"Noch einmal gefährlicher"Joachim Löw warnt vor Fußball-WM in den USA

Die Fußball-WM in diesem Sommer wird von politischen Debatten überlagert. Vor allem seit Gastgeber USA Krieg gegen den Iran führt. Zwei DFB-Legenden haben klare Meinungen zum Turnier.
Mit politischen aufgeladenen Fußball-Turnieren kennt sich Weltmeistertrainer Joachim Löw bestens aus. Die Weltmeisterschaft 2018 in Russland wurde vor allem überschattet von dem Foto der zwei DFB-Spieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, aber auch von der Debatte, ob deutsche Politiker Gastgeber Waldimir Putin die Ehre erweisen sollten, der da ja bereits die Halbinsel Krim annektiert hatte. Vier Jahre später in Katar ging es um die Menschenrechte. Die Nationalmannschaft verlor bei beiden Turnieren jeweils den sportlichen Fokus.
Ex-Bundestrainer Löw blickt nun besorgt auf die Entwicklungen in die USA, einem der drei Gastgeber der WM in diesem Sommer. "Wir hatten schon vor der WM 2018 in Russland Debatten, Boykott-Aufrufe vor der WM 2022 in Katar. Aber in einem Land zu spielen, das sich gerade aktiv im Krieg befindet, ist noch einmal gefährlicher", sagte er am Rande der Veranstaltung "Wie wird man eigentlich Weltmeister?“ während des Literaturfestivals lit.Cologne gegenüber der Kölner Zeitung "Express". Die politische Situation "überlagere das Turnier komplett", befand der ehemalige Bundestrainer.
Das DFB-Team spielt seine Partien in der Vorrunde ausschließlich in den USA, die unter der zweiten Amtszeit von Präsident Donald Trump kriegerische Zeiten erleben. National und international. Der Einsatz der Agenten der umstrittenen ICE-Behörde trieb Städte wie Minneapolis und Los Angeles in den Ausnahmezustand. Zudem ließ Trump den venezoelanischen Präsidenten Nicolas Maduro entführen, griff in den Drogenkrieg in Mexiko ein, provoziert Kanada und Grönland mit Übernahmefantasien und führt nun Krieg gegen den Iran. Wie lange der Kampf gegen das Mullah-Regime dauert, kann niemand abschätzen.
Noch auf der Bühne hatte zuvor Rainer Bonhof seine Bedenken über den WM-Gastgeber geäußert. "Ich weiß gar nicht, ob du überhaupt spielen sollst“, sagte der Präsident von Borussia Mönchengladbach. "Bei den Umständen, die aktuell bestehen, ist für mich nur Kanada ein neutrales Land. Ich will keine WM boykottieren, dafür sind wir zu sehr Fußballer. Aber man muss wirklich über Sicherheitsmaßnahmen nachdenken, über die wir uns bis dato noch keinen Kopf gemacht haben."
Die Boykott-Debatte war zuvor schon angestoßen worden. Beim DFB kam das nicht gut an. Für Rudi Völler ist sie gar "sinnlos". Bei der dpa-Chefredaktionskonferenz in Berlin sagte der Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bunds zu dem Thema: "Es ist sinnlos, das zu diskutieren. Es bringt nichts und du schadest nur den Athleten." Auch angestoßen von St.-Pauli-Clubchef Oke Göttlich hatte es zuletzt einige Stimmen gegeben, ein solches Szenario zumindest zu diskutieren. "Man kann ja ein Thema nicht totschweigen. Der Fußball funktioniert nicht im Reagenzglas der gesellschaftlichen Themen", sagte Göttlich.