Fußball

Erster Sieger der Nations League Portugal entscheidet müdes Finale für sich

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Gelungener Saisonabschluss: Portugals Fußballer lassen sich vor heimischem Publikum feiern.

(Foto: Action Images via Reuters)

Fast 15 Jahre nach der enttäuschenden Heim-EM erfüllt sich Portugal gegen die Niederlande den Traum vom Titel im eigenen Land. Die Finalpartie selbst hat jedoch wenig Traumhaftes an sich. Den Spielern beider Mannschaften ist die lange Saison anzumerken. Am Ende reicht es für ein 1:0 des Europameisters.

Mit einem 1:0(0:0)-Sieg gegen die Niederlande hat Portugals Fußballnationalmannschaft um Superstar Cristiano Ronaldo als erste Mannschaft die Trophäe der neuen Nations League gewonnen. Bei der Final-Premiere in Porto sorgte Gonçalo Guedes mit seinem Treffer in der 60. Minute für den nächsten europäischen Pokal der Portugiesen nach der EM 2016 in Frankreich. Neben der erstmaligen Gravur auf der 71 Zentimeter hohen Silbertrophäe ist der Sieg auch eine Gesamtprämie von 10,5 Millionen Euro wert. Ein automatisches Ticket für die EM 2020 ist mit dem Sieg aber nicht verbunden. Die Niederländer streichen als Zweiter des neuen Wettbewerbs insgesamt neun Millionen Euro von der Uefa ein.

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Duell der Superstars: van Dijk (l.) und CR7.

(Foto: Action Images via Reuters)

Wer sich allerdings ein Final-Spektakel erhofft hatte, wurde über weite Strecken der Partie enttäuscht. Den Spielern beider Teams war die Müdigkeit nach einer langen Saison anzumerken, einige leisteten sich ungewöhnliche Fehler, anderen fehlte die Präzision. Selbst Ronaldo agierte in einem schwachen ersten Durchgang zu ungenau. Bei einem Kopfball in der 31. Minute stand er leicht im Abseits, zehn Minuten später zielte der 34-Jährige nach einem schönen Dribbling direkt auf den niederländischen Torhüter Jasper Cillessen.

Während die Gäste mit derselben Aufstellung wie im Halbfinale gegen England antraten, ließ Portugals Coach Fernando Santos sein Supertalent João Félix auf der Bank. Ronaldo startete stattdessen im Sturmzentrum und traf einige Male auf Weltklasse-Abwehrspieler Virgil van Dijk, der gemeinsam mit seinem Nebenmann Matthijs de Ligt aber zumeist gewohnt souverän verteidigte. Dem Aufeinandertreffen der beiden Superstars Ronaldo und van Dijk war im Vorfeld viel Beachtung geschenkt worden. Dort "CR7", die Bestie in Fußballergestalt, Rekordbrecher und Albtraum aller Abwehrspieler. Da Virgil van Dijk, der menschliche "Räumpanzer" (Jürgen Klopp), die Felswand aus Breda, der beste und teuerste Verteidiger der Welt. "Es ist keine Schlacht zweier Spieler", betonte Ronald Koeman, Trainer der Niederländer, deshalb auch: "Es ist Holland gegen Portugal."

Holland wackelt

Und tatsächlich waren diesmal andere Figuren prägend. Bruno Fernandes (12.) hatte den ersten gefährlichen Schuss auf das niederländische Tor zustande gebracht, Frenkie de Jong die ersten Angriffe in Richtung portugiesischer Strafraum angeschoben, als sich Ronaldo und van Dijk erstmals begegneten - mit dem Abwehrspieler als Sieger, der später einen Ronaldo-Schuss gut zur Ecke blockte (28.).

Holland spielte recht gefällig, hatte mehr Ballbesitz, kam aber mit seinen Kombinationen so gut wie nie in eine Position, aus der Torgefahr hätte entstehen können. Chancen gab es lange nur für Portugal, beispielsweise für Jose Fonte (29.), erneut den starken Fernandes (31./38.) und schließlich auch Ronaldo (41.). Der Europameister drückte in einem Spiel auf lange überschaubarem Niveau weiter, die Gäste wackelten.

Für mehr Tore fehlt die Energie

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Guedes trifft in der 60. Minute zum 1:0.

(Foto: imago images / Beautiful Sports)

Offener gestaltete sich die Partie erst im zweiten Durchgang, weil beide Teams auf eine Entscheidung vor der Verlängerung drängten. Und das gelang den Gastgebern besser. Obwohl es Bernardo Silva nach einer schnellen Kombination beim Querpass auf Guedes eigentlich an Präzision fehlte, gelang dem Stürmer des FC Valencia per Drehschuss aus 16 Metern dennoch die Führung.

Nach der Führung der Portugiesen entwickelte sich in der Schlussphase immerhin eine spannende Partie. Die Niederländer, die bis zum 0:1 keinen einzigen Schuss auf das gegnerische Tor abgegeben hatten, legten noch einmal alles rein, um den Ausgleich zu erzielen. Vier Minuten nach dem Tor hätte Memphis Depay (65.) sogar fast ausgeglichen, scheiterte per Kopf aber an Portugals Keeper Rui Patrício. Marten de Roon schoss in der 79. Minute knapp vorbei. Auch Portugal wollte die Entscheidung erzwingen. Für noch mehr Tore fehlte beiden Mannschaften aber das, was die meiste Zeit in diesem Spiel gefehlt hatte: Frische und Genauigkeit im Angriffsspiel.

Den dritten Platz hatte sich zuvor England gesichert. Die Mannschaft von Trainer Gareth Southgate bezwang die Schweiz in Guimaraes nach 120 torlosen Minuten mit 6:5 im Elfmeterschießen. Torhüter Jordan Pickford, der zuvor selbst verwandelt hatte, parierte den entscheidenden Schuss von Josip Drmic.

Quelle: n-tv.de, lou/dpa/sid

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