Fußball

Europaliga: Porto will das Double Mini-Mou will nächsten Titel

Portugiesischer Fußballmeister wird der FC Porto souverän, nun soll der nächste Titel her. Im rein portugiesischen Duell um den Sieg in der Europaliga gegen Sporting Braga ist einer heute Abend besonders heiß: Portos Trainer André Villas- Boas will seinem Lehrmeister nacheifern und den Titel holen.

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André Villas-Boas kämpft mit dem FC Porto um den Titel in der Europa League.

(Foto: picture alliance / dpa)

Von Null auf Hundert in Nullkommanichts - André Villas-Boas ist ein wahrer Himmelsstürmer. Daheim in Portugal benötigte der 33-Jährige nicht einmal zwei Jahre, um vom Nobody zum Topstar der Fußballszene zu avancieren. Mit dem FC Porto schickt sich der junge Trainer nun an, heute ab 20.45 Uhr im Europaliga-Finale gegen Sporting Braga in Dublin auch international nach den Sternen zu greifen. Die Portugiesen feiern ihn schon als "neuen José Mourinho", aber Villas-Boas weist alle Vergleiche mit seinem berühmten Landsmann und umstrittenen Ex-Lehrmeister energisch zurück: "Ich bin kein Klon, ich bin ganz anders!", versichert er.

Zweifel an diesen Beteuerungen sind angebracht. Ähnlich wie Mourinho präsentiert sich auch "Mini-Mou" fast immer polemisch, irgendwie arrogant und auch übermäßig aggressiv. Wie Mourinho hat Villas-Boas nie Profifußball gespielt. Wie Mourinho stellt auch der Porto-Coach seine Schützlinge taktisch nahezu perfekt ein. Doch José Eduardo Simoes, der als Präsident von Académica de Coimbra Ende 2009 Villas-Boas als Trainer verpflichtete, versichert: "Nur wer André nicht kennt, zieht diese Analogien."

Erste Erfahrungen auf den Jungferninseln

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Ihm schrieb Villas-Boas Taktik-Tipps: Sir Bobby Robson.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Längst umgarnen Europas Topclubs das "Wunderkind", wie ihn das italienische Blatt "Gazzetta dello Sport" rühmte. Zuletzt bekundete der FC Chelsea Interesse. Villas-Boas' Aufstieg erscheint längst märchenhaft. Alles begann, als der 16-jährige André dem Nachbarn Bobby Robson, damals Porto-Coach, einen Brief mit Taktik-Tipps schrieb. Der Engländer heuerte den Burschen als Praktikanten an. Dort lernte Villas-Boas den Hilfscoach Mourinho kennen.

Nach vielen Studienjahren in England machte er seine ersten Trainererfahrungen als Auswahlcoach der britischen Jungferninseln. "Ich war damals 21, die dachten, ich sei älter. Nach einem 0:9 gegen Bermudas wurde ich gefeuert", erzählt Villas-Boas. Unter Jose "Mou" Mourinho lernte er dann bei Chelsea und Inter Mailand bis 2009 alle Tricks und Kniffe. Dennoch versichert er heute standhaft: "Ich bin Robson viel ähnlicher als Mourinho, habe ja englische Vorfahren und mag Wein."

Ohne Niederlage zur Meisterschaft

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Das "As im Ärmel": Tojäger Falcao.

(Foto: picture alliance / dpa)

Nachdem Villas-Boas vergangene Saison bei seinem Cheftrainer-Debüt mit Abstiegskandidat Académica de Coimbra den elften Liga-Platz geschafft hatte, wurde der Sohn einer vornehmen Familie im vergangenen Sommer als 32-Jähriger prompt vom FC Porto verpflichtet. Seine Kicker gewannen auf Anhieb den portugiesischen Supercup. Anfang April folgte dann der Gewinn der Meisterschaft: Mit 27 Siegen und drei Niederlagen holte Porto sich den Titel ohne eine einzige Saisonniederlage mehr als souverän vom Vorjahresmeister Benfica zurück.

Zwei weitere Titel können in den nächsten Wochen noch dazukommen: Neben dem Pokalfinale, wo man auf Vitoria Guimares trifft, steht das Team gegen den SC Braga im rein portugiesischen Endspiel der Europa League. Die Bilanz der "Drachen" ist bemerkenswert: Auf dem Weg ins Finale überstand man die Gruppenphase ohne Niederlage und schaltete mit dem FC Sevilla, ZSKA Moskau und zuletzt dem Villareal Gegner aus, die sicher nicht als Sparringspartner angetreten waren. Torjäger Falcao, der mit 16 Treffern Jürgen Klinsmann als Rekordtorschützen des Wettbewerbs ablöste, war dabei Villas-Boas‘ größter Trumpf. Nun soll er "Mini-Mou" den nächsten Titel bescheren.

FC Porto - Sporting Braga, 20.45 Uhr in Dublin

Porto: Helton - Supunaru, Rolando, Otamendi, Alvaro Pereira - Joao Moutinho, Fernando, Guarin - Silvestre Varela, Falcao, Hulk. Trainer: Villas-Boas
Braga: Artur - Miguel Garcia, Paulao, Kaka, Silvio - Vandinho, Hugo Viana - Alan, Leandro Salino, Paulo Cesar - Lima. Trainer: Domingos
Schiedsrichter: Velasco Carballo (Spanien)

Quelle: n-tv.de, dpa

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