Fußball

"Ein Skandal jagt den anderen" Hoeneß watscht Blatters Fifa ab

Überraschend offen und pointiert kritisiert Bayern-Präsident Uli Hoeneß den Fußball-Weltverband Fifa. Er spricht von skandalösen Abläufen, legt Präsident Joseph Blatter den Rücktritt nahe und unterstellt der Fifa offen Bestechlichkeit. Auch der DFB darf sich angesprochen fühlen.

Uli Hoeneß Schal

Bayern-Präsident Uli Hoeneß plagt in Richtung Fifa bekanntermaßen keinerlei Beißhemmung. Seine Anmerkung, Deutschland sei der größte Zahlmeister der Fifa, darf jedoch keinesfalls falsch verstanden werden.

Seinen 59. Geburtstag feiert Bayern-Präsident Uli Hoeneß heute, doch Joseph Blatter wird ihm ganz sicher nicht gratulieren. Denn Hoeneß hat den Fifa-Boss und mit ihm den Fußball-Weltverband frontal angegriffen. Damit führte Hoeneß auch eindrucksvoll Blatters Behauptung ad absurdum, die massiven Vorwürfe gegen die Fifa entsprängen nur dem blinden Eifer missgünstiger Journalisten oder einem Mangel an Fairplay in England. In der "Sport Bild" zeigte sich Hoeneß vielmehr regelrecht schockiert von den Zuständen im Fußball-Weltverband.

"Es ist ein Skandal, wie dort die Dinge ablaufen. Offensichtlich hat heutzutage nur noch eine Bewerbung Erfolg, wenn zusätzlich Zahlungen unter dem Tisch gemacht werden", unterstellte auch der Präsident des FC Bayern der Fifa wegen der Vergabe der Weltmeisterschaften nach Russland und Katar unverhohlen Bestechlichkeit. Präsident Blatter und die anderen Verantwortlichen müssten sich langsam die Frage stellen, "ob das alles so weitergehen kann", findet Hoeneß, der den Fußball-Weltverband nicht zum ersten Mal hart angreift. Die WM-Vergabe an Südafrika etwa hatte Hoeneß im Januar 2010 als größten Fehler der Fifa bezeichnet.

Die katastrophale Außendarstellung der Fifa in der jüngsten Vergangenheit mit Bestechungs-Affären und der umstrittenen Vergabe der WM-Orte 2018 und 2022 haben beim Präsidenten des deutschen Fußball-Rekordmeisters nun erneut großes Unverständnis und Unbehagen ausgelöst. "Ich kann nur sagen, dass die Fifa derzeit kein Fettnäpfchen auslässt. Ein Skandal jagt den anderen", sagte Hoeneß, "da muss ich sagen, so wird das gute Image des Fußballs kaputt gemacht."

Rogge übt subtile Kritik

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IOC-Präsident Jacques Rogge ist Sportfunktionär und äußert sich bei Kritik entsprechend vorsichtig.

(Foto: AP)

Beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) wird die Aufarbeitung der von Korruptions-Affären überschattete WM-Vergabe ebenfalls verfolgt, allerdings offiziell weitaus gelassener als von Hoeneß. In einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" scheute sich IOC-Präsident Jacques Rogge vor allzu kritischen Bemerkungen und stellte lediglich lapidar klar, die ethische Bewertung der Fälle liege bei der Fifa: "Wir sind nicht die Weltregierung der Verbände, wir haben nur moralischen Einfluss."

Einer angedachten Verschärfung des Schweizer Strafrechts, das Sportfunktionäre bislang nicht wegen Korruption belangen kann, werde sich das IOC laut Rogge nicht verweigern. Auf die Frage, ob Rogge eine solche Verschärfung begrüßen wurde, antwortete der IOC-Präsident allerdings: "Ich glaube nicht, dass sie nötig ist." Mit Blick auf die angekündigte Fifa-interne Aufklärung der Korruptionsskandale durch eine neue Taskforce sagte Rogge: "Warten wir ab, was da passiert." Blatter hatte am Montag zudem die Einrichtung einer Anti-Korruptions-Kommission angekündigt, die allerdings erst im Juni ihre Arbeit aufnehmen soll.

