Fußball

Bremer Pokal-Drama in Dortmund Kohfeldts Cleverness knockt den BVB aus

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Florian Kohfeldt bleibt 120 Minuten lang cool, nach dem Elfmeterschießen gibt es auch bei ihm kein Halten mehr.

imago/Nordphoto

Ein dramatischer Schlagabtausch im DFB-Pokal zwischen dem BVB und Bremen gipfelt im Elfmeterschießen. Werder verdankt den Erfolg vor allem seinem Trainer. Florian Kohfeldt behält bei aller Emotionalität die Übersicht und wechselt die Akteure ein, die sein Team im Spiel halten.

Nach dem letzten Elfmeter gab es kein Halten mehr. Max Kruse hatte den Ball mit seinem starken linken Fuß unten rechts im Tor versenkt und rannte losgelöst zu der Tribüne, wo die Fußballfans von Werder Bremen nach dem Achtelfinalsieg bei Borussia Dortmund kollektiv ausrasteten. Der Stürmer brüllte seinen Triumph heraus und kletterte auf den Zaun, um die Freude mit jedem zu teilen, dessen er habhaft werden konnte. Kurz dahinter folgten seine Mitspieler und Trainer Florian Kohfeldt, der ebenfalls außer Rand und Band war.

Auf der anderen Seite litten die Verlierer, allen voran Paco Alcácer. Der Torjäger brach in Tränen aus und wurde abwechselnd von den Kollegen Axel Witsel, Ömer Toprak und Marco Reus in den Arm genommen. Doch der Spanier war untröstlich, weil er beim ersten Versuch des Elfmeterschießens am überragenden Bremer Torhüter Jiri Pavlenka gescheitert war und damit das DFB-Pokal-Aus des BVB eingeleitet hatte.

Für den souveränen Tabellenführer der Bundesliga, dem in dieser Saison bislang vieles so wunderbar leicht und selbstverständlich von der Hand gegangen war, wurde dieser Dienstagabend zum schmerzhaften Rückschlag. Weil er erfahren musste, dass einem der Fußballgott, das Schicksal oder wer auch immer nicht immer günstig gesonnen ist. Zwei Mal führte die Borussia in der mitreißenden Verlängerung, zwei Mal schaffte sie es nicht, den Vorsprung zu halten.

Grippewelle beutelt BVB

Am Ende des Elfmeterschießens stand eine 5:7-Niederlage, nachdem es nach 90 Minuten (1:1) und 120 Minuten (3:3) keinen Sieger gegeben hatte. "Wir sind nicht mehr dabei", konstatierte Trainer Lucien Favre und wirkte reichlich mitgenommen: "Das ist so, das gehört dazu." Der Schweizer war gesundheitlich angeschlagen, wie viele im Dortmunder Kader, den in den Tagen vor dem Pokal-Achtelfinale eine Grippewelle ereilt hatte. Eigentlich hatte Favre einigen seiner wichtigsten Spieler zu Beginn der englischen Wochen eine schöpferische Pause gönnen wollen, doch nun musste er die aufstellen, die sich nicht mit Fieber abgemeldet hatten. Und das vor der forderndsten Phase dieser Spielzeit.

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Zehn Spiele in 43 Tagen, da ist die Belastung riesig und "Rotation obligatorisch", wie Favre betont: "Sonst ist das physisch zu viel - und auch für den Kopf." Gegen Werder war die Rotation allerdings nicht nur aus Gründen der Belastungssteuerung angesagt, sie wurde durch andere Dinge vorgegeben. Mit den beiden Torhütern Roman Bürki und Marwin Hitz sowie Marcel Schmelzer und Jadon Sancho hatten sich gleich vier Profis mit einem Infekt abgemeldet, zudem musste Lukasz Piszczek mit einer Fußblessur passen.

Die Dortmunder mussten ihre Formation also kräftig durchmischen, wobei vor allem der dritte Torhüter Eric Oelschlägel in den Fokus rückte. Der 23-Jährige aus Hoyerswerda war erst im Sommer aus Bremen ins Ruhrgebiet gewechselt, nun wurde er neben Paco Alcácer und Maximilian Philipp, denen vom Punkt die Nerven versagten, zum tragischen Helden. Oelschlägel hielt die Borussia nach einem abgefälschten Freistoß von Kruse mit einem fantastischen Reflex im Spiel, um kurz vor dem Ende der Verlängerung einen eher harmlosen Kopfball von Martin Harnik passieren lassen, den auch ein durchschnittlicher Regionalliga-Torhüter eigentlich parieren sollte.

"Ein großes Kompliment an die Mannschaft"

Kohfeldt, der mit dem Keeper in Bremen zusammengearbeitet hatte, fand die richtigen Worte. Er hoffe, "dass Eric auf Dauer für sich einordnen kann, was das heute für ein Riesen-Erlebnis für ihn war". Viel mehr als über einen Torhüter, der wahrscheinlich nie wieder vor 80.000 Zuschauern Bälle halten wird, wollte Kohfeldt allerdings über seine Spieler reden: "Ein großes Kompliment an die Mannschaft, die in einem dramatischen Spiel mit vielen Wendungen immer wieder Rückschläge weggesteckt hat." Sein Team habe an diesem Abend "Leidenschaft und Cleverness kombiniert".

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Kollektiver Jubel: Werder siegt beim BVB. "Was Cooleres, als hier zu gewinnen, gibt es nicht", meint auch Ex-Borusse Nuri Sahin.

(Foto: imago/Nordphoto)

Das Lob für die kickende Belegschaft hätte genauso für einen Trainer gelten können, dem viele Beobachter eine glänzende Zukunft voraussagen. Der 36-jährige Siegener führt seine Mannschaft mit einer bemerkenswerten Mischung aus Leidenschaft, Empathie und nüchterner Strategie. So schaffte es Kohfeldt in Dortmund, seine Spieler immer wieder lautstark nach vorne zu peitschen und darüber nicht zu vergessen, kluge Personalentscheidungen zu treffen, indem er mit dem ewig jungen Claudio Pizarro und Martin Harnik zwei Spieler einwechselte, die Werder mit ihren Toren im Spiel hielten.

Auch deshalb triumphierten die Gäste von der Weser an einem jener mitreißenden Nächte unter Flutlicht, für die der Pokalwettbewerb vor vielen Generationen erfunden wurde. "Diese Emotionen sind einfach Wahnsinn", sagte Matchwinner Kruse mit Glanz in den Augen. Sein Mitspieler Nuri Sahin, der es wissen muss, weil er mehr als 15 Jahre seines Fußballerlebens beim BVB verbrachte, sprach allen Bremern aus dem Herzen: "Was Cooleres, als hier zu gewinnen, gibt es nicht."

Quelle: n-tv.de

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