Fußball

Trainer Muslic dreht völlig freiDer lahmende Riese rast: Lauf, Forrest Schalke, lauf!

13.04.2026, 12:45 Uhr
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Soufiane El-Faouzi traf per Fallrückzieher zum zwischenzeitlichen 1:1 in Elversberg. (Foto: IMAGO/RHR-Foto)

Der FC Schalke 04 reist ohne drei Spitzenspieler nach Elversberg, gerät früh in Rückstand, kassiert einen kuriosen Platzverweis und gewinnt trotzdem. Wer aus solchem Holz geschnitzt ist, kann nur aufsteigen.

Trainer Miron Muslic hatte seinem FC Schalke 04 die Opferrolle verboten. Wer aufsteigen will, der jammert nicht, der strahlt Gewinner-Mentalität aus. In der heimischen Arena wie in der aufmüpfigen Provinz. In Elversberg. Dort ging es am Sonntagnachmittag um den Aufstieg in die Fußball-Bundesliga. Und die Größenunterschiede der Rivalen hätten nicht gigantischer sein können. Auf der einen Seite das Sensationsteam aus dem Saarland, das noch nie das Oberhaus gesehen hat. Auf der anderen Seite, der erlahmte Riese aus Gelsenkirchen, der in dieser Saison schneller wieder laufen lernte als einst Forrest Gump.

Und mit riesigen Schritten stürmen sie zurück zu jenem Ort, den sie Heimat nennen: die 1. Bundesliga. Aber noch ist das Ziel für den Tabellenführer nicht erreicht. Noch sind fünf Etappen zu absolvieren. Eine ganz schwierige ist dabei, am 31. Spieltag beim SC Paderborn, dem Zweiten. Doch nach dem Sieg in Elversberg (2:1) kennt die Euphorie endgültig keine Grenzen mehr auf Schalke. Als sie allen Widerständen getrotzt hatten, den Ausfällen von Edin Dzeko, Kenan Karaman, Nikola Katic und Mertcan Ayhan, dem Blitz-Rückstand (4.) und einer Fehlentscheidung, die zu Gelb-Rot für Moussa Ndiaye (51.) führte, da eskalierten sie in Elversberg.

Heavy Metal wie einst in Dortmund

Vor allem Muslic, der Mann mit der größten Gewinner-Mentalität im Team. Der Mann, dessen Aura orthopäische Heilkräfte beim lahmenden Riesen freigesetzt hat. Schalke fällt über seine Gegner her. Das hat Heavy-Metal-Vibes, die man im Ruhrpott einst an einem anderen, nicht sehr beliebten Ort kultisch abfeierte. In Dortmund. Das Heldenpotenzial ist auch bei Muslic längst angezapft. Weil er den Mythos Schalke liebt, lebt, feiert. Und weil er den Klub in die Bundesliga zurückführen wird. Womöglich am 33. Spieltag.

Dann steht das Auswärtsspiel beim 1. FC Nürnberg an, beim guten Kumpel. Dann droht dem Frankenland eine friedliche Invasion aus Gelsenkirchen, in der besten Absicht, den Gastrokassen der Stadt den Jahres-Reibach zu bescheren. Der "Reviersport" checkt schon mal die Lage in der Frankenmetropole und weist die letzten verbliebenen Günstig-Angebote zu. Gut möglich, dass weit über 10.000 Schalker anreisen werden. Die Lage ist günstig, die Chance zum Aufstieg bei Freunden sehr realistisch.

Weil die Schalker einfach ein so robustes Kollektiv haben. Weil sie in der Winterpause wichtige Spieler verpflichteten und weil sich in diesem Kader niemand hängenlässt. Nicht Moussa Sylla, dessen Wechsel im Januar in die MLS überraschend gescheitert war, der in der Sturmhierarchie ganz tief in den Schacht-Schatten von Superstar Edin Dzeko gedrängt wurde und nun das Licht genießt. Im Spitzenspiel gegen Darmstadt vor drei Wochen (1:1) traf er, gegen Elversberg machte er den Sieg klar. Und seinen wieder mal völlig freidrehenden Trainer verdammt glücklich. Denn der hatte es immer gewusst: "Wie oft haben wir das erwähnt, dass Moussa noch ein Faktor für uns werden wird? Das Tor spricht Bände", sagte Muslic am Sky-Mikrofon.

Einfach mal per Fallrückzieher ausgleichen

Was Schalke in dieser Saison anfasst, es hat das Potenzial, Gold zu werden. Weil das Große und Ganze passt. Schalke ist ein kaum auszuhaltendes Kollektiv, das jeden Gegner massiv stresst. "Das war ein überragender Sieg, die ganze Woche über haben wir die Jungs darauf vorbereitet, dass es eine 1a-Performance brauchen wird", sagte Muslic. Die Jungs lieferten. "Auch nach dem frühen Kontertor haben wir uns nicht beeindrucken lassen, dem Spiel unseren Stempel aufgedrückt und verdient den Ausgleich erzielt." Wenn's einmal läuft, dann läuft's eben. Dann sind Widerstände keine großen Mauern mehr, sondern höchstens kleine Hürden. Dann frisst die Moral die Zweifel. Soufiane El-Faouzi traf per Fallrückzieher zum 1:1. Das macht man so nicht, wenn man nicht vor Selbstvertrauen platzt. Mit dem Sieg schaffte sich Schalke ein Polster von fünf Punkten auf Relegationsrang drei, auf Hannover 96.

Gegen Paderborn kehren Ayhan und Karaman zurück. Und vielleicht kommt auch Ndiaye um eine Sperre für seine Gelb-Rote Karte herum. Die Schalker haben gegen "unberechtigten" Platzverweis offiziell Einspruch eingelegt. Schiedsrichter Michael Bacher hatte wohl irrtümlicherweise ein Foul Ndiayes gesehen und dies geahndet. Auf den TV-Bildern ist aber zu sehen, dass der Schalker eher selbst gefoult worden und Gegenspieler Lukas Petkov dabei ausgerutscht und deshalb zu Boden gegangen war. Bei Gelb-Roten Karten ist ein Eingreifen des Videoassistenten zurzeit noch nicht möglich.

Der Weg zum möglichen Aufstieg sieht so aus: Heimspiel gegen den Tabellenletzten Preußen Münster, Gigantenduell in Paderborn, Heimspiel gegen Abstiegskandidat Fortuna Düsseldorf, Aufstiegsfeier in Nürnberg (?) oder mögliches Matchball-Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig, als derzeitiger Relegationsplatz-Inhaber ebenfalls in Abstiegsnot. Muslic mag sich zumindest öffentlich keine Gedanken über die möglichen Szenarien machen: "Ich überlasse euch gerne die Rechenspiele, in Mathe war ich damals schlecht", sagte er und lächelte. Wie man Erfolge feiert, das weiß er indes. Den größten seiner Karriere hat er nun vor Augen.

Quelle: ntv.de, tno

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