Fußball

Nach "Sommermärchen"-Blamage Schweizer Anwalt stolpert über Fifa-Treffen

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Michael Lauber machte im Laufe des Sommermärchen-Prozesses eine unglückliche Figur. Dafür muss er sich nun einem Amtsenthebungsverfahren stellen.

(Foto: REUTERS)

Im Prozess um dubiose Zahlungen im Rahmen der Vergabe der Fußball-WM 2006 trifft ein Schweizer Bundesanwalt den Fifa-Präsidenten - ohne die Treffen zu dokumentieren. Auch deshalb gerät der Prozess gegen ehemalige DFB-Größen zur Farce. Jetzt drohen weitere Konsequenzen.

Gegen den wegen dubioser Ermittlungsmethoden im Fifa-Komplex kritisierten Schweizer Chefankläger Michael Lauber wird ein Amtsenthebungsverfahren eingeleitet. Das beschloss die Gerichtskommission des Parlaments nach einer Anhörung von Lauber. Der Bundesanwalt hat sämtliche Vorwürfe, er habe seine Amtspflichten verletzt und Unwahrheiten gesagt, vehement bestritten. Stein des Anstoßes sind drei heimliche Treffen Laubers mit Fifa-Präsident Gianni Infantino 2016 und 2017. Er hat den Inhalt der Gespräche nie dokumentiert.

Auch beim sogenannten Sommermärchenprozess gegen frühere deutsche Fußball-Funktionäre wegen dubioser Zahlungen im Zusammenhang mit der WM 2006 in Deutschland hatte Lauber keine gute Figur gemacht. Seine Behörde verschleppte die Ermittlungen so lange, bis nicht mehr genügend Zeit für einen Prozess war und die Anklagepunkte vor wenigen Wochen verjährten. Die Angeklagten wollten sämtliche Vorwürfe in den Verfahren widerlegen und setzten auf einen Freispruch. Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen Korruption im Fall der Vergabe der Fußball-WM 2018 und 2022 gegen den Weltverband Fifa. Insgesamt laufen mehr als zwei Dutzend Strafverfahren.

Die Geheimtreffen mit Infantino gelten als höchst fragwürdig. Die Aufsichtsbehörde der Bundesanwaltschaft hatte Lauber in einem Disziplinarverfahren deswegen gerügt. Er habe mehrfach die Unwahrheit gesagt und Amtspflichten verletzt. Lauber, ein ehemaliger Panzerhauptmann der Armee, legte dagegen beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein. Nach einer an die Presse gelangten Eingabe warf er der Aufsichtsbehörde unter anderem Böswilligkeit vor.

Quelle: ntv.de