Fußball

Vom Schwimmbad "ganz nach oben" Klose trifft, der Betze juchzt

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"Ich habe das mit dem Gerd besprochen, er wäre nicht böse, wenn ich seinen Rekord breche": Miroslav Klose.

(Foto: REUTERS)

In der Pfälzer Provinz bei der SG Blaubach-Diedelkopf hat Miroslav Klose das Fußballspielen gelernt. Inzwischen hat der Nationalstürmer sein Spiel so weit perfektioniert, dass er bald Gerd Müller als Rekordtorschütze ablösen dürfte. Das Länderspiel in Kaiserslautern wird für ihn zur triumphalen Rückkehr.

Wer wissen will, warum Miroslav Klose froh ist, dass er seine Tore nicht mehr am Schwimmbad schießen muss, der fährt in die westpfälzische Provinz nach Kusel, die "Kreisstadt mit Charme und Charakter". Im Stadtteil Diedelkopf, gegenüber vom Klinikum, liegt neben dem Schwimmbad das Aalbachstadion, das sich beim Ortstermin als schlichte Sportanlage mit zwei Fußballplätzen und schmuckem Vereinsheim samt Terrasse entpuppt. Hier hat Miroslav Klose von 1987 bis 1998 gespielt. Hier spielt die SG Blaubach-Diedelkopf im Jahr 2011 in der Verbandsliga Südwest gegen den Abstieg, es wird eng in diesem Jahr.

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(Foto: n-tv.de)

Doch der Samstag war ein guter Tag. Erst gewinnt die Spielgemeinschaft mit 3:1 gegen die SG Rieschweiler – und dann macht "der Miro", wie sie ihn hier tatsächlich nennen, wenn sie von ihm sprechen, auch noch zwei Tore. Nicht am Schwimmbad, sondern exakt 41,9 Kilometer weiter westlich im Fritz-Walter-Stadion in Kaiserslautern. Dort, wo Miroslav Klose vor elf Jahren für den 1. FC Kaiserslautern in der Bundesliga debütierte, besiegte gut zwei Stunden nach dem Abpfiff in Kusel die deutsche Nationalelf vor 47.849 Zuschauern die Mannschaft Kasachstans mit 4:0 (3:0). Und feierte nach sehr guter erster und langweiliger zweiter Halbzeit in der Qualifikation zur Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine den fünften Sieg im fünften Spiel.

"Nicht böse, wenn ich seinen Rekord breche"

Miroslav Klose, 32 Jahre alt, in Polen geborener Pfälzer, schoss das erste und das letzte Tor seiner Jubiläumspartie, zwischendurch traf sein Münchner Vereinskollege Thomas Müller zum 2:0 und 3:0. Es waren nach genau zehn Jahren im Trikot der Nationalmannschaft Miroslav Kloses Treffer Nummer 60 und 61 im 107. Länderspiel. Und er ist guter Dinge, dass er in absehbarer Zeit Gerd Müller überholt, der in 63 Partien 68 Treffer erzielte und damit eine Bestmarke aufstellte, die für die Ewigkeit gemacht schien. "Ich habe das mit dem Gerd besprochen, er wäre nicht böse, wenn ich seinen Rekord breche." Er sagt das mit dem Selbstbewusstsein eines Mannes, der es geschafft hat. "Ganz nach oben", wie er der "Süddeutschen Zeitung" erzählte. "Ich bin stolz auf das, was ich erreicht habe."

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Die Torbestmarke im DFB-Team hält bislang Gerd Müller mit 68 Treffern.

(Foto: dpa)

Dass er dabei, so klischeehaft das klingt, auch bescheiden geblieben ist, zeigte sich nach dem Spiel auf dem Betzenberg: "Natürlich ist es ein Riesenanreiz für mich, diesen Rekord zu knacken. Aber, und das habe ich dem Gerd auch schon persönlich gesagt, wäre ich niemals so vermessen, mich mit ihm auf eine Stufe zu stellen." Er sagt das mit der Gelassenheit eines Mittelstürmers, der weiß, dass er sich auf sich und seine Fähigkeiten verlassen kann. Zumindest in der Nationalmannschaft. Beim FC Bayern darf er nur selten zeigen, was er kann. Zwar durfte er bei 13 von 27 Ligaspielen mitmachen, meist aber nur als Einwechselspieler in den letzten zwanzig Minuten. Ein Tor hat er in dieser Saison erzielt, dazu eins in der Champions League. Also exakt so viele wie gegen Kasachstan.

