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Und der soll zur WM?Manuel Neuers Blitz-Blackout lässt die Ketzer strahlen

16.04.2026, 09:53 Uhr
imageVon Martin Armbruster
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Manuel Neuer unterlief gegen Real Madrid ein Fehler aus der Kategorie unglaublich. (Foto: picture alliance / Kirchner-Media)

Manuel Neuer schießt im wilden Champions-League-Drama des FC Bayern gegen Real Madrid einen unfassbaren Bock. Klarer Fall: Dieser Neuer darf nicht zur Fußball-Weltmeisterschaft. Bis in zwei Wochen dann.

Wäre man am Morgen nach dem aufreibenden Triumph des FC Bayern über das königliche Real Madrid ein Ketzer, so ließe sich sagen: Das hat er doch mit Absicht gemacht, der Manuel Neuer! Dieser "Würstchenball" (O-Ton Kollege Tobias Nordmann) von einem Pass 37 Sekunden nach Anpfiff. Statt Josip Stanisic hoppelte Neuers Ball vor die Zauberfüßchen von Reals Arda Güler, der das Geschenk dankend annahm und den Münchnern im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League einen schweren "Rucksack" (O-Ton Sportvorstand Max Eberl) auf das ach so breite Kreuz packte.

Als "Schweineball" bezeichnete Neuer seinen Fehlpass, aber auch als "Hallo-wach-Moment für alle im Stadion, dass man gegen Real Madrid spielt". Die Fans waren freilich erstarrt. Es war nicht zu glauben. Ausgerechnet der Held des Hinspiels, der das weiße Ballett der Madrilenen in deren Bernabeu reihenweise hatte verzweifeln lassen, schoss in dem für viele vorweggenommenen Endspiel den Bock der Saison.

Der Ketzer würde sagen: Um endlich seine Ruhe zu haben! Oder aber: Dieser Neuer darf auf keinen Fall zur WM! Nach Neuers Sternstunde in Madrid hatte das für seine Torwart-Debatten bekannte Fußball-Deutschland mal wieder hyperventiliert. Zum weiß die Wurst wievielten Mal machten die Experten-Räte der Fußball-Republik die T-Frage in der Nationalmannschaft auf. Dieser Neuer muss zurück ins deutsche Tor und mit zur WM, Bundestrainer Julian Nagelsmann über seinen Schatten springen, forder(t)en sie wortgewaltig. DAZN-Experte Sami Khedira befürchtet angesichts des Kesseltreibens gar, dass die - Stand jetzt - etatmäßige Nummer 1 der DFB-Elf beschädigt wird. "Den Olli Baumann, den killen wir gerade", kritisierte der Weltmeister von 2014.

In Paris zeigte Neuer schon die erste Bären-Leistung

Und nun? Werden sich die Neuer-Advokaten nach dessen Blackout in der Allianz Arena (Randnotiz: auch beim 1:2-Freistoßtor durch Güler sah der 40-Jährige nicht gut aus) zurückziehen? Wohl kaum! Vielmehr ist zu "befürchten" - respektive aus Bayern-Sicht zu hoffen -, dass das Spielchen in zwei Wochen von vorne losgeht. Auch wenn Neuer schon mehrfach selbst gesagt hat, dass es für ihn kein Thema sei.

Am 28. April gastiert der deutsche Rekordmeister im Halbfinal-Hinspiel bei Titelverteidiger Paris Saint-Germain. Im Prinzenpark hatte Neuer beim 2:1-Sieg der Bayern in der Ligaphase im November die erste Monster-Leistung der Saison abgeliefert. Der "alte" Neuer, der "Grizzlybär" und "Jahrhundert-Torwart" (O-Ton Philipp Lahm) war wieder da. Die Diskussion um ein Comeback in der Nationalelf nahm medial erstmals richtig Fahrt auf, wenngleich ohne Zutun Neuers oder des Bundestrainers. Mutiert der Bayern-Kapitän in Paris zum Prankenmonster wie im Herbst oder letzte Woche in Madrid, ist der Bock von München schnell vergessen. Der schwer genervte Baumann und der nicht minder sickige Nagelsmann werden dann wieder viel zu lesen und zu hören bekommen.

Derweil ist weiterhin unklar, wie es mit Neuer beim FC Bayern weitergeht, für den er seit 2011 das Tor hütet. Der 40-Jährige habe noch "kein Angebot" vorliegen, verriet Max Eberl nach dem Drama gegen Madrid. Der Sportvorstand ließ allerdings durchblicken, dass die Bayern gerne "scho au" (O-Ton Joachim Löw) um ein Jahr verlängern würden - wenn Neuer denn will. "Die Fitness, geistige Frische, die Lust auf ein weiteres Jahr - das muss er ein Stück weit symbolisieren und dann werden wir die Dinge übereinander legen und dann würde es auch wahrscheinlich eine Lösung geben." Dass Neuer von den in puncto Gehälter zur Disziplin aufgerufenen Bayern Dinge fordert, die "utopischer Art und Weise" sind, mag sich Eberl "ehrlicherweise nicht vorstellen". Eine unwürdige Abgangs-Oper wie im Vorjahr bei Klub-Ikone Thomas Müller soll sich auf gar keinen Fall wiederholen.

Neuer gibt an, er würde gerne so schnell wie möglich klar Schiff machen, wohin die Reise geht. "Je eher, desto besser, ganz ehrlich - auch für mich persönlich", sagte er auf seine Zukunft angesprochen. Das hat der Torwart schon öfter so gesagt. Ende März solle der Fall entschieden sein, hieß es noch vor ein paar Monaten. Jetzt ist Mitte April und die heiße Phase der Saison in vollem Gange. Zwischen Real Madrid und Paris Saint-Germain eine Entscheidung von potenziell endgültiger Tragweite treffen - keine einfache Nummer für Neuer und die Bayern.

Quelle: ntv.de

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