemnitz, wo sich Bundesligist Hoffenheim beim Pflichtspieldebüt von Sebastian Hoeneß heftig abmühte und erst im Elfmeterschießen gewann, tobten sich mehr als 3000 Zuschauer aus. Während aus Magdeburg ebenfalls Bilder von Besuchern im Anti-Corona-Modus kursieren, sah's in Chemnitz überwiegend deutlich mehr nach eingehaltenem Abstand aus. Die Bilder aus Rostock und Magdeburg sorgten derweil für jede Menge Wut und Unverständnis im Netz.

Sie befeuerten die leidenschaftlich geführte Diskussion um die Rückkehr von Fans. Und sie warfen die Frage auf: Wird hier mit zweierlei Maß gemessen? Während die Bundesligisten heftig darum ringen, endlich wieder Zuschauer ins Stadion zu lassen, geht's in Liga drei munter los. Mit eben skurrilen Bildern. Und mit Verteidigungs-Tweets. So twitterte auch Schwesig in die allgemeine Empörung: [...] "Wir sollten den Bürger*innen und den Gesundheitsämtern vor Ort, die seit sieben Monaten durch ihre Disziplin #MV zum sichersten Bundesland machen, mehr vertrauen."

Hansa Rostocks Sportvorstand Martin Pieckenhagen hatte das Spiel gegen den VfB Stuttgart mit bis zu 7500 Fans zuvor als "Riesenchance für den Fußball" bezeichnet. Die Partie sei allerdings eine "große Probe für uns in Rostock, ob wir es mit Zuschauern hinbekommen", sagte er. Anders als in vielen anderen Pokal-Städten hatten die Behörden in Rostock mehrere Tausend Fans im Ostseestadion erlaubt. "Nervosität nicht, Anspannung ja", sagte Pieckenhagen: "Das ist eine sehr, sehr große Herausforderung mit dem, auf was wir alles achten müssen. Wir hoffen, dass wir das Ostseestadion irgendwann wieder voll haben. Das ist der erste Schritt."

Hoeneß hat eine große Sorge

Endlich wieder Torjubel, Gesänge und Stimmung auf den Rängen - der DFB-Pokal hat einen Vorgeschmack auf die Rückkehr von Fans in den Stadien gegeben. Bisher sind die Lösungen ein Flickenteppich, doch mit einer bundesweit einheitlichen Richtlinie könnte es nun schneller gehen als erwartet: In der Woche vor dem Start der Bundesliga soll die Arbeitsgemeinschaft der Chefinnen und Chefs der Staatskanzleien der Länder erneut tagen. Uli Hoeneß hat als langjähriger Macher des FC Bayern München Bedenken, ob die Zuschauer irgendwann wieder wie früher in die Stadien strömen.

"Meine größte Sorge ist, ob die Leute auch alle wieder kommen, oder ob sie ängstlich sind", sagte der 68 Jahre alte Bayern-Ehrenpräsident in der TV-Talksendung "Doppelpass" von Sport1. "Wenn in ein Stadion für 70.000 Zuschauer 20.000 kommen, ist das kein Problem", begründete Hoeneß seine Skepsis. Aber wenn in die 75.000 Fans fassende Münchner Arena wieder 60.000 Besucher dürften, müsse man erst mal abwarten, ob das auch angenommen werde, solange es keinen Impfstoff gegen das Coronavirus gebe.

Eine vorgesehene bundesweite Richtlinie sehe eine Auslastung der Stadien von 30 bis 40 Prozent vor, berichtete das ZDF. Sie solle den lokalen Gesundheitsbehörden als Vorlage dienen und auch für andere bundesweite Sportveranstaltungen gelten. Das Staatsministerium Baden-Württemberg bestätigte, dass sich die AG am Dienstag erneut berate. Ein Sprecher der Bundesregierung sagte auf Anfrage nur, der Auftrag der Ministerpräsidenten-Konferenz an die Arbeitsgruppe, bis Ende Oktober einen Vorschlag zu machen, gelte weiterhin.

Quelle: ntv.de, tno/dpa