Nur von Basler nichts gelernt

Auch gegen diesen unterklassigen Gegner zeigte er, was ihn auszeichnet. Warum er den weiten Weg vom Aalbachstadion bis in die Nationalmannschaft geschafft hat. Und wie es kommt, dass er immer noch dabei ist. Als er am 24. März 2001 in Leverkusen sein erstes Länderspiel in der WM-Qualifikation bestritt, war das eine Zeit, in der es für einen Stürmer reichte, wenn er regelmäßig seine Tore schoss. Was Miroslav Klose dann auch nach seiner Einwechslung nach 74 Minuten prompt tat und so den 2:1-Sieg rettete. Zehn Jahre später muss ein Stürmer, zumal im jugendbewegten Nationalteam von Bundestrainer Joachim Löw, weit mehr können als das. Er sollte spielerisch und technisch begabt sein, auf die Flügel ausweichen, sich gegebenenfalls zurückfallen lassen und sich den Ball zu holen, Laufwege der Kollegen studieren und erahnen, Druck auf die gegnerische Abwehr machen und bereits vorne mit der Verteidigung anfangen.

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Zweiter Streich in Kaiserslautern: Miroslav Klose hat nun 61 Länderspieltore erzielt.

(Foto: AP)

Kurz: Er sollte so spielen wie Miroslav Klose. Er ist scheinbar mühelos und selbstverständlich im modernen Fußball angekommen. Zumindest klingt das so, wenn er davon erzählt, wie er, der einst den damaligen Kapitän noch mit "Herr Bierhoff" anredete und nicht etwa mit Olli, seinen Weg gemacht hat. "Ich habe immer nur von anderen Spielern gelernt", sagte er der "SZ" über seine Anfänge in Kaiserlautern. Dort hat er auch gesehen, welcher Weg der falsche ist. "Georg Koch und Mario Basler – wenn man die zwei nimmt, dann hat man schon viel darüber gelernt, wie man es vielleicht besser nicht machen sollte im Profifußball."

Das maulige Publikum juchzt nur, wenn er am Ball ist

Das ist auch der Grund, dass Joachim Löw ihn immer wieder aufstellt. Und am Samstag Miroslav Kloses momentan ungleich erfolgreicheren Vereinskollegen Mario Gomez 65 Minuten auf der Bank ließ. Der setzte dann auch kurz vor dem Ende der Begegnung schön freistehend einen Kopfball schön neben das Tor. Das traf dann Minuten später – Miroslav Klose, auch wenn das nicht die schwierigste Übung seiner Karriere war. Die soll ihn noch bis zur EM im kommenden Jahr führen. Dass er München verlässt, wo sein Vertrag im Sommer ausläuft, scheint ausgemachte Sache zu sein. Dass er sich keine Sorgen um einen neuen, hochkarätigen Arbeitgeber machen muss ebenso. Das wird, trotz aller Heimatverbundenheit nicht der 1. FC Kaiserlautern sein. Schließlich will er auf höchstem Niveau spielen. Fit genug jedenfalls ist er. "Ich habe bei Bayern praktisch eineinhalb Jahre ausgesetzt. Also kann ich die hinten dranhängen", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Erst einmal hat Miroslav Klose aber den Abend auf dem Betzenberg genossen. Nach der Partie drehte er als einer der wenigen und vor allem freiwillig die komplette Verabschiedungsrunde vor den Fans, die Jungstars Toni Kroos und Holger Badstuber zum Beispiel musste Bundestrainer Joachim Löw erst daran hindern, grußlos in die Kabine zu verschwinden. Das ansonsten leicht maulige Nationalmannschaftspublikum juchzte nur dann, wenn Klose am Ball war und feierte ihn dafür, dass er ihn zweimal ins Tor schoss. Dafür, dass er da ist, wenn er gebraucht wird. Der Samstag war ein guter Tag. Für die SG Blaubach-Diedelkopf. Und für den berühmtesten Spieler, der je am Schwimmbad seine Tore geschossen hat.

Quelle: ntv.de