Fußball

"Das war der Sieg eines Meisters" Lob für Barça, Spott für Real

2qcy1714.jpg7629101277980892513.jpg

In Barcelona feierten die Fans den Sieg im "Clasico" wie die Meisterschaft.

(Foto: dpa)

Lionel Messi bekreuzigte sich und streckte die Fäuste gen Himmel. Cristiano Ronaldo schlich kopfschüttelnd vom Platz, die Miene versteinert. Im 160. Fußball-Klassiker gegen den Erzrivalen FC Barcelona ist Real Madrid trotz Heimvorteils chancenlos. Nach dem Spiel geht die Demütigung in den Medien weiter.

2010-04-10T204507Z_01_BAR07_RTRMDNP_3_SOCCER-SPAIN.JPG1961968797380393859.jpg

1:0 für Messi - durch Messi.

(Foto: REUTERS)

Schmerzhafter hätte das Ergebnis für die "Königlichen" von Real Madrid kaum sein können: Titelverteidiger FC Barcelona siegte im Bernabeu-Stadion nicht nur mit 2:0 und eroberte mit dem vierten Sieg im "Clásico" nacheinander die Tabellenspitze zurück. Auch das "Duell der Titanen" zwischen den beiden Superstars Messi und Ronaldo konnte der aus Barças Jugend stammende Weltfußballer klar für sich entscheiden.

"Das war der Sieg eines Meisters", titelte die katalanische Zeitung "Sport", selbst das Madrider Sportblatt "Marca" meinte: "Der FC Barcelona hat den Titel schon fast in der Tasche." In Barcelona feierten tausende Fans auf den Straßen, als wäre es schon soweit. Reals Trainer Manuel Pellegrini musste einräumen: "Barça ist uns derzeit einfach überlegen." Er sieht zwar noch eine Chance, den Titel in der Primera División zu holen, schließlich stehen noch sieben Spieltage bevor. Dennoch sind die Tage des Chilenen beim Rekordmeister nach der neuen Schmach gezählt. "Er ist bereits mit beiden Füßen draußen", schrieb "Marca".

Erster Fehler prompt bestraft

Dabei hatte es für die Madrilenen anfangs gar nicht so schlecht ausgesehen. In der ersten halben Stunde schalteten sie Barças Mittelfeldregisseur Xavi sowie Messi aus und brachten die Partie unter ihre Kontrolle. Eigene Torchancen spielten sie aber nicht heraus. Auf der Gegenseite konnte Xavi dagegen eine kleine Unachtsamkeit seiner Bewacher nutzen, um Messi mit einem Zauberpass in Szene zu setzen. Der Argentinier nutzte die Gelegenheit prompt zum 1:0 (32.). Für den Weltfußballer, der erst am Dienstag beim 4:1 in der Champions League gegen den FC Arsenal alle vier Treffer erzielt hatte, war es das 27. Liga-Tor der Saison und insgesamt sein 40. Pflichtspieltreffer.

Nach erneuter Vorarbeit von Xavi traf Pedro (57.) vor 80.000 Zuschauern im ausverkauften Madrider Bernabéu-Stadion zum 2:0. Zwar hatte der ehemalige HSV-Kapitän Rafael van der Vaart kurz darauf den 1:2-Anschlusstreffer auf dem Fuß. Der für den verletzten Kaká spielende Niederländer scheiterte frei stehend jedoch kläglich an Barça-Keeper Víctor Valdés. Die Partie war entschieden.

"Messi war viel zu gut für CR9"

2qcy1838.jpg8409948794239714574.jpg

Cristiano Ronaldo gelang - wie immer gegen Barcelona - nicht viel.

(Foto: dpa)

Auch Superstar Ronaldo blieb blass und musste sich im Duell gegen Messi geschlagen geben. Freude am Spiel vermisste man beim 94-Millionen-Einkauf völlig. Der Real-Star konnte seinem Team wie schon zuletzt in wichtigen Begegnungen keinen Impuls geben und zog im Privat-Duell gegen den Wirbelwind aus Barcelona eindeutig den Kürzeren. Pfiffe von den eigenen Fans waren der Lohn. "Messi war viel zu gut für CR9", schrieb das Sportblatt "Marca".

Zumindest zeigte sich Ronaldo selbstkritisch. "Der FC Barcelona war haushoch überlegen", gab der Stürmer zu. Den Titel hat der portugiesische Nationalstürmer aber noch nicht abgehakt: "Wir müssen uns jetzt zusammenraufen, es bleiben noch sieben Spiele zum Aufholen." Angesichts von drei Zählern Rückstand auf Barça und des verlorenen direkten Vergleichs, der bei Punktgleichheit entscheiden würde, scheint jedoch eine Vorentscheidung gefallen zu sein.

"Ich bin nicht besser als Ronaldo"

"Noch ist der Meistertitel nicht gewonnen, aber das war ein ganz wichtiger Schritt dorthin. Wir können jetzt weiter Geschichte schreiben", sagte derweil Messi, der zudem betonte: "Ich bin nicht besser als Ronaldo, unsere Mannschaft ist besser als die Reals." Dies sei Trainer Josep Guardiola zu verdanken. Der übte sich in Bescheidenheit: "Ich bringe meine Spieler bloß zum Laufen."

Das tut Guardiola allerdings so gut, dass Barcelona erneut die Meisterschaft und der Champions-League-Sieg winken. Real droht hingegen die nächste titellose Saison. Um diesen Alptraum zu vermeiden, hatten die Madrilenen zu Saisonbeginn satte 250 Millionen Euro in Ronaldo und weitere Stars investiert. Dennoch schieden die "Königlichen" bereits im spanischen Pokal und in der Champions League frühzeitig aus. Nun mussten sie auch noch die erste Niederlage im eigenen Stadion nach 15 Siegen hinnehmen und die Tabellenspitze räumen.

"Der Nachwuchs schlägt die Brieftasche"

Das Urteil von "El Pais" war deshalb gnadenlos: "Der FC Barcelona hat ein fußballerisches Konzept, Real Madrid nur ein wirtschaftliches." Erfolg könne man eben nicht kaufen. "Der Nachwuchs schlägt die Brieftasche. Das war wieder eine Lektion für Real - aber sie haben immer noch nicht daraus gelernt", schrieb die Sportzeitung "El Mundo Deportivo". Die größtenteils in der Barça-Jugend ausgebildeten Katalanen, am Ende waren im Bernabeu acht der elf Barca-Profis auf dem Platz aus dem eigenen Nachwuchs, ließ dem zusammengekauften Starensemble von Real keine Chance.

2010-04-10T205556Z_01_BAR08_RTRMDNP_3_SOCCER-SPAIN.JPG8518326380525536670.jpg

Xavi und Messi waren zwei von acht Barça-Profis aus dem eigenen Nachwuchs, die beim Abpfiff auf dem Feld standen. Verständlich, dass manche Real-Fans die Countenance verloren.

(Foto: REUTERS)

Nach dem "Clásico"-Sieg in Madrid will der FC Barcelona auch am 22. Mai im Stadion des Erzrivalen triumphieren - im Finale der Champions League. Dazu muss der Titelverteidiger im Halbfinale aber zunächst Inter Mailand aus dem Weg räumen. Angst vor den von Jose Mourinho trainierten Italienern haben sie bei Barcelona trotz aller Bescheidenheit nicht, sagt Messi: "Wir sind besser als alle anderen Mannschaften, wenn wir weiter hart an uns arbeiten und mit Lust spielen." Der Sieg in Madrid war der beste Beleg dafür.

Quelle: n-tv.de, dpa/sid

Mehr zum Thema