Fußball

Königliche platzen vor WutNiemand spielt sich glaubwürdiger tot als Real Madrid

16.04.2026, 06:29 Uhr
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Arda Güler ist stinksauer auf Schiedsrichter Slavko Vincic. (Foto: IMAGO/NurPhoto)

Real Madrid fliegt aus der Champions League und einer ungewissen Zukunft entgegen. Die Wut nach dem Knock-out in München ist groß und richtet sich gegen den Schiedsrichter, der das Spiel "entscheidet".

Michael Olise pfefferte Real Madrid eine letzte Watschn um die Ohren. Der Franzose zerdrückte in der 94. Minute auch das letzte Reiskorn der Hoffnung auf eine Remontada. Der FC Bayern, die Bestie, hatte die Königlichen aus der Champions League geworfen. Und während Olise jubelte, während die Münchner ihren Superstar suchten, knallte eine königliche Wut-Welle auf Land. Real hatte klar auserkoren, wer für diese Niederlage im Viertelfinal-Rückspiel (3:4) verantwortlich gemacht werden sollte: Slavko Vincic.

Arda Güler, zweifacher Traumtorschütze an diesem Abend, stürmte nach dem Schlusspfiff auf den Schiedsrichter zu und geigte ihm amtlich die Meinung. Das brachte dem jungen Türken erst Gelb und dann Gelb-Rot ein. Er wollte sich nicht beruhigen. Nicht nach diesem Spiel, das alle Beteiligten in den Ausnahmezustand getrieben hatte. Um Vincic drohte sich ein Belagerungszustand aufzubauen, dem von den Funktionären mit Mühe und Not Einhalt geboten werden konnte. Sie waren außer sich vor Wut.

"Es war ein Fehler des Schiedsrichters. Unbegreiflich"

Vincic war an diesem Abend weder bei Madrid beliebt, noch beim FC Bayern. Doch weil der spielentscheidende Pfiff gegen die Spanier ging, war die Wut auf dieser Seite nochmal größer. In der 86. Minute hatte Vincic den jungen Eduardo Camavinga vom Platz gestellt. Der Franzose hatte zuvor Gelb gesehen, weil er Jamal Musiala umgerissen hatte. Als er Minuten später erst Harry Kane leicht legte und dann das Spiel verschleppte, flog er. Vincic schien dabei gar nicht zu wissen, dass er Camavinga schon verwarnt hatte. Erst auf Erinnerungs-Intervention einiger Bayern-Spieler passte er seine Entscheidung an und zeigte Rot.

"Der Schiedsrichter hat das Spiel entschieden", schimpfte Trainer Alvaro Arbelo und wiederholte sich in seiner Fassungslosigkeit: "Das Spiel hat sich mit dem Platzverweis entschieden. Es war ein Fehler des Schiedsrichters. Unbegreiflich. Es tut einfach weh. Es ist eine Aktion, die niemand versteht. Wie man einen Spieler wegen so etwas in so einem Spiel vom Platz schicken kann." Es war nicht wegzudiskutieren, dass die Szene Einfluss auf das Spiel hatte. Im Zentrum war plötzlich mehr Platz, über das Zentrum bereiteten die Bayern das 3:3 durch Luis Diaz drei Minuten später vor, das die Münchner ins Halbfinale gegen Paris St. Germain führte. Dass Michael Olise in der Nachspielzeit noch den Siegtreffer erzielte, war nur die Kirsche auf der Königsklassen-Sahne.

Arbeloa bekam sich derweil kaum ein: "Natürlich müssen wir auch dem FC Bayern gratulieren", sagte er in der Pressekonferenz. "Es ist aber eine schlechte Art und Weise, wie wir hier ausgeschieden sind." Durch die Mixed Zone, die Interviewzone für die Spieler in den Katakomben, rauschten die Fußballer von Real eilig durch. Analysen? Fehlanzeige. Nur kurze Abrechnungen mit Vincic: "Einen Witz", sah Jude Bellingham. Torwart Andrej Lunin fand alles "total übertrieben". Und Antonio Rüdiger, der Bayerns Josip Stanisic beim Ballgewinn vor dem 3:2 für Real gefoult und damit die Münchner Wut auf Vincic eskaliert und Kompany eine Gelbsperre eingebracht hatte, sagte lediglich: "Jeder hat die Situation gesehen. Es ist besser, wenn ich heute nicht rede."

Reals "Opferrolle", unpassend "wie ein kleines Kind"

Die Schimpferei brachte Real auch Kritik ein. Der englische "Guardian" fand: " "Es ist erbärmlich und so unpassend, wenn Madrid – ein legendärer Verein – sich wie ein kleines Kind aufführt und die Opferrolle spielt."

In Madrid waren sie auch so wütend, weil ihre Saison an diesem Mittwochabend endete, weil sie wieder in eine ungewisse Zukunft aufbrachen. In der Meisterschaft ist der Rückstand auf den FC Barcelona so groß, dass ein mittelgroßes Wunder passieren müsste, um die Dinge noch umzukehren. Im Pokal gab's nix, in der Champions League nun auch nicht. Was bleibt ist die Frage, wie es mit dieser Mannschaft weitergeht, die zwar in manchen Momenten noch Heldenfußball spielen kann, aber eigentlich nicht funktioniert. Mit Xabi Alonso war bereits ein Trainer verschlissen worden, ob sein Nachfolger Arbeloa weitermachen darf, ist mehr als offen. Es wabern weiter die Gerüchte durch Madrid, dass Jürgen Klopp kommen soll. Es sind wilde Gerüchte, sie verstummen aber nicht.

Er werde "mit allen Entscheidungen des Vereins umgehen", sagte Arbeloa, als es in der Nacht zu Donnerstag um seine Position im Verein ging. "Natürlich schmerzt es, es schmerzt Real Madrid. Es geht jetzt aber nicht um mich und meine Zukunft. Ich habe immer alles getan." Natürlich nehme er für das Ausscheiden "die Verantwortung auf mich. Aber seitdem ich Trainer bei Real bin, will ich Spiele gewinnen und den Spielern helfen. So wird es bis zum letzten Tag sein."

Real stirbt den Saisontod

In München hatte sich das Starensemble ein letztes Mal gegen den Saisontod gewehrt. Sie trieben die Bayern früh in den Wahnsinn. Manuel Neuer patzte einmal schwer, sah ein weiteres Mal nicht gut aus. Zweimal traf Güler herausragend. Kylian Mbappé bedrohte die Bestie aus der Landeshauptstadt immer wieder mit seinem absurden Tempo, mit seinen schlauen Läufen. Aber die Männer von Vincent Kompany hielten mit allem, was sie haben, dagegen. Sie trotzten allen Widerständen und warfen Real um. Nachdem Camavinga nicht mehr mitmachen durfte. Madrid scheiterte mit großen Ehren und großen Hymnen.

"In der Allianz Arena brachte Real die Deutschen in einem heroischen Spiel an ihre Grenzen, mit einer bisher nie dagewesenen Opferbereitschaft", schwärmte die "AS" und staunte anerkennend: "Monatelang, vielleicht sogar seit über einem Jahr, sah es nicht so aus, aber ja, das war auch das Real Madrid, das Europa seit 70 Jahren wegen seines unerklärlichen Überlebensinstinkts fürchtet. Niemand spielt sich glaubwürdiger tot." Die "Marca" sah eine himmelschreiende "Ungerechtigkeit. Das Spiel war spektakulär, und es ist schade, dass es vor allem wegen der Roten Karte für Camavinga in Erinnerung bleiben wird." Die "ABC" ging mit dem jungen Franzosen derweil hart ins Gericht: "Camavinga, der dümmste Platzverweis im denkbar ungünstigsten Moment."

Quelle: ntv.de, tno

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