Fußball

EM-Gruppe D unter der n-tv.de-Lupe Feurige Kroaten, Spanien - und ein Schnitzel

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Zwei frühere Bundesliga-Kicker, die sich bei der EM treffen: Ex-Borusse Rosicky und Ex-Schalker Rakitic. Das Bild zeigt beide bei einem Aufeinandertreffen bei einem Freundschaftsspiel im Jahr 2011. Damals gewannen die Kroaten 4:2.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Die WM 2014? Ein Ausrutscher. Bei der Fußball-EM in Frankreich wollen die Spanier ihrem Trainer zum Abschied den Titel schenken. Doch auch Kroaten, Türken und Tschechen mischen in der Todesgruppe D mit.

Gestatten, Kroatien

Zwischen Zagreb und Dubrovnik träumen sie in diesen Tagen. "Kroatien kann den EM-Titel gewinnen", sagt Mittelfeldstar Ivan Rakitic vor der EM-Endrunde in Frankreich. "Wir haben den Wunsch, unser ganzes Volk stolz zu machen." Rakitic und viele Landsleute träumen von den 90er Jahren, von 1998, als die Nationalmannschaft bei der WM nach seinem Sieg über Deutschland den dritten Platz holte. Ist diesmal sogar mehr möglich?

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International erfahren: Die Kroaten wollen in Frankreich weit kommen.

(Foto: imago/PuzzlePix)

Größenwahn kann man den Kroaten nicht unterstellen. Rakitic vom FC Barcelona, Luka Modric und Mateo Kovacic von Real Madrid, Ex-Bayern Stürmer Mario Mandzukic von Juventus Turin und Ivan Perisic von Inter Mailand - das Team ist großartig besetzt. An guten Tagen können die "Vatreni" ("Die Feurigen") jeden schlagen, aber es gibt eben auch schlechte. Und nicht nur das. Neben Außenverteidiger-Legende Darijo Srna fällt die Defensive qualitativ deutlich ab. Bisweilen fehlt dem Team von Trainer Ante Cacic die Konstanz. In der Qualifikation hakte es, das zeigte sich vor allem beim 0:0 gegen Aserbaidschan und beim 0:2 gegen Norwegen. Am Ende holten die Kroaten nur mit einem Punkt Vorsprung den begehrten zweiten Qualifikations-Platz hinter Italien.

Spielplan der Gruppe E

Sonntag, 12. Juni
15 Uhr, Paris: Türkei - Kroatien
Montag, 13. Juni
15 Uhr, Toulouse: Spanien - Tschechien
Freitag, 17. Juni
18 Uhr, Saint Étienne: Tschechien - Kroatien
21 Uhr, Nizza: Spanien - Türkei
Dienstag, 21. Juni
21 Uhr, Bordeaux: Kroatien - Spanien
21 Uhr, Lens: Tschechien - Türkei

Nützliches Wissen für Ahnungslose: Beim EM-Qualifikationsspiel gegen Italien im November 2014 warfen kroatische Fans Rauchbomben und Feuerwerkskörper auf das Spielfeld. Beim Rückspiel vor leeren Rängen zeichneten Anhänger ein Hakenkreuz auf den Rasen. Den Kroaten drohte sogar der EM-Ausschluss, sie kamen schließlich jedoch mit einem Punktabzug, einer Geldstrafe und Geisterspielen davon.

Gestatten, Tschechien

All jene, die an ihrer sportlichen Qualität zweifeln, können die Tschechen und ihr Trainer Pavel Vrba voller Stolz auf ihre Qualifikationsgruppe verweisen. Dort behauptete sich die Mannschaft locker gegen Island, die Türkei und gegen die Niederlande. Tatsächlich darf jedoch bezweifelt werden, ob das Abschneiden in der Quali als geeigneter Maßstab herhalten kann. Die Tschechen sind längst nicht mehr so gut besetzt wie bei zurückliegenden Turnieren. Einzig Torwart Petr Cech und Tomas Rosicky ragen heraus, der eine 34 Jahre alt, der andere 35. Das steht sinnbildlich für den Zustand des hiesigen Fußballs. Vielversprechende Talente kommen kaum noch nach. In der schwersten EM-Gruppe müssen die Tschechen schon über sich hinauswachsen. Eines macht Hoffnung: Die vier besten der sechs Gruppen-Dritten ziehen ins Achtelfinale ein.

Nützliches Wissen für Ahnungslose: Auf dem Papier ist für das tschechische Nationalteam beim Turnier in Frankreich nicht viel drin: 2000 Vorrunde, 2004 Halbfinale, 2008 Vorrunde, 2012 Viertelfinale.

Gestatten, Spanien

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Verabschiedet sich del Bosque mit einem Titel?

(Foto: imago/Alterphotos)

Eigentlich bedarf es keiner weiteren Beschreibungen über diese Mannschaft. Sergio Ramos, Gerard Pique, Cesc Fabregas, Andres Iniesta, David Silva, dazu der große Trainer Vicente del Bosque. Eine Mannschaft mit einem Überfluss an großartigen Protagonisten. Wohl kein anderes Land kann es sich erlauben, Ausnahmekönner wie Diego Costa und Juan Mata Zuhause zu lassen. Die Luxuskarosse des europäischen Fußballs wird im Kern von den Typen gelenkt, die die 2008 begonnene Ära prägten. Seitdem holten die Spanier zwei EM- und einen WM-Titel. Dennoch hat der Neubeginn längst begonnen. Für Iker Casillas dürfte es das letzte große Turnier werden, Nachfolger David de Gea von ManUnited scharrt schon mit den Hufen. Im Mittelfeld sind Koke und Isco bereit, die Etablierten zu verdrängen. In der Sturmspitze ist der 23-Jährige Alvaro Morata gesetzt. Junge Wilde und erfahrene Granden wollen gemeinsam dafür sorgen, dass das Vorrunden-Aus bei der Weltmeisterschaft nur ein Ausrutscher war.

Nützliches Wissen für Ahnungslose: Für del Bosque ist nach dem Turnier und acht Jahren als Nationalcoach definitiv Schluss. Die Trainerlegende, die zwischen 1970 und 1984 selbst für Real Madrid auf dem Platz stand, geht von Bord - am liebsten natürlich mit dem dritten EM-Titel. Del Bosque selbst will von einer Favoritenrolle jedoch nichts wissen. Für ihn ist Frankreich der Favorit.

Gestatten, Türkei

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Hoffnungsträger: Arda Turan.

(Foto: REUTERS)

Wer Nationalspieler in der Türkei werden will, kommt um Fatih Terim nicht herum. Der 62-Jährige war in den 90er Jahren erstmals Nationalcoach. 2005 kehrte er für vier Jahre zurück, seit 2013 sitzt er wieder auf der Bank. Die EM in Frankreich ist bereits die dritte für Terim. "Die Besten Europas sind bei diesem Turnier anwesend, dort können wir alles erreichen", schwadronierte Starkicker Arda Turan kürzlich.

Hätte die Türkei elf Spieler vom Format des Barca-Spielers, wären die Aussichten nicht schlecht. Doch tatsächlich fehlt es der Mannschaft, in der auch Leverkusens Hakan Calhanoglu zu den Leistungsträgern gehört, in der Breite an Qualität. Vor allem im Sturm mangelt es an einem Knipser. In der Qualifikation liefen die Türken hinter den keineswegs unschlagbaren Tschechen und Isländern als Dritte über die Ziellinie. Gegen Lettland, den 104. der Fifa-Weltrangliste, spielten sie zweimal Remis. Ohne eine deutliche Steigerung gibt es für Terims Team in Frankreich nichts zu holen.

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Jagdszenen: Das Relegationsspiel zwischen der Türkei und der Schweiz endete 2005 mit Gewalt.

Nützliches Wissen für Ahnungslose: Ein Aufeinandertreffen mit der Schweiz bleibt der Türkei in Frankreich erst einmal erspart. Zum Glück! Beide Mannschaften hatten 2005 in der Relegationsrunde zur WM 2006 gegeneinander gespielt. Die Schweiz gewann, aber nicht das Sportliche blieb in Erinnerung. Nach dem Schlusspfiff gab es Schlägereien zwischen beiden Teams. Der türkische Verband musste später 135.000 Euro Strafe zahlen und sechs Heim-Spiele außerhalb des Landes austragen.

Auf diesen Spieler müssen Sie achten

Tomas Rosicky. Ganze 19 Minuten hat der Spielmacher der Tschechen in dieser Spielzeit für die erste Mannschaft des FC Arsenal auf dem Platz gestanden. Wie so oft in seiner Karriere hatte Rosicky mal wieder mit Verletzungen zu kämpfen. Seit seinem Wechsel nach London vor zehn Jahren machte der Mann aus Prag lediglich 170 Spiele. Bekannt geworden war Rosicky bei Borussia Dortmund, wo er sich zwischen 2001 und 2006 nicht nur den Spitznamen "Schnitzel", sondern auch den Ruf eines der größten Talente Europas, ja, sogar den eines Fußball-Mozarts erwarb. Die Gegenwart sieht weniger verlockend aus. In London erhielt er keinen neuen Vertrag. Die EM in Frankreich dürfte Rosickys Abschied von der großen Fußballbühne werden. Die letzte Gelegenheit, dem wendigen Mittelfeldstrategen dabei zuzusehen, wie er geniale Pässe schlägt und seine Gegenspieler schwindelig dribbelt.

Wie geht die Gruppe aus?

1. Spanien
2. Kroatien
3. Türkei
4. Tschechien

Quelle: n-tv.de

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