Fußball

Provoziertes Projektende Hoffenheim mobbt Rangnick weg

Hinter dem Rücken von Ralf Rangnick haben die Verantwortlichen von 1899 Hoffenheim den Verkauf von Luiz Gustavo eingeleitet. Der Trainer zieht aus dem Vertrauensbruch die Konsequenzen und wirft hin. Die Vereinsführung muss sich schlechten Stil vorwerfen lassen, erhebt aber ihrerseits durch Mäzen Dietmar Hopp Vorwürfe gegen den Ex-Coach.

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Ralf Rangnicks Rücktritt war alternativlos.

(Foto: dpa)

Als hinter seinem Rücken der Star verkauft wurde, reagierte Ralf Rangnick mit aller Konsequenz. Der Trainer des Bundesligisten 1899 Hoffenheim brach nach dem intern heftig umstrittenen Sofort-Verkauf von Luiz Gustavo an den FC Bayern mit Mäzen Dietmar Hopp und legte sein Amt nieder. Die Differenzen zwischen dem übergangenen Rangnick und der Chefetage waren nicht mehr zu überbrücken. Nachfolger wird der bisherige Assistenztrainer Marco Pezzaiuoli, der einen Vertrag bis zum 30. Juni 2014 erhält.

Am Tag nach seinem Rücktritt erläuterte Rangnick im prall gefüllten Medienraum des Trainingszentrums in Zuzenhausen seine Entscheidung. "In den letzten zwei Wochen hat es einen intensiven Austausch mit Dietmar Hopp über grundlegende Dinge gegeben. Dabei wurde mir klar, dass es in Zukunft nicht mehr so ist, dass der Klub einen Trainer wie mich braucht", sagte Rangnick. Dennoch habe er nun kurzfristig gehandelt: "Es ist wohl einzigartig, dass so ein Spieler ohne das Wissen des Trainers verkauft wird. Ich bin vor zwei Tagen noch fest davon ausgegangen, der Mannschaft weiter vorzustehen."

Rangnick zu groß für Hoffenheim?

Bei der Verabschiedung Rangnicks, der Hoffenheim vor viereinhalb Jahren in der Regionalliga übernommen hatte und ursprünglich bis Juni 2012 unter Vertrag stand, fehlte Hopp. Der Mäzen ließ eine Stellungnahme verbreiten, die Rangnick indirekt Tendenzen zum Größenwahn vorwirft.

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Der Mäzen bin ich: Dietmar Hopp ist ab sofort der Prominenteste beim Kleinklub 1899 Hoffenheim.

(Foto: REUTERS)

"Wir sind ein vergleichsweise kleiner Bundesligaklub mit einem Stadion für 30.000 Zuschauer und mit rund 6000 Mitgliedern. Verständlich, dass Ralf Rangnick, nachdem das Projekt erste Liga schon nach zwei Jahren vollendet war, Herausforderungen in anderen Dimensionen sucht und damit naturgemäß in Hoffenheim an Grenzen stößt", hieß es in Hopps Erklärung: "Das bedeutet nicht, dass wir für die TSG Hoffenheim nicht ambitionierte sportliche Ziele verfolgen. Diese müssen sich aber an unseren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen orientieren."

Für Rangnick, dessen Co-Trainer Peter Zeidler ebenfalls den Verein verlassen wird, spielte diese Begründung keine Rolle mehr. Der Transfer Gustavos, den der Coach erst im Sommer ziehen lassen wollte, war für ihn ein Schlag ins Gesicht. "Der Ablauf Luiz Gustavo war die letzte Bestätigung. Da war alles klar. Die Frage ist, wie der Transfer über die Bühne ging", sagte der Coach: "Daraus habe ich meine Schlüsse gezogen." Zu diesen gehört offenbar auch, dass Hopp die Befriedigung der eigenen Eitelkeit wichtiger ist als die sportliche Weiterentwicklung des Teams. Für den Milliardär schien es die Erfüllung seines Mäzenatentums zu sein, einen Spieler an den großen FC Bayern verkaufen zu dürfen.

Suboptimales Verhandlungsergebnis

Andernfalls erscheint es schwer nachvollziehbar, warum die mit Europa-League-Ambitionen in die Rückrunde gehenden Hoffenheimer den Brasilianer schon im Winter verkauft und sich damit geschwächt haben. Der Vertrag des 23-jährigen  Brasilianers lief noch bis 2014. Eine Ablöse von 15 Millionen Euro für einen der besten Sechser der Liga erscheint auch nicht unbedingt als optimales Verhandlungsergebnis aus Hoffenheimer Sicht. Dass David Alaba noch als Leihgabe zur TSG wechselt, birgt ebenfalls mehr Vorteile für die Bayern. Kurios: Durch den Berater des Neu-Hoffenheimers Alaba hatte der 52-jährige Rangnick überhaupt erst von dem Neujahrs-Transfer erfahren.

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Der Gustavo-Verkauf wurde hinter Rangnicks Rücken abgewickelt.

(Foto: dpa)

Der wegen der Geheimniskrämerei in der Kritik stehende Manager Ernst Tanner gestand immerhin ein, dass man die Einbeziehung des Trainers "hätte anders regeln können". Antworten blieb er schuldig.  Der Manager, dem die Fragen der Journalisten bei der Pressekonferenz wie ein Verhör vorgekommen sein müssen, konnte nicht stichhaltig erklären, warum die Verhandlungen über den Gustavo-Transfer an Rangnick vorbei stattgefunden haben.

Auch Präsident Peter Hofmann beschrieb die Vorkommnisse rund um den Transfer als "unglücklich". Für Rangnick dürften das nur hohle Phrasen sein. Er hatte seinen Standpunkt in Sachen Gustavo vor Weihnachten klar dargelegt und einen Verkauf verweigert. Dass dieser nun trotzdem durchgeführt wurde, lässt nur den Schluss zu, dass die Vereinsführung auf eine weitere Zusammenarbeit mit Rangnick keinen gesteigerten Wert gelegt hat.

Umso beachtlicher ist, wie Rangnick sich trotz des Vertrauensbruchs verabschiedete. Obwohl die Chefetage den Trainer in den vergangenen Wochen zum Narren gehalten hatte, verzichtete der in der Vergangenheit nicht immer pflegeleichte Coach auf einen Blick zurück im Zorn. Ohne Häme und Schuldzuweisungen beschrieb er sachlich, warum er als Folge des Gustavo-Transfers nicht länger in Hoffenheim arbeiten kann. Lange Zeit habe zwischen ihm und dem Club eine "Edelsymbiose" bestanden, sagte Rangnick. Doch in letzter Zeit war im einst beschaulichen Verein der Konflikt zwischen den beiden Protagonisten Hopp und Rangnick immer öfter ausgebrochen und nun eskaliert.

Trennung vor Silvester

In der "Rhein-Neckar-Zeitung" legte Hopp inzwischen seine Sicht auf die Dinge dar und wälzte die Schuld auf Rangnick ab. Am 23. Dezember habe der Trainer dem Mäzen eine Mail geschickt und sich in dieser im Ton vergriffen. "Das war richtig heftig. Extrem heftig. Unter anderem hat der Trainer mit seinem Rücktritt gedroht", sagte Hopp.

Deshalb habe er Rangnick am 30. Dezember mitgeteilt, dass es am besten sei, wenn sich die Wege zwischen Coach und Verein trennen würden. Zusammen mit dem Vorsitzenden und Hauptgesellschafter Peter Hofmann habe er daher noch vor dem Jahreswechsel die Trennung von Rangnick beschlossen. Konsequenz für Hopp: "Deshalb gab es auch keinen Grund mehr, Rangnick vom Gustavo-Transfer zu unterrichten."

Nachdem sich der Verein im Sommer bereits von Manager Jan Schindelmeiser getrennt hatte, geht in Rangnick nun der zweite Hoffenheimer Baumeister von Bord. Dabei bleibt nur der Geldgeber.

Quelle: ntv.de, cwo/sid/dpa

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