Fußball

Aktivposten des FC Bayern Freigeist Müller predigt die zündende Idee

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Nicht zu überhören: Thomas Müller.

(Foto: imago/Revierfoto)

Die Krise beim FC Bayern scheint überstanden, begeisternden Fußball bietet er aber noch nicht. Lange sucht das Team in Mainz nach der Erfolgsformel - dabei hatte Thomas Müller diese ziemlich schnell ausgemacht.

Thomas Müller gestikulierte, haderte, schrie und mahnte seine Kollegen, doch bitteschön ihn und Außenverteidiger Joshua Kimmich häufiger ins Spiel einzubinden. Die rechte Seite des Meister wurde nach Müllers Ansicht zu selten bespielt. Beim 2:1-Erfolg gegen den 1. FSV in Mainz am neunten Spieltag der Fußball-Bundesliga suchten der FC Bayern München lange nach der spielerischen Lösung, um den Defensivverbund der Rheinhessen zu knacken - dabei hatte Müller die Schwachstelle des Gegners bereits nach einer guten Viertelstunde ausgemacht.

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Müller kommuniziert in Mainz lautstark mit seinen Mitspielern.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Müller lief an diesem Samstagnachmittag immer wieder geschickt die Räume für seinen Hintermann frei, der von der mangelhaften Rückwärtsbewegung des späteren Torschützen Jean-Paul Boetius, der  drei Minuten nach der Pause zum 1:1 traf, zusätzlich profitierte. Bis es dann zum ersten Torerfolg über die rechte Seite kam, dauerte es allerdings noch 25 Minuten. Erst dann fand der aufgerückte Kimmich Mitspieler Leon Goretzka in der Mitte, der dann aus der Drehung zur Führung vollstreckte (39.). Müller war mit seinem Laufweg ein wichtiger Faktor im ersten erfolgreichen Abschluss der Münchner. Thiago Alcántara machte schließlich mit seinem Tor nach einer guten Stunde den Münchner Sieg perfekt.

"Man muss immer schnell spielen, um die Mainzer Verschiebebewegung zu überwinden", sagte Müller nach Abpfiff und lobte vor allem das Spiel über die rechte Seite und die eröffnenden langen Bälle der Innenverteidiger Jérôme Boateng und Niklas Süle. "Da hatten wir viele ordentliche Aktionen und haben Druck gemacht", konstatierte Müller. Den Druck erzeugt hatte aber Müller selbst - durch seine verbalen Weckrufe. Ob bei den Bayern ohne Müller der spielerische Funke übergesprungen wäre, bleibt fraglich. Die Körpersprache des deutschen Nationalspielers war in jedem Fall gelebte Fußballleidenschaft. Bereits nach zwei Minuten regte sich der 29-Jährige über einen nicht gegebenen Einwurf auf - an der Mittellinie.

"Alles ganz normale Vorgänge"

Es folgten Zwiegespräche taktischer Natur mit Goretzka und Trainer Niko Kovac während der ersten 45 Minuten. "Alles ganz normale Vorgänge", wie Müller nach dem Spiel in der Mixed-Zone meinte. Die Verbalausbrüche wirkten aber dann doch außergewöhnlich. Eben weil die restliche Bayern-Elf bei der Auswärtsreise in Mainz auf dem Platz wenig bis gar nichts Impulsives lieferte. Die Verletzung von Mats Hummels beim Warmmachen hat die Münchner sicherlich ein Sprachrohr gekostet, die kollektive bajuwarische Leidenschaftslosigkeit auf dem Platz war erdrückend. Gespräche, gegenseitige Anweisungen und Hilfestellungen waren höchstens rudimentär vorhanden - Müller war da das perfekte Gegenstück.

Er sei ja ein "kommunikativer" Typ, der Müller, erklärte Kovac die Fachgespräche an der Seitenlinie und lobte die Laufwege des Außenbahnspielers. Im Verein und auch in der DFB-Elf sah sich Müller noch mit berechtigter Kritik konfrontiert. Der unruhestiftende Freigeist tauchte nicht nur bei Länderspielen regelmäßig ab, hatte kaum Ballaktionen. Seine unvorhersehbaren und überraschenden Laufwege - scheinbar von den Gegnern entschlüsselt.

Die sportliche Krise der Bayern ließ sich wunderbar am unglücklich wirkenden Müller ablesen. Selbst, wenn ihm in Mainz die Toraktionen fehlten, er bleibt ein besonderer Spieler, weil er Schwächen des Gegners vor vielen seiner Kollegen erkennt. Nun arbeitet er sich zurück zu alter Form. Genau wie die Bayern, die mit Ergebnissen überzeugen und Siege erarbeiten.

 

Quelle: ntv.de