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Königliches ChaosJetzt kann nur noch Mourinho Real retten - oder explodieren lassen

13.05.2026, 14:09 Uhr
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Bei Real Madrid liegen die Nerven so richtig blank. Titellose Saison, Schmach im Clásico, blutiger Trainings-Zoff und Präsident Florentino Pérez packt auch noch die Verschwörungstheorien aus. Jetzt muss es wohl ausgerechnet José Mourinho richten.

Man wusste gar nicht mehr richtig, wer da nun auf der Bühne stand. Noch Florentino Pérez, seines Zeichens mächtiger Präsident von Real Madrid, oder schon eine spanische Version von Donald Trump? Der legendäre Real-Boss hatte kurzfristig zu einer Pressekonferenz geladen. Sie wurde wirklich absurd. Trumpesk absurd.

Der Bauunternehmer kündigte nicht nur Neuwahlen an, sondern holte zum Rundumschlag aus. Zielscheibe waren vor allem die Medien, die seinem Klub angeblich böse mitspielten. Tenor: Alle anderen haben sich gegen uns verschworen. Schon kurz nach dem bitteren 0:2 im Clásico und der damit verbundenen Meisterschaft von Erzrivale FC Barcelona hatte der hauseigene TV-Sender Real Madrid TV gegen Schiedsrichter, den VAR, Bildregie und die Liga im Allgemeinen geledert. Real seien sieben Meisterschaften "gestohlen" worden, sinnierte nun Perez rund um mögliche Beeinflussung von Schiedsrichtern durch den FC Barcelona.

Es liegt auf der Hand: Real Madrid gibt in diesen Tagen gar kein gutes Bild ab. Dass die Königlichen nicht immer die allerbesten Verlierer sind, haben sie hinlänglich nachgewiesen. Aber in diesem Mai köchelt es nochmal wilder als sonst hoch. Denn neben der Perez-PK gibt es auch teamintern viel Stress. Aurelien Tchouameni und Federico Valverde gerieten im Training aneinander. Es gab dann eine zweite Auseinandersetzung, bei der es eskalierte. Fest steht: Valverde musste mit Schädel-Hirn-Trauma ins Krankenhaus, er sei während des Streits "versehentlich mit der Stirn gegen einen Tisch" geprallt, präsentierte er selbst dann lieber als Erklärung.

Umbruch im Sommer

Auch um Torgarant und Superstar Mbappé gab es zuletzt Ärger und viele Medienberichte. Kurz-Urlaub während der Verletzung, Streit mit Teamkollegen und Co-Trainer. Die Fans starteten sogar eine Petition, um ihn loszuwerden. Sportlich ist die titellose Saison ohnehin ein Desaster. Geht gar nicht für die stolzen Madrilenen, ein Sakrileg. Real definiert sich von Natur aus als mit Titeln gesegnet.

Dass es mit Interimstrainer Álvaro Arbeloa nicht weitergeht, ist eigentlich klar. Er hatte Mitte Januar von dem eigentlich ganz gut gestarteten Xabi Alonso übernommen. Richtigen Aufwind erzeugen konnte er seither allerdings nicht. Alle genannten Probleme kulminierten in seiner Ära.

Wen also holen? Es zeichnet sich ein Name ab. Ein alter Bekannter. José Mourinho. Der steht zwar noch bei Benfica in Lissabon unter Vertrag. Ihm soll dort auch ein Angebot über eine Verlängerung vorliegen. Doch dem Vernehmen nach wird er dieses ablehnen.

Deadline für "The Special One"

Die englische BBC und die spanische Sportzeitung "AS" berichten, dass eine Einigung bevorstehe. Verhandlungen stünden vor dem Abschluss. Den Berichten zufolge hat Mourinho eine Klausel, die es ihm erlaubt, Benfica für rund drei Millionen Euro Ablöse bis zu zehn Tage nach dem letzten Saisonspiel zu verlassen. Da das Saisonfinale von Benfica am 16. Mai steigt, hat Real wohl bis zum 26. Mai Zeit, Mourinho loszueisen. Da würde es wohl für Pérez Sinn ergeben, nach der designierten Wiederwahl als Präsident am 24. Mai, Mourinho gleich als neuen Retter zu präsentieren. Als Geschenk für alle Real-Fans.

Nach einer eigenen Analyse sollen sich die Real-Chefs dazu entschieden haben, die nicht ganz ungefährliche Karte Mourinho zu ziehen. Er sei aktuell der einzige Kandidat auf das Amt, berichten die spanischen Medien. Der extrovertierte Trainer kennt sich mit Star-Truppen aus, kann viele Erfolge vorweisen. Die Gefahr, dass die Nummer komplett hochgeht, ist aber nicht von der Hand zu weisen. Understatement und Zurückhaltung sind seine Sache nicht.

Aber Real kennt er bestens. Schon von 2010 bis 2013 arbeitete er im Bernabeu. Bis auf die Champions League gewann er auch eifrig Titel. Das Ziel Königsklasse wird also ganz weit oben bei ihm stehen als eine Art offene Rechnung. In seiner Amtszeit impfte er dem Team Siegeswillen und Mentalität ein, die teilweise maximale Konfrontation mit Gegnern, Schiedsrichtern und dem FC Barcelona war aber nicht immer heilsam. Die Aussicht auf ein Clásico mit den konträren Charakteren Mourinho und Hansi Flick dürfte spannend bis lustig werden.

Wird Mourinho der neue Ancelotti?

Der Portugiese will sich erst am kommenden Montag, also nach dem letzten Spiel von Benfica, zu seiner Zukunft äußern. Laut "AS" hat er schon einen klaren Plan, wie er das kriselnde Real wieder auf links drehen will. Zum einen soll er bei der sportlichen Ausrichtung und den Transfers die Stoßrichtung vorgeben. Der zweite Punkt ist wahrscheinlich noch wichtiger: Mourinho soll angegeben haben, eine klare Hierarchie im Team und in der sportlichen Führung zu garantieren. Konflikte wie zwischen Vinicius Junior und Xabi Alonso zu Beginn der Saison soll es so nicht mehr geben.

Dass es bei Real Madrid manchmal einfach eine respektierte "Vaterfigur" als Dompteur im Zirkus braucht, zeigte in den vergangenen Jahren Carlo Ancelotti. Der Italiener hatte die Allüren-Elf mit seiner ruhigen Art meistens im Griff, genießt bis heute einen hervorragenden Ruf. Er holte in seinen zwei Amtszeiten 15 Titel, so viel gewann kein anderer mit den Königlichen. Gleich dreimal holte er den Henkelpott. Davon können sie aktuell nur träumen.

Quelle: ntv.de, msc

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