Fußball

Kölner Fans zeigen Humor Lasogga sticht Podolski aus

Hertha BSC stoppt den Höhenflug der Kölner Spaßgesellschaft in der Fußball-Bundesliga. Berlins Pierre-Michel Lasogga übernimmt von Lukas Podolski die Hauptrolle - und will seine Tore am liebsten selbst ansagen.

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"Leider hat es nicht geklappt, die Zeit war zu kurz": Pierre-Michel Lasogga.

(Foto: dpa)

Pierre-Michel Lasogga kann in den nächsten Tagen mit breiter Brust ins Adler-Trikot schlüpfen. Mit seinem ersten Doppelpack in der Fußball-Bundesliga hat der Angreifer seine Erstliga-Tauglichkeit nachgewiesen und sich für die deutsche U21 warmgeschossen. "Er weiß, wo das Tor steht", lobte Hertha-Coach Markus Babbel den 19-Jährigen, der mit der Nachwuchs-Auswahl am Donnerstag in Ingolstadt gegen Bosnien und Herzegowina sowie vier Tage später in San Marino um die EM-Qualifikation kämpft. Mit 3:0 fertigten die Berliner am 8. Spieltag den 1. FC Köln ab und beendeten den kurzen Höhenflug von Podolski und Co. so überraschend, wie er begonnen hatte.

"Wir waren unglaublich effizient", wunderte sich Babbel fast, denn genau das hatte dem Aufsteiger in den ersten Partien der Saison noch gefehlt. Gegen Köln zeigte Lasogga am Samstag, dass seine 13 Treffer in der vergangenen Aufstiegssaison eine Liga tiefer kein Zufall waren. "Er kommt immer besser zurecht in der Bundesliga", attestierte sein Trainer dem Stürmer aus Gladbeck, der über Wattenscheid, Wolfsburg und Leverkusen 2010 zur Hertha gekommen war.

Ein bisschen war Babbel sogar zu seinem Glück gedrängt worden, denn nach den Gelb-Rot-Sperren für Christian Lell und Adrian Ramos musste der Trainer umstellen. Die Bilanz der neu in die Startelf gerückten Profis ist sensationell: Lasogga traf doppelt (14./26. Minute), Christoph Janker bereitete Raffaels 3:0-Zaubertor (34.) vor. Und Änis Ben-Hatira, erstmals von Beginn an dabei, spielte nicht nur bei seinen zwei perfekten Torvorlagen die Kölner schwindlig.

Mikrofon schon kurz in Lasoggas Hand

Von der Dynamik von Linksaußen Ben-Hatira, als Last-Minute-Einkauf vom Hamburger SV gekommen, profitierte vor allem Lasogga als klassischer Mittelstürmer. "Ich kann ihm nur dankbar sein, dass er mir zweimal die Bälle so exzellent reingelegt hat", sagte Lasogga. Ein bisschen erinnert seine Rolle bei Hertha an das Spiel von Mario Gomez beim nächsten Hertha-Gegner FC Bayern. Die Flügelspieler Ribery, Robben oder Müller bereiten vor - Gomez vollstreckt. In Berlin ist Lasogga der neue Goalgetter, wenn das System passt.

Am liebsten hätte Lasogga seine Bundesliga-Tore Nummer zwei und drei über die Lautsprecheranlage des Olympiastadions selbst angesagt. Das hatte ihm eigentlich der Stadionsprecher zugesichert; das Mikrofon war schon kurz in Lasoggas Hand. "Leider hat es nicht geklappt, die Zeit war zu kurz", berichtete der Torschütze. Ab und an müsse er seinen jungen Stürmer schon "mit dem Lasso einfangen", hatte Babbel über Lasogga erzählt. Dessen Fußball-Verrücktheit liegt als Stiefsohn des einstigen Werder-Torwarts Oliver Reck in der Familie.

Kölner Fans bewahren Humor: Podolskiallee

Köln wusste auf den blitzschnellen Ben-Hatira und den Kämpfer Lasogga (gewann 63 Prozent seiner Zweikämpfe) keine Antwort. Das Ergebnis war Herthas höchster Erstliga-Heimsieg seit fast drei Jahren, als der Karlsruher SC im Dezember 2008 mit 4:0 geschlagen wurde. Mit 12 Punkten zog Hertha in der Tabelle an Köln (10) vorbei. "Wir haben aus dem Nix drei blöde Tore bekommen", ärgerte sich "Prinz" Lukas Podolski, der nach dem jüngsten Höhenflug des FC schon auf dem besten Weg zum König war.

Die Kölner Fans verloren dennoch nicht ihren Humor und überklebten das Schild an der Berliner U-Bahnstation Podbielskiallee kurzerhand mit der Aufschrift Podolskiallee. In einem "McKenna-Schreiben" bekannten sich die Spaßvögel zu ihrer Tat.

Quelle: ntv.de, Jens Mende, dpa