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Lothar Matthäus vor dem Spiel der Legenden "Ribéry stärker als Messi und Ronaldo"

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"Wenn ich Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger sehe, dann ist das die Liberoposition, die ich früher auch gespielt habe": Lothar Matthäus.

(Foto: imago sportfotodienst)

Lothar Matthäus ist Rekord-Nationalspieler und der bisher einzige Deutsche, der zum Weltfußballer gewählt wurde. Am 16. November packt er noch mal seine Fußballschuhe aus und bittet alte Weggefährten zum Spiel der Legenden: Deutschland gegen den Rest der Welt. Mit n-tv.de sprach er über seinen Fitnesszustand, das Spiel im Rhein-Energie-Stadion, aber auch über die Chancen der deutschen Nationalmannschaft bei der WM 2014. Außerdem legt er sich fest, wer Weltfußballer wird und spricht über persönliche Fehler.

n-tv.de: Am 16. November findet in Köln das Spiel "Deutschland gegen den Rest der Welt" statt. Veranstalter ist der von Ihnen gegründete Verein "Club der Legenden e.V.". Wie kam es zu der Idee für das Spiel und der Gründung des Vereins?

Lebende Legenden

Die Partie "Deutschland gegen den Rest der Welt" in Köln gibt's am 16. November ab 15.30 Uhr live bei n-tv und im Anschluss (für 7 Tage) kostenfrei abrufbar auf n-tv Now. Aber noch schöner ist es ja im Stadion. Die günstigsten Karten kosten 9,57 Euro, zu bestellen im Internet oder bei Köln Ticket unter 0221 / 2801.

Lothar Matthäus: Die Idee hatte ich schon länger im Kopf. Ich hatte aber anfangs keine Zeit, das in Angriff zu nehmen, war unterwegs, ob als Nationaltrainer von Bulgarien oder Klubtrainer in Israel. Da ich nun fokussierter in Europa lebe und auch mehr Zeit habe, ist die Idee stärker und stärker geworden. Nach zwei erfolgreichen Spielen, bei denen alle Beteiligten begeistert waren, haben wir uns entschlossen, diesen Verein zu gründen. Inzwischen haben wir in der kurzen Zeit schon 50 Mitglieder, weil es einfach ein "Come together" ist: Fußball auf dem Platz, in toller Atmosphäre noch ein bisschen zeigen, dass man noch laufen, dass man sich bewegen, den Ball noch in die richtige Richtung kicken kann. Aber auch am Abend vorher gemütlich zusammensitzen, über vergangene Zeiten sprechen, nach dem Spiel mit dem Gegner auch mal ein Bierchen trinken. Das vermissen viele. Und es ist ja auch so, dass damit kein Geld verdient werden soll, sondern dass wir das Geld, das reinkommt, für karitative Zwecke spenden.

Reicht bei Ihnen die Kraft noch für 90 Minuten? Das Hemd jedenfalls spannt noch nicht. Wie würden Sie Ihren Fitnesszustand beschreiben?

Ich bin nicht mehr so fit wie früher. Das sieht vielleicht nur so aus wegen dem dunkelgrauen Hemd, das ich trage. Ich habe auch das eine oder andere Kilo zugenommen. Aber es gibt natürlich andere - ich nennen jetzt keine Namen -, da sieht man, dass die an Tempo verloren und dafür an Gewicht gewonnen haben.

Was wäre denn Ihre Wunschposition? Sie haben ja zentral im Mittelfeld gespielt, am Ende auch als Libero. Die Position gibt es ja so heute gar nicht mehr.

Wenn ich Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger sehe, dann ist das die Liberoposition, die ich früher auch gespielt habe - nämlich zwischen den zwei Innenