Fußball

Millionen-Abfindung für Misserfolg Hiddink will goldenen Handschlag

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Danke für Nichts! Mit diesen Worten dürften die türkischen Medien Guus Hiddink verabschieden.

(Foto: dpa)

Guus Hiddinks Trainermission in der Türkei ist schon vor dem Playoff-Rückspiel gegen Kroatien grandios gescheitert. Nach der Heimblamage in Istanbul braucht die Türkei ein Wunder, um doch noch zur EM 2012 zu fahren. Hiddink glaubt nicht mehr daran - und verhandelt schon über seine Abfindung. Die soll enorm sein.

Im August 2010 war Guus Hiddink mit einer Vision am Bosporus angetreten. Gut 15 Monate später sind nur noch tiefe Resignation und übler Spott übrig geblieben. Und ein Spruch des deutschen Altkanzlers Helmut Schmidt, der einst feststellte: "Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen." Bereits am Montag, also schon vor dem Playoff-Rückspiel um die Teilnahme an der EM 2012 ab 20.05 Uhr in Kroatien, soll Trainer Hiddink mit dem türkischen Verband über die Höhe seiner Abfindung verhandelt haben, die im zweistelligen Millionenbereich liegen könnte.

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Mit dem 0:3 im eigenen Stadion waren die Türken im Hinspiel noch gut bedient.

(Foto: REUTERS)

Die Mission des Niederländers ist angesichts der 0:3-Pleite im Hinspiel gegen die Kroaten vorzeitig gescheitert, die Demission scheint so sicher wie der türkische EM-K.o. Es sei denn, im Hexenkessel von Zagreb würde doch noch ein Wunder passieren. Aber dass tatsächlich ein "Houdini-Akt" gelingt, glaubt selbst Hiddink nicht mehr. "Es ist fast unmöglich, das noch zu schaffen", meinte der 65-Jährige.

Fraktion der Nörgler wächst

Zudem hat sich im Kreise der Mannschaft längst eine Fraktion "Contra Hiddink" formiert. Auch Nuri Sahin von Real Madrid stellte sich auf die Seite der Nörgler: "So lange Hiddink da ist, gibt es für mich kein zurück in die Nationalmannschaft", sagte der Ex-Dortmunder. Die türkische Zeitung "Star" lästerte: "Die Motivation und Moral der Mannschaft ist am Tiefpunkt angekommen. Hiddink, das Ende." Kroatiens Trainer Slaven Bilic fällte eher unfreiwillig ein vernichtendes Urteil über den Zustand des Hiddink-Teams: "Wir hätten sogar einen noch höheren Sieg verdient gehabt", meinte der frühere Bundesligaprofi Bilic nach der Demütigung der Türken in Istanbul.

Damit sein Gesicht halbwegs gewahrt bleibt, könnte Hiddink mit einem Rücktritt nach seinem mutmaßlichen Abschiedsspiel dem Rauswurf zuvorkommen. Als Nachfolger für den grauhaarigen Routinier wird Abdullah Avci gehandelt. Der 48 Jahre alte Trainer des Erstligisten Istanbul BB hatte die türkische U17-Nationalmannschaft 2005 zum EM-Titel geführt und könnte Medienberichten zufolge bereits am Mittwoch offiziell vorgestellt werden.

Folgt Vogts auf Hiddink?

Auch der Name von Ex-Bundestrainer Berti Vogts soll gefallen sein. "Ich habe noch Vertrag bis zum Ende des Jahres, ich kann das nicht kommentieren", sagte der 64-jährige, der noch Nationalcoach Aserbaidschans ist. Zuletzt hatte Vogts aber schon seinen möglichen Abschied aus der Kaukasus angedeutet und von zwei interessanten Angeboten als Nationaltrainer gesprochen.

Hiddink wird sich bei der Vorstellung des neuen Mannes vielleicht schon gar nicht mehr in seiner Königssuite in einem Luxushotel direkt am Bosporus aufhalten. Zeitungen spekulierten am Montag, dass das "Abenteuer Hiddink" den türkischen Verband alles in allem bis zu 25 Millionen Euro gekostet haben dürfte. Abfindungen für den Weltenbummler und seinen Betreuerstab inklusive.

Große Erfolge sind Vergangenheit

Hiddink hatte erst Mitte letzten Jahres einen Zweijahres-Vertrag (plus Option auf weitere zwei Jahre) abgeschlossen, der ihm per anno knapp vier Millionen Euro Gehalt garantierte. Der türkische Verband sprach von einem "großen Fisch". Die Erfolge sprachen schließlich für sich - und für Hiddink: Unter seiner Regie erreichte Russland bei der EM 2008 das Halbfinale. Zwei Jahre zuvor hatte er Australien bei der WM in Deutschland ins Achtelfinale geführt. In Südkorea ist Hiddink ein Volksheld, seitdem er die Mannschaft bei der Heim-WM 2002 ins Halbfinale gebracht hatte. Das gleiche war ihm als Bondscoach bei der WM 1998 mit den Niederlanden geglückt.

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Auch Hiddink konnte den heißblütigen Türken keine Disziplin beibringen.

(Foto: REUTERS)

In der Türkei wollte er die Nationalspieler zur disziplinierten Profis formen. "Wir brauchen nicht nur einen körperlichen Wandel, sondern auch einen Mentalitätswandel. Wir brauchen eine Vision", hatte er damals gefordert und nicht mit Kritik an der Einstellung der Türken gespart: "Die Spieler sind es gewohnt, nur das Nötigste zu tun. Sie werden zu sehr verhätschelt."

Doch bereits zwei Monate nach seinem Amtsantritt geriet Hiddink erstmals ins Kreuzfeuer der Kritik. Nach dem 0:3 im EM-Qualifikationsspiel in Berlin gegen Deutschland spottete die Sportzeitung "Fotomac": "Hiddink verfolgt die türkische Liga nur per Fernbedienung am Fernseher." Das schmähliche 0:3 gegen Kroatien war nun der Höhepunkt einer Entwicklung, die den türkischen Fußball international auf einen neuen Tiefpunkt geführt hat.

Quelle: n-tv.de, sid

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