Grundlegende Reformen nötig

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Joseph Blatter ist mit dem Vorsatz ins neue Jahr gegangen, eine Anti-Korruptions-Kommission zu gründen - um den Vorwurf der Korruption mit Vorsatz zu entkräften.

(Foto: dpa)

Hoeneß indes fordert als Konsequenz aus dem offensichtlichen Mangel an Transparenz beim Fußball-Weltverband, "dass sich ein Herr Blatter selbst mal in Frage stellt, weil er die Dinge nicht mehr im Griff hat". Diese Meinung vertritt auch eine Mehrheit der Deutschen, die sich kurz vor Weihnachten in einer repräsentativen Umfrage für einen sofortigen Rücktritt Blatters ausgesprochen hat. Diese Meinung vertritt auch der im Herbst zurückgetretene Direktor des niederländischen Fußballverbandes KNVB Henk Kesler, der Tageszeitung "NRC Handelsblad" sagte er am 1. Januar unmissverständlich: "2011 muss er gehen."

Für Hoeneß wäre das Problem damit aber noch nicht gelöst, "denn dann käme nur der nächste Fifa-Vertreter, der keinen Deut besser wäre". Laut Hoeneß müsse bei der Fifa das ganze System überarbeitet werden. Es sei an der Zeit, "dass die starken Verbände aus Deutschland, England, Spanien oder Frankreich da mal kräftig aufräumen".

Katzbuckeln mit Zwanziger

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Bald Kollegen im Fifa-Exekutivkomitee: Blatter und DFB-Präsident Theo Zwanziger.

(Foto: REUTERS)

Von Theo Zwanziger als möglichem Mitglied in der Fifa-Exekutive erwartet Hoeneß, dass der DFB-Präsident dort dominant auftritt und klarstellt, "dass man der größte Zahlmeister ist und auch Forderungen stellen kann. Es darf nicht sein, dass man sich stattdessen von Verbänden wie Trinidad und Tobago vorführen lässt". Aus Trinidad und Tobago stammt Fifa-Vizepräsident Jack Warner, der erwiesenermaßen Schwarzmarkthandel mit WM-Tickets betrieben hat und trotzdem weiter im Amt bleiben darf.

Ein konsequentes Eintreten für mehr Transparenz in der Fifa oder gar kritische Worte Richtung Blatter sind von Zwanziger nicht zu erwarten. Ebenfalls in der "Sport Bild" hatte der DFB-Präsident dem frischgebackenen DFB-Ehrenmitglied Blatter erst im Dezember demonstrativ den Rücken gestärkt und sich für eine Wiederwahl Blatters ausgesprochen. Fifa-Kritikern empfahl er, "die Dinge mit einem gewissen Augenmaß betrachten". Denn während Hoeneß das Image des Fußballs durch die Skandale ramponiert sieht, steht der Fußball in Zwanzigers Augen weltweit glänzend da: "Und das ist vor allem der Verdienst der Fifa." Die nächste Hoeneß-Schelte, so scheint es, ist nur eine Frage der Zeit.

Blatter selbst plant derweil ungeachtet aller Kritik mit Hilfe einer "Task Force 2014" demonstrativ die Zukunft der Fifa, deren Teil er selbstverständlich sein will. Für die WM 2014 in Brasilien könnte sich der Schweizer einige einschneidende Änderungen des Turnier-Regelwerks vorstellen oder die Wiedereinführung des Golden Goals, teilte er auf der Fifa-Homepage mit. Ähnliche Überlegungen hatte Blatter schon im Sommer 2010 angestellt - just zu jenem Zeitpunkt, als die Fifa wegen der schlechten Schiedsrichterleistungen bei der WM massiv in die Kritik geraten war.

Quelle: n-tv.de, cwo/dpa/sid

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