Fußball

Post von Sex-Chat ein Bumerang? Polizei ermittelt gegen Neymar

Inmitten der Vorbereitung auf die Copa América sorgen die Vergewaltigungsvorwürfe gegen Neymar für Unruhe in Brasiliens Fußball-Nationalteam. Der Superstar wehrt sich mit der Veröffentlichung eines intimen Chatverlaufs. Genau das könnte für ihn zum Eigentor werden.

Die Nebelschwaden, die das Basisquartier der brasilianischen Fußball-Seleção seit Tagen in milchiges Licht tauchen, bilden für die Ungewissheit im neuen Skandal um Superstar Neymar ein passendes Szenario. Im Frühdunst tauchte am Sonntag zunächst ein Polizeiwagen auf und wieder ab. Kurze Zeit später flog Neymar per Hubschrauber in einem klaren Moment ein, verschwand dann aber zum Training hinter verschlossenem Vorhang. Während die Seleção in der Vorbereitung auf die am 14. Juni startende Copa América im eigenen Land verkrampft um Normalität bemüht ist, nimmt die brasilianische Polizei den 27-jährigen Stürmer richtig in die Zange.

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Neymar schwebte mit einem Helikopter zum Training ein.

(Foto: imago images / Agencia EFE)

Eine Untersuchung in São Paulo wegen sexuellen Missbrauchs, eine in Rio de Janeiro nach Veröffentlichung intimer Fotos ohne Zustimmung der betroffenen Person. Und so könnte Neymars Gegenangriff nach dem Vergewaltigungs-Vorwurf gar zum Eigentor werden. "Ich werde ein Verfahren eröffnen, dabei Videos und Nachrichten einsammeln und zunächst auch versuchen, Neymar anzuhören, sowie sein Handy vorübergehend beschlagnahmen, um die Dinge anzusehen, bevor sie bearbeitet und ins Internet gestellt wurden", kündigte Pablo Sartori an, Kommissar in der für Cyberkriminalität zuständigen Polizeidienststelle in Rio.

Am Sonntagmorgen hatten die Beamten beim Besuch im Trainingsquartier in Teresopolis vor den Toren Rios noch Pech. Erst als der Streifenwagen wieder abgefahren war, schwebte Neymar nach einem freien Tag für die gesamte Truppe ein. Ruhe wird der Topstar von Frankreichs Meister Paris St. Germain vor der Justiz jedoch vorerst nicht finden.

Chatverlauf mit vermeintlichem Opfer gepostet

Den Fall ins Rollen gebracht hatte eine weibliche Person, deren Identität bislang geheim gehalten wird. Am Freitag erstattete sie in einer für Vergehen gegen Frauen spezialisierten Polizeistation in São Paulo Anzeige gegen Neymar, weil dieser sie am 15. Mai in einem Pariser Luxushotel unweit des Triumphbogens "angetrunken" mit Gewalt zu einem Geschlechtsakt gezwungen haben soll.

Die brasilianischen Medien bekamen von der eigentlich als "top secret" geltenden polizeilichen Meldung Wind, weshalb sich Neymar am Samstag kurz vor Mitternacht zu einer ungewöhnlichen Aktion gezwungen sah: Er stellte den kompletten Chat mit dem vermeintlichen Opfer - inklusive äußerst pikanter, freizügiger Fotos und frivoler Sprüche - in sozialen Netzwerken online. "Wegen einer Erpressung bin ich gezwungen, mein Leben und meine Familie bloßzustellen", klagt er zu Beginn des 7:01 Minuten langen Videos, das innerhalb der ersten 24 Stunden gut 23 Millionen Menschen weltweit abriefen. Er sei "in eine Falle getappt".

Die beiden hatten sich per Whatsapp auf die einmalige Liebesnacht tagelang mit anzüglichen Bemerkungen eingestimmt. Die Brasilianerin schickte gar freizügige Fotos. All dies publizierte Neymar. Die Fotos wurden jedoch vor der Veröffentlichung bearbeitet, zeigen nicht das Gesicht der Liebesaffäre, intime Stellen ihres Körpers wurden unscharf gemacht, was immerhin den möglichen Strafbestand aufheben könnte.

Seleção um Normalität bemüht

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Ablenkung von den Justizquerelen: Neymar (l.) beim Seleção-Training mit Éder Militão.

(Foto: imago images / Agencia EFE)

All das werde "die Mannschaft nicht anstecken", behauptete indes Routinier Fernandinho. Der Mittelfeldspieler von Englands Meister Manchester City war einer von drei Akteuren, die am Tag danach auf der Routine-Pressekonferenz Rede und Antwort stehen mussten. "Sicherlich wird er seine Unschuld beweisen. Das scheint alles geplant gewesen zu sein", führte er weiter aus.

In die gleiche Richtung hatte sich zuvor Neymars Vater geäußert. Vor wenigen Tagen habe ein Anwalt aus São Paulo gedroht, über Polizei und Medien den Vorwurf der Vergewaltigung zu verbreiten, falls nicht eine bestimmte Summe gezahlt werde, behauptete der Senior in einer brasilianischen Nachrichtensendung.

Und Nationaltrainer Tite? Der gab seinem von ihm wegen eines Faustschlags gegen einen Fan im französischen Pokalfinale entmachteten Kapitän beim ersten Training nach Auslösung des Skandals ein rotes Leibchen. Neymar wird im Test am Mittwoch gegen Katar in Brasilia also spielen. Dafür war er schließlich ursprünglich nach Brasilien gereist.

Quelle: n-tv.de, Heiner Gerhardts, sid

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