Fußball

Champions-League-Sieg ist Ziel Götze findet das Glück in Eindhoven wieder

Mario Götze hat eine lange Leidenszeit hinter sich: Bei den deutschen Topklubs hat er das Glück verloren, nach einem Schritt zurück findet er es offenbar in der zweiten reihe wieder. Dort aber will er nicht lange bleiben.

Nein, die Enttäuschung über die Niederlage war Mario Götze nicht mehr anzusehen, als er nach dem ärgerlichen 1:2 (1:0) seiner PSV Eindhoven gegen den FC Granada ans Mikrofon trat. Der 28-Jährige hatte seinen neuen Klub selbst kurz vor der Pause in Führung geschossen, musste dann aber in der Kabine bleiben und mit ansehen, wie das Spiel noch verloren ging. Es scheint, als sei der Weltmeister von 2014, den mit dem Abpfiff des Finales das Karriereglück verlassen hatte, schon unverzichtbar für den 24-maligen niederländischen Meister. Und das fühlt sich gut an für einen, der erst beim FC Bayern sein Glück nicht fand, danach beim BVB sportlich in der Bedeutungslosigkeit verschwand und schließlich gehen musste.

"Es ist für jeden Spieler das Wichtigste, eine gewisse Wichtigkeit für die Mannschaft zu haben", schwärmte Götze im Gespräch mit RTL/ntv aufgeräumt und optimistisch über das neue Arbeitsverhältnis, das erst nach Ablauf der Transferperiode zustande gekommen war. Natürlich sei er "am Ende enttäuscht, weil wir die drei Punkte nicht geholt haben", schließlich wäre es "sehr wichtig gewesen, gerade zu Hause, das erste Spiel zu gewinnen und drei Punkte mitzunehmen".

Erster Europa-Treffer seit 1499 Tagen

Für ihn selbst aber läuft es jetzt wieder hervorragend, schon in seinem ersten Spiel in der Eredivisie hatte Götze getroffen, nun folgte nach einer starken Vorstellung der nächste Treffer - der erste auf internationalem Parkett nach exakt 1499 Tagen. Zuletzt hatte Götze am 14. September 2016 für den BVB gegen Legia Warschau in der Champions League (6:0) getroffen.

Mit der PSV Eindhoven ist Götze erstmal nur auf der kleineren Bühne für europäische Großklubs unterwegs: Die Europa League, mehr ist im Moment noch nicht drin. PSV Eindhoven 2020, das passte doch eigentlich nicht so recht zusammen mit den Ansprüchen des Weltmeistermachers von 2014. Ja klar, die Champions League wolle er mit seinem neuen Verein schon gewinnen können, hatte Götze verkündet, als er noch vertragslos nach mageren Jahren auf der Suche nach einer Anschlussverwendung für einen nicht ganz billigen, aber dafür auch sportlich nicht mehr gebrauchten Weltmeister war.

Der Wechsel zur PSV Eindhoven in die international kaum konkurrenzfähige holländische Eredivisie kam da doch etwas überraschend. Oder? Das müssten "andere beurteilen. Für mich war es der richtige Schritt." Er habe wieder Spaß am Fußball, das Vertrauen des Trainers - und die Ambitionen des Vereins und seines neuen Chefs Roger Schmidt passten eben auch hervorragend zu den eigenen.

Zum Titel in "vier, fünf, sechs Jahren"?

Nein, in dieser Saison werde man die Champions League offensichtlich nicht gewinnen können - "das heißt aber nicht, dass das nicht in vier, fünf, sechs Jahren passieren kann." Der Kampfgeist von Mario Götze, der lange, lange mal auf der Bank, mal auf der Tribüne saß, oft einfach schlicht im Abseits stand, ist spürbar im neuen Umfeld. "Jeder Fußballer, der europäisch spielt, möchte die Champions League mal gewinnen. Es wäre komisch zu sagen, ich möchte das nicht mehr erreichen. Das wird auch Bestand haben."

Befeuert wird der Optimismus durch Roger Schmidt. Der Trainer der PSV Eindhoven war in der Bundesliga einst für Bayer Leverkusen verantwortlich - und nun der entscheidende Faktor für Götzes Neuanfang in Eindhoven. Schmidt habe bei seiner Entscheidung eine "sehr, sehr große Rolle gespielt", berichtete der 63-fache Nationalspieler, "weil er mir das Vertrauen ausgesprochen hat, weil er mir gesagt hat, was er vorhat."

Beim ambitionierten, selbst ernannten "Big City Club" Hertha BSC hatten sie sich bis zum Schluss gefragt, ob Götze zur aktuellen Situation der Berliner passe. Ob Hertha stark genug sei, "um so einen Spieler aufzufangen", wie Hertha-Coach Bruno Labbadia betonte, ehe er sich selbst etwas ratlos antwortete: "Ich kann es nicht sagen." Es könnte sein, dass sich die Berliner nach drei Niederlagen in Serie inzwischen ärgern.

Dass Götze gegen Granada nach einer starken ersten Halbzeit erstmal ausgebremst wurde, lag nicht an Schmidt. Zwei Wochen habe er ja erst mit der Mannschaft trainiert und schon zwei Spiele gemacht, erklärte Götze. "Ich bin nicht bei 100 Prozent, ich kann nicht immer über 90 Minuten gehen. Es braucht noch Zeit, ein, zwei Wochen, bis ich wieder den kompletten Rhythmus hab." Der Rhythmus, er kann Mario Götze, den Wichtigen, weiter tragen. Für den Moment ist in Eindhoven, wo alles sogar noch besser werden kann, schon vieles gut. Der Wechsel aus der Bedeutungslosigkeit zurück in die erste Reihe fühlt sich ganz offensichtlich gut an. "Ich bin sehr sehr happy, dass es geklappt hat", verabschiedete sich Götze.

Quelle: ntv.de, ter