Fußball

Frauen ärgern Barça zumindestFür 20 Minuten spielt der FC Bayern bei den ganz Großen mit

04.05.2026, 09:55 Uhr Bild-AnjaVon Anja Rau
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Trauer und Frust mischen sich mit Stolz. (Foto: picture alliance / HMB Media)

Als der FC Barcelona noch einmal zittert, setzt die Schiedsrichterin den Hoffnungen des FC Bayern ein Ende. Der Traum vom ersten Champions-League-Finale der Vereinsgeschichte platzt. Weil die Bayern-Frauen zu spät Mut fassen.

Hoch oben über dem Spielfeld schlug sich Jose Barcala in einer Tribünenbox erst die Hände vors Gesicht, raufte sich dann die Haare und schaute bedient. Der Trainer des FC Bayern musste weit weg vom Spielfeld mit ansehen, wie seine Spielerinnen das Halbfinal-Rückspiel beim FC Barcelona mit 2:4 (1:2) verloren. Dabei wäre es kurz vor Schluss fast noch einmal richtig eng geworden. Szenen zum Haare raufen eben. Am Ende blieb ihm nur eines, nachdem er wegen seiner Roten Karte im Hinspiel nicht an der Seitenlinie stehen durfte: seinem Team applaudieren. So wie die Fans es taten. Für einen doch noch großen Kampf.

"Wir fahren erhobenen Hauptes nach München zurück. Wir haben der besten Mannschaft der Welt ein starkes Spiel geboten, in der Champions League viele weitere Sympathiepunkte gesammelt und gezeigt, dass sich der FC Bayern mehr und mehr in der internationalen Spitze etabliert", sagte Bayern-Präsident Herbert Hainer, der mit dem Team nach Katalonien gereist war.

Dabei schien nach 58 Minuten alle Hoffnung vorbei für die Deutschen Meisterinnen, die in dieser Bundesliga-Saison noch kein Spiel verloren haben. 1:4, Barça hatte die Bayern mal eben überrollt. Klargemacht, wer Frau im mit 60.000 Fans voll besetzten Haus namens Camp Nou ist. Das 1:1 aus dem Hinspiel hatte den Münchnerinnen Hoffnung gemacht. Zwar konnte Linda Dallmann das Tor von Salma Paralluelo (13.) nur vier Minuten später ausgleichen (17.), dann aber traf die zweimalige Weltfußballerin Alexia Putellas (22.) und nach der Pause machten Ewa Pajor (55.) und nochmal Putellas (58.) alles klar.

Sechstes Finale in Folge für Barcelona

Die pure Dominanz des Teams, das es nun zum sechsten Mal in Folge ins Finale der Champions League geschafft hat. Doch während die Fans erst ausgelassen jubelten, wurde die Stimmung in der Schlussphase zunehmend nervöser. Denn die vermeintliche Übermacht bröckelte, die Bayern fassten noch einmal Mut und drängten aufs Tor von Spaniens Nationaltorhüterin Cata Coll. Pernille Harder verkürzte zum 2:4 (71.) und brachte damit alles kurz nochmal ins Wanken. Dallmann konnte nur mit Mühe von Mapi Leon gestoppt werden (73.), Klara Bühl kam nicht entscheidend durch (76.), die für die Gelb-Rot gefährdete Georgia Stanway eingewechselte Arianna Caruso traf nur die Latte (79.), wie drei Minuten später auch Dallmann (82.). Dazwischen eine weitere Doppelchance. Und in der 90. Minute war der Ball drin, wieder Harder. 3:4, der Anschlusstreffer.

Oder auch nicht, Schiedsrichterin Stephanie Frappart zerstörte die Hoffnungen der Münchnerinnen. Barça hatte gemeckert, das ganze Stadion - das ganze? Ein kleiner Block aus rot-weißen Bayern-Fans nicht. Sie hatte empört reagiert, sodass Frappart zum VAR-Check hinauslief. Ein Zweikampf im Vorfeld der Torentstehung war Stein des Anstoßes. Die französische Unparteiische machte kurzen Prozess, pfiff das Tor zurück. Sehr zum Ärger der Münchnerinnen. "Für mich unerklärlich, dass das Tor zurückgepfiffen wird. Es ist sehr, sehr viel, über das man sich gerade ärgert, weil man das Gefühl hatte, wir waren dann irgendwie doch dran", klagte Giulia Gwinn im ZDF. Man sei auf jeden Fall "enorm stolz, aber momentan sehr, sehr frustriert".

20 Minuten reichen nicht für Belohnung

20 Minuten lang hatten die Bayern Barça an die Wand gespielt. Belohnen konnten sie sich nicht. Der Klub muss weiter auf den ersten Finaleinzug warten. "Im Moment tut es sehr, sehr weh. Wir können stolz auf uns sein, aber das wird erst mit der Zeit kommen. Es gibt sehr viel, über das wir uns ärgern. Das Gefühl ist, dass wir doch dran waren. Das ist schon frustrierend", so Gwinn: "Aber alles in allem haben wir uns super verkauft."

Allerdings waren es vor allem die letzten 20 Minuten, die dieses Bild bestimmten. Zuvor hatten sich die Bayern ein wenig auch selbst im Weg gestanden. Zu wenig Offensiv-Mut, sichtlich Respekt, womöglich vor der ungewohnten Kulisse des ausverkauften Fußball-Tempels, vor allem aber wohl vor der Erinnerung an die demütigende 1:7-Klatsche in der Ligaphase der Champions League im Oktober. Dazu Abwehrprobleme: Das Fehlen von Franziska Kett auf der linken Außenbahn wurde deutlich, Stine Ballisager konnte die deutsche Nationalspielerin nicht perfekt ersetzen.

Diese hatte sich im Hinspiel einen Griff in die Haare von Paralluelo erlaubt, war dafür mit Rot vom Platz geflogen - wie auch Barcala. Es entfachte nicht nur eine Diskussion um Haare im Fußball, sondern sorgte auch dafür, dass Kett auf der Tribüne neben den verletzten Spielerinnen wie Stürmerin Jovana Damnjanovic und Sechserin Lena Oberdorf Platz nehmen musste. Gwinn auf der anderen Seite war dagegen dabei - bereitete aber Sorgen. Die DFB-Kapitänin kam ein ums andere Mal zu spät, ließ ihren Gegenspielerinnen zu viel Platz, verlor Laufduelle.

Eine einfache Erklärung ist aber auch: Es ist eben der FC Barcelona. Jener Klub, der es Jahr ums Jahr ins Finale schafft. Individuelle Genialität - das Comeback der zweimaligen Weltfußballerin Aitana Bonmati nach Wadenbeinbruch inklusive - gepaart mit Spielwitz und Selbstbewusstsein. Schon weitaus länger professionell organisiert als der FC Bayern. Das Ergebnis fällt so zwar deutlich aus, spiegelt aber nicht so ganz das Spiel wider. "Das Gesicht, das wir heute gezeigt haben, war das richtige", sagte Gwinn.

Es ist das, was die Bayern am 14. Mai im Finale des DFB-Pokals gegen den Erzrivalen VfL Wolfsburg ebenfalls zeigen wollen. Der Traum vom Triple ist geplatzt, das Double aber soll es werden. Um den Titel in der Champions League spielen derweil die zwei Dauergäste im Finale: Barcelona trifft auf die Rekordsiegerinnen von Olympique Lyon. Die Bayern haben angeklopft an der Tür zum Finale, am Ende aber zu vorsichtig um Einlass gebeten.

Quelle: ntv.de

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