Fußball

Torwart, Thomalla und Glamour Passt Loris Karius wirklich zu Union Berlin?

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Sie bringen reichlich "Fans" mit nach Berlin.

(Foto: imago images / APress)

Loris Karius und seine Freundin Sophia Thomalla bringen einen überraschenden Glamour-Faktor in die Alte Försterei. Doch der Torhüter will beim 1. FC Union nur sportlich überzeugen und das Bild, das die meisten Fußball-Fans von ihm haben, unbedingt korrigieren.

Max Kruse? Allerhöchstens ein C-Promi. Zumindest im Vergleich mit dem neuen Spieler, den sich Union Berlin kurz vor Transferschluss geangelt hat. Loris Karius folgen auf Instagram 1,8 Millionen Menschen, dort lässt er sich gerne oben ohne, auf Yachten oder im edlen Zwirn ablichten. Und seine Freundin Sophia Thomalla, deren Berufsfeld grob im Model- und Moderations-Bereich anzusiedeln ist, kommt immerhin auf 1,2 Millionen Fans. Zusammen erreicht das Paar auf Instagram fast zehnmal so viele Menschen wie Kruse, der bislang als Social-Media-König bei Union (nur 0,36 Millionen auf Instagram) galt.

Keine Frage: Mit der Leihe des Torhüters vom FC Liverpool hat sich der Glamour-Faktor im Klub deutlich erhöht. Künftig wird bei jedem Spiel auch auf die Tribüne geschaut, wie Frau Thomalla sich bei Toren und Gegentoren so verhält. Genau wie früher bei ihrer Mutter Simone. Die Liaison der Schauspielerin mit Handball-Keeper Silvio Heinevetter hatte immer wieder für Gesprächsstoff rund um die Füchse Berlin gesorgt. Und so war es wenig überraschend, dass sich die Boulevardpresse kurz nach der Verpflichtung erste Reaktionen der Spielerfrau einholte. "Er ist sehr motiviert, top vorbereitet und körperlich fitter denn je", versicherte sie gegenüber der "Bild"-Zeitung. Ihr Lebensgefährte werde den Verein "im bestmöglichen Licht dastehen lassen".

"Das sind ganz normale Typen"

Viele aber fragen sich: Passt das zu Union? Zu dem Klub, der sich schon zu DDR-Zeiten als Außenseiter und Vorkämpfer gegen das Establishment inszeniert hatte? Zu einem Trainer wie Urs Fischer, der stoisch und unprätentiös alles dem Teamgedanken unterordnet? "Das sind ganz normale Typen. Das löst bei mir nichts aus", sagte Fischer über seine extrovertierten Stars Karius und Kruse: "Am Schluss zählt die Leistung auf dem Platz, und über alles andere mache ich mir wirklich keine Gedanken."

Die Verpflichtung von Karius kommt dennoch überraschend. Denn mit Andreas Luthe hatten die Unioner nach dem Abgang von Rafał Gikiewicz in diesem Sommer erst eine neue Nummer eins verpflichtet. Eine, die in den ersten Saisonspielen absolut überzeugt hat. Manager Oliver Ruhnert sagte zuletzt nach dem Remis bei Borussia Mönchengladbach: "Andi Luthe ist dafür mitverantwortlich, dass wir hier einen Punkt geholt haben. Mit ihm sind wir sehr zufrieden." Als Ruhnert das sagte, war das Interesse der Unioner an Karius gerade bekannt geworden, der Transfer aber noch nicht fix. Ruhnert sprach auch davon, dass die laufenden Gespräche kein Vertrauensentzug für Luthe seien. Doch mit Karius, so viel ist klar, wird das Rennen um den Stammplatz im Tor neu gestartet.

Wie das Duell ausgeht? Offen. "Ihr müsst euch überraschen lassen", sagte Fischer vor der Partie gegen den FSV Mainz 05 (20.30 Uhr). "Testspiele hat er bestritten. Im Trainingsbetrieb war er. Er bringt eigentlich die Voraussetzungen mit, um auch eventuell eingesetzt zu werden", erklärte der Trainer zu Karius. Natürlich werde er nun Gespräche führen, auch mit Luthe. "In welche Richtung das gehen wird, dazu werde ich mich ganz sicher nicht äußern." Sicher ist nur: Wird Karius die Nummer eins, steht er unter medialem Dauerdruck.

Karriere-Knick in der Königsklasse

Karius galt vor viereinhalb Jahren als ein Kandidat, der Manuel Neuer im Tor der Nationalmannschaft irgendwann mal ablösen könnte. Damals war er im Alter von 22 Jahren für zehn Millionen von Mainz 05 nach Liverpool gewechselt - auf ausdrücklichen Wunsch von Jürgen Klopp. "Gefühlt die Hälfte der Premier League" sei hinter ihm her gewesen, sagte Karius einmal.

Sein Selbstvertrauen stieg nochmals, als er den Belgier Simon Mignolet als Nummer eins bei den Reds ablöste. Alles lief perfekt - bis zu jenem schwarzen Abend am 26. Mai 2018. Mit seinen Patzern war er mitverantwortlich für das 1:3 im Finale der Champions League in Kiew gegen Real Madrid. Hohn und Spott prasselten auf Karius ein. Nach einem Schlag von Sergio Ramos hatte er eine Kopfverletzung erlitten, und sein Sehvermögen war eingeschränkt - doch diese Erklärungen wollte kaum jemand hören. Vor allem nicht in England.

Karius flüchtete von der Insel zu Besiktas Istanbul, jetzt will er in Berlin dafür sorgen, dass die deutschen Fans das Bild vom Flattermann vergessen. Nach den Fehlern anderer Torhüter "kräht kein Hahn" mehr, sagte Karius, "bei mir wird eine Riesensache draus gemacht, warum auch immer".

Quelle: ntv.de, tno/dpa/sid