Fußball

Einst Nationalspieler, jetzt arbeitslos Letzte Hoffnung Felix Magath

David Odonkor, Andreas Hinkel, Gerald Asamoah und Timo Hildebrand sind deutsche Nationalspieler. Und jetzt arbeitslos, obwohl sie noch nicht zu alt sind für den Profifußball. Doch sie finden keinen Verein. Im Gegensatz zu Thomas Hitzlsperger. Der spielt jetzt in Wolfsburg.

Odonkor.jpg

Absolvierte 16 Länderspiele für Deutschland: David Odonkor, jetzt arbeitslos.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Zum Glück gibt es Felix Magath. Thomas Hitzlsperger zum Beispiel weiß das zu schätzen. Der ist 29 Jahre alt, von Beruf Fußballspieler und war vor zwei Wochen noch ohne neuen Arbeitgeber. Mit West Ham United war er gerade aus der englischen Premier League abgestiegen. Sein Vertrag lief aus, er bekam keinen neuen - und war arbeitslos. Dabei ist Thomas Hitzlsperger nicht irgendwer. 52 Mal spielte er für die deutsche Nationalmannschaft, mit dem VfB Stuttgart wurde er 2007 deutscher Meister. Aber nun schien es so, als wolle sich kein Verein die Dienste des Mittelfeldspielers mit dem harten Schuss sichern.

Bis Felix Magath ihn holte und ihm gleich einen Dreijahresvertrag gab. Nun ist der Trainer und Manager des Bundesligisten VfL Wolfsburg dafür bekannt, dass er gerne das macht, was er will. Und nicht das, was alle anderen machen. Während also die Branche immer mehr und immer öfter auf sehr junge Profis setzt, ist Wolfsburgs Trainer einer, der die Vorteile einer gewissen Erfahrung bei einem Spieler durchaus zu schätzen weiß. Ob seine Rechnung aufgeht, wird die Saison zeigen. Im Moment sieht es nicht danach aus. Thomas Hitzlsperger jedenfalls hat einen neuen Job.

Letzte Ausfahrt Duisburg

Das Problem ist, dass es in Deutschland zurzeit etwa 100 arbeitslose Berufsfußballer gibt. Darunter auch gestandene Ex-Nationalspieler wie David Odonkor, der bei der Weltmeisterschaft 2006 im letzten Gruppenspiel gegen Polen das Tor von Oliver Neuville vorbereitete und so kräftig mithalf, dass das DFB-Team ins Achtelfinale kam, Andreas Hinkel, Gerald Asamoah und Torwart Timo Hildebrand, der übrigens wie Hitzlsperger zur Stuttgarter Meistermannschaft gehört. Unglückliche Klubwechsel, Differenzen mit Trainern oder Verletzungen haben ihre Karrieren ins Stocken gebracht. Aber die kann Felix Magath beim besten Willen nicht auch noch alle verpflichten.

Hitzlsperger.jpg

Wieder in Lohn und Brot: Thomas Hitzlsperger, muss nun allerdings ein froschgrünes Trikot tragen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Also hoffen sie weiter. Die Transferperiode, also die Zeit, in der die Vereine Spieler von anderen Klubs abwerben dürfen, endet am morgigen Mittwoch. Das könnte auch ein Vorteil für die 26 weniger prominenten Fußballer sein, die sich im Trainingscamp der Vereinigung für Vertragsfußballer (VdV) in der Sportschule Wedau fit halten, um doch noch den Sprung zurück in die Erwerbstätigkeit zu schaffen. Letzte Ausfahrt Duisburg sozusagen. Denn vertragslose Fußballer dürfen jederzeit verpflichtet werden.

Immerhin: 2010 wurden knapp 85 Prozent der Spieler vermittelt. "Meist aber eine Liga tiefer", schränkt Ulf Baranowsky ein, einer der Geschäftsführer des VdV. Doch der Trend spricht gegen sie. Nur knapp zehn Prozent der Profis, die die Klubs im Sommer verpflichteten, waren 28 Jahre oder älter. "Heute ist die Konkurrenz größer, weil auch die 19-Jährigen schon sehr weit sind", sagt Baranowsky. Außerdem spielten Jungprofis unter Umständen "auch mal für einen Euro weniger". Und die Vereine sparen am Personal. "Statt mit 25 bis 30 Spielern im Kader starten diesmal viele Klubs mit knapp über 20 in die Saison."

Stars kassieren ab, das Fußvolk hat weniger

Weil die Gehälter der absoluten Topstars steigen, bleibt fürs Fußvolk weniger übrig. Und ausgesorgt haben die wenigsten, schätzt zumindest Lars Kindgen, ebenfalls Geschäftsführer der VdV: "Vielleicht zehn Prozent der Profis können nach ihrer Karriere allein von dem leben, was sie sich zusammengespielt haben", sagte er der "Süddeutschen Zweitung". Ein durchschnittlicher Bundesligakicker verdient nach Angaben der VdV monatlich im Schnitt 20.000 bis 25.000 Euro Grundgehalt. Ein Zweitligaspieler liege im Mittel bei 7000 bis 15.000 Euro, sagte . Genug, um sich damit einen soliden Grundstock zu schaffen, könnte man meinen. Aber nicht jeder 20-Jährige kann damit umgehen, wenn er plötzlich so viel Geld zur Verfügung hat. Und nicht zuletzt ist die Zeit als Profi begrenzt.

Thomas Hitzlsperger aber hat einen neuen Job, weil er immer noch einen guten Namen hat. Weil er wahrscheinlich immer noch ein Guter ist. Und weil Felix Magath sich an ihn erinnert hat. Das ist übrigens der Mann, der als Trainer des FC Schalke 04 in der vergangenen Saison dem 18 Jahre alten Julian Draxler riet, die Schule zu schmeißen, aufs Abitur zu verzichten und ganz auf die Karte Profifußball zu setzen.

Quelle: n-tv.de, mit dpa und sid

Mehr zum Thema