In schwerster VereinskriseWolfsburg-Trainer fleht die allerletzten Fans an

Verliert Daniel Bauer noch einmal, ist er seinen Job als Trainer des VfL Wolfsburg wohl los. Vor dem Endspiel gegen den Hamburger SV appelliert der Coach an die Fans. Für einen Großteil der Anhänger in Deutschland ist die Krise des Autobauer-Klubs vom Mittellandkanal eine große Freude.
Daniel Bauer hatte da noch etwas zu sagen. Als die Pressekonferenz vor seinem Schicksalsspiel eigentlich schon vorbei war, setzte der angezählte Trainer des schwer kriselnden VfL Wolfsburg zu einem eindringlichen Appell an die Fans an. "Lasst bitte nicht zu", bat Bauer, "dass wir am Samstag hier zu Hause ein Auswärtsspiel haben." Denn ausgerechnet bei seinem persönlichen Finale droht ein Ansturm aus dem Norden.
Die 7000 bis 10.000 Anhänger des Hamburger SV, die laut Medienberichten zum Abstiegsduell am Samstag (15.30 Uhr/Sky und im Liveticker auf ntv.de) in der oft schwach besuchten Volkswagen Arena für Stimmung sorgen werden, machen die Aufgabe für Bauer im verzweifelten Kampf gegen den Abstieg noch schwerer. Die Ausgangslage ist klar: Eine weitere Pleite - und Bauer ist seinen Job wohl los. Doch der 43-Jährige ist arg darum bemüht, den Fokus von seiner Person wegzulenken.
"Das ist kein Endspiel für Daniel Bauer am Samstag, sondern ein unfassbar wichtiges Sechspunktespiel für unseren Klub. Punkt", sagte Bauer. Nach nur einem Sieg aus zehn Ligaspielen ist der VfL, sehr zur Freude zahlreicher Fußball-Anhänger in Deutschland, in der Tabelle auf Platz 17 abgerutscht.
Retter werden bereits gehandelt
Der Abstieg des immerhin im östlichen Niedersachsen nicht nur unbeliebten Autobauer-Klubs erscheint längst eine realistische Option. Bei einer weiteren Niederlage gegen den HSV könnte der Abstand auf einen Nicht-Abstiegsrang im schlimmsten Fall auf sechs Punkte anwachsen. Folglich greifen in der schwersten Krise seit dem Bundesliga-Aufstieg 1997 die üblichen Mechanismen des Profifußballs.
Unter anderem die "Wolfsburger Allgemeine Zeitung" handelte zuletzt Dieter Hecking (2015 DFB-Pokalsieger mit dem VfL), Friedhelm Funkel und Thomas Reis (einst Jugendtrainer in Wolfsburg) als mögliche Bauer-Nachfolger. Bereits nach dem niederschmetternden 0:4 beim VfB Stuttgart am Sonntag hatte er auf der Kippe gestanden. Letztlich entschied die sportliche Führung um den in der Kritik stehenden Sport-Geschäftsführer Peter Christiansen, mit Bauer weiterzumachen. Vorerst.
Klub nicht "bundesligatauglich"
"Intern hatten wir sehr gute, konstruktive und kritische Gespräche", sagte Bauer. Jene seien gepaart gewesen "mit Respekt und viel Vertrauen". Sollte der Weg für den früheren U19-Coach, der erst im November den glücklosen Paul Simonis beerbt hatte, nach dem HSV-Spiel enden, wäre dies auch für Christiansen eine persönliche Niederlage, die Konsequenzen haben könnte. Der Däne war 2024 gekommen, um den VfL zurück ins europäische Geschäft zu führen. Dies war auch vor der laufenden Saison die offizielle Zielvorgabe für den frisch verpflichteten Simonis.
Nur wenige Monate später kämpft der vom Autoriesen VW alimentierte Verein um den Klassenerhalt. Die jüngsten Auftritte, bei denen die Mannschaft immer wieder defensiv hanebüchen agierte und sich teils wehrlos ihrem Schicksal ergab, erwecken derweil den Eindruck, dass die Probleme beim VfL tiefer liegen. Während VW-Boss Oliver Blume nach dem Stuttgart-Spiel in der Kabine zur Mannschaft sprach, kritisierte Bauer die Kultur im Klub nach dem Stuttgart-Spiel als "nicht bundesligatauglich". Mittelfeldspieler Yannick Gerhardt klagte bei DAZN, der Verein sei "nicht gesund". Und für eine Wunderheilung unter Bauer spricht aktuell nicht allzu viel.