Fußball

Ronaldo und Messi entthront Luka Modric ist Weltfußballer des Jahres

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"Das war eine unglaubliche Saison", sagte Luka Modric.

(Foto: REUTERS)

Der Auftritt des Mittelfeldstrategen Luka Modric bei der Fußball-Welmeisterschaft in Russland hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Der Kroate schafft es mit seinen herausragenden Leistungen sogar Superstar Cristiano Ronaldo in den Schatten zu stellen.

Luka Modric hat als Triumphator des WM-Jahres eine Weltfußballer-Ära beendet. Nach je fünf Titeln für Cristiano Ronaldo und Lionel Messi wurde der kroatische Weltmeisterschaftszweite als erster anderer Spieler seit 2007 mit der begehrtesten Einzelauszeichnung seiner Sportart geehrt. Der 33-Jährige von Real Madrid, der schon zum besten Spieler der WM in Russland und zu Europas Fußballer des Jahres gekürt worden war, setzte sich gegen den wieder einmal durch Abwesenheit glänzenden Portugiesen Ronaldo und den Ägypter Mohamed Salah durch.

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Lennart Thy erhielt den Fairplay-Award.

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"Das ist eine große Ehre, ein großartiges Gefühl", sagte Modric bei der Fifa-Gala in London. "Diese Auszeichnung gehört nicht mir allein, sondern auch meinen Teamkollegen bei Real Madrid und der Nationalmannschaft." Und er fügte hinzu: "Ich danke auch meiner Familie, ohne sie wäre ich nicht der Spieler, der ich bin." Vor der Ehrung hatte Modric im Fifa-Interview erklärt: "Das war eine unglaubliche Saison, die beste Saison in meinem Leben. Ich bin sehr stolz. Ich werde mich mein ganzes Leben daran erinnern." Seine WM-Künste übertrafen in der Tat die 15 Champions-League-Treffer von Ronaldo beim gemeinsamen dritten Königsklassen-Triumph in Folge.

Messi, der den Titel in den vergangenen zehn Jahren mit Ronaldo unter sich ausgemacht hatte, schaffte es erstmals seit 2006 nicht in die Top 3. Ein deutscher Spieler war nicht unter den besten Zehn - nach dem Debakel bei der WM, die auch Ronaldo und Messi nicht geprägt hatten. In vier der vergangenen fünf Jahre war Ronaldo mit der Weltfußballer-Trophäe bedacht worden. Dreieinhalb Wochen nach seiner Niederlage bei der Wahl von Europas Besten hätte "CR7" auch in der Royal Festival Hall vor den Augen von Bundestrainer Joachim Löw und Manager Oliver Bierhoff wieder nur Modric gratulieren können. Da blieb er der Ehrung seines langjährigen Mitspielers wie schon in Monaco fern. Aus terminlichen Gründen, wie sein neuer Klub Juventus Turin verlauten ließ.

"Es ist die richtige Entscheidung"

Nicht der Königsklassen-Supertorjäger Ronaldo oder der Premier-League-Torschützenkönig Salah vom FC Liverpool, der für das schönste Tor ausgezeichnet wurde, stehen an der Spitze der Einzelkönner, sondern ein Mittelfeldstratege. "Modric lenkt das Spiel. Wenn er eine Entscheidung fällt, ist es die richtige Entscheidung", rühmte der Weltfußballer von 1992, der Niederländer Marco van Basten. "Seele und Herz" einer Mannschaft seien Spieler wie Modric, urteilte der frühere brasilianische Weltmeistercoach Carlos Alberto Parreira.

Für Niko Kovac, den Trainer des FC Bayern, ist die Ehrung des Landsmannes einfach "fantastisch". Mit 31 und 33 Jahren ist die Zeit von Messi und Ronaldo noch nicht vorbei. Die Ereignisse an dem Londoner Abend deuteten an, dass eine neue Zeitrechnung beginnen könnte. Dann aber wohl auch ohne den ebenfalls schon 33-jährigen Modric. Er hatte die Kroaten bei ihrem furiosen WM-Auftritt ins Endspiel geführt.

Frankreich um den 19-jährigen Kylian Mbappé, ein Kandidat für künftige Weltfußballer-Meriten, war dann beim 2:4 eine Nummer zu groß. Didier Deschamps wurde als Coach der Franzosen zum Welttrainer des Jahres geehrt. Er setzte sich gegen Kroatiens Zlatko Dalic und den ehemaligen Real-Coach Zinedine Zidane durch. "Wir alle wissen, dass wir Trainer ohne unsere Mannschaft nichts sind. Deshalb gebührt ihr ein besonderer Dank", sagte Deschamps. Bester Trainer eines Frauenteams wurde Reynald Pedros von Olympique Lyon, der belgische WM-Dritte Thibaut Courtois ist Welttorhüter.

Dzsenifer Marozsan verpasst Überraschung

Als einzige deutsche Nominierte bei der Ehrung der Weltfußballerin des Jahres verpasste Dzsenifer Marozsan von Olympique Lyon beim sechsten Erfolg der Brasilianerin Marta, die für Orlando Pride in den USA spielt, eine Überraschung.  "The Best" konnte auf der Bühne ihre Tränen nicht zurückhalten konnte. "Danke, das bedeutet mir so viel", sagte die 32-Jährige.

Als Gewinner kann sich hingegen der frühere Profi von Werder Bremen und des FC St. Pauli, Lennart Thy, fühlen. Er wurde mit dem Fairplay-Award ausgezeichnet. Der frühere U17-Europameister half einem Leukämiepatienten. Bei dem an Blutkrebs erkrankten Patienten und dem Stürmer, der zu diesem Zeitpunkt als Leihgabe von Werder bei Venlo spielte, war eine seltene Übereinstimmung ihrer DNA festgestellt worden. Thy hatte sich sieben Jahre zuvor als Stammzellenspender registrieren lassen. Als er um Hilfe gebeten wurde, zögerte er nicht und verzichtete auf einen Liga-Einsatz für Venlo.

"Es war eine Selbstverständlichkeit für mich, zu helfen. Das Beste ist, dass sich viele Menschen als mögliche Spender haben registrieren lassen", sagte er. Thy spielt mittlerweile beim türkischen Erstligisten Büyüksehir Belediye Erzurumspor.

Quelle: ntv.de, fzö/dpa/sid