Fußball

"Unverzeihlicher" Regelbruch Rekordstrafe für Lahm

Der FC Bayern München hat gegen Vorstands-Kritiker Philipp Lahm und Stadion-Flüchtling Luca Toni wie erwartet hohe Geldstrafen ausgesprochen, sehr hohe Geldstrafen. Die Probleme des Vereins löst das nicht.

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Philipp Lahm hält ab sofort den Strafenrekord beim FC Bayern.

(Foto: dpa)

Der deutsche Rekordmeister hat umgehend auf die Vorgänge rund um das 1:1 im Bundesliga-Heimspiel am Samstag gegen den FC Schalke 04 reagiert. Vorstands-Boss Karl-Heinz Rummenigge und Trainer Louis van Gaal zitierten die beiden aufsässigen Profis Philipp Lahm und Luca Toni noch vor dem heutigen Training zum Rapport, sprachen auch in der Kabine zur gesamten Mannschaft. Es herrscht Alarm an der Säbener Straße.

Lahm traf es nach seiner in der "Süddeutschen Zeitung" geäußerten Fundamentalkritik an den Klub-Bossen, aber auch an Trainer und Teamkollegen härter als Toni. Der Vize-Kapitän habe in "eklatanter und unverzeihlicher Art und Weise gegen interne Regeln verstoßen", erklärte der Vorstand und sprach von einem Tabu-Bruch. Darum wurde Lahm "mit einer Geldstrafe belegt, wie es sie in dieser Höhe beim FC Bayern noch nicht gegeben hat", so Rummenigge. Die Strafe müsste damit über 50.000 Euro liegen.

"Empfindlich" soll die Buße für Spitzenverdiener Toni sein, dessen unerlaubtes Verlassen des Stadions in der Halbzeitpause vom Verein als "unakzeptable Disziplinlosigkeit" gewertet wurde. Toni habe sich inzwischen beim Klub und seinen Teamkollegen entschuldigt. Von Lahm wurde Ähnliches in der Presse-Erklärung nicht überliefert.

Abwarten und aussitzen

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Noch genießt Louis van Gaal offiziell des Rückendeckung von Bayern-Manager Uli Hoeneß.

(Foto: AP)

Ungemütlich bleibt der Münchner Herbststurm, der sich auf der Hauptversammlung am 27. November mit dem geplanten Stabwechsel von Franz Beckenbauer zu Uli Hoeneß im Präsidentenamt in einem Orkan entladen könnte, auch für Louis van Gaal - obwohl der Trainer akut nicht um seinen Job bangen muss. "Es war kein katastrophales Spiel, sondern ein ordentliches. Wir werden in aller Ruhe bis Weihnachten abwarten und gucken, wie das Zwischenergebnis ist", sagte Hoeneß.

Trotz Mittelmaß, Platz acht und sechs Punkten Rückstand auf Tabellenführer Bayer Leverkusen hielt der Manager an seiner kühnen Platz-1-Prognose zum Jahresende fest: "Die Hoffnung stirbt zuletzt." Aber sie schwindet, zumal Abwehrchef Daniel van Buyten (31.) einmal mehr als Torschütze für die indisponierten Stürmer einspringen musste. Youngster Matip konnte per Kopf ausgleichen (43.). "Das war ein großes Erlebnis für mich - ein Super-Film", jubelte der 18 Jahre alte Schüler nach seinem Traum-Debüt bei den Profis.

Van Gaal frustriert, Hoeneß ätzt

"Die Tore fehlen, es ist frustrierend", stöhnte van Gaal. Das Heimspiel gegen Leverkusen in zwei Wochen werde aber nicht zu seinem persönlichen Endspiel: "Das denke ich niemals. Wir haben aus den letzten neun Spielen 18 Punkte geholt. Mit einem Durchschnitt von zwei Punkten kann man Meister werden."

Trotz der raschen Bestrafung von Lahm und Toni bleibt der innere Betriebsfrieden gestört. Kritiker Lahm legte den Finger in viele Münchner Wunden. Er monierte besonders die "nicht immer glücklichen Transfers" der Vereinsführung, die keinen erkennbaren Plan und eine klare Linie habe. Eine "Spiel-Philosophie" wie bei Manchester United oder dem FC Barcelona "gibt es bei uns nicht". Auch die Kollegen wurden nicht verschont. Im Mittelfeld sieht er "das größte Problem".

Der seit 30 Jahren als Manager amtierende Hoeneß reagierte verärgert: "Sie können sich sicher sein, dass er dieses Interview noch bedauern wird." Statt inhaltlich auf Lahms Aussagen einzugehen, ätzte er gegen dessen Management. Hoeneß sieht Lahm, der nach dem Schalkespiel schwieg, fremdgesteuert durch seinen Berater Roman Grill, "den nicht angenommenen Manager beim Hamburger SV". Lahms Vorgehen bezeichnete Hoeneß "als nicht klug in so einer Phase" und betonte: "Man kann mit uns über alles sprechen, aber bei uns hinter der Tür."

Robben im Glück

Wie blank die Nerven liegen, bewies das Revanchefoul von Arjen Robben an Lukas Schmitz - zum Glück für Bayern zog Schiedsrichter Florian Meyer Gelb statt Rot: "Es war definitiv keine Tätlichkeit. Robben stößt mit der Brust, nicht mit den Armen und nicht ins Gesicht", rechtfertigte sich Meyer später.

Doch Lahm, Toni, Robben und die Krise - Torschütze Daniel van Buyten schlug Alarm: "Wir müssen jetzt den FC Bayern zusammenhalten. Nur so werden wir da rauskommen. Wenn jeder seinen Weg geht, wird es schwierig."

Quelle: n-tv.de, cwo/dpa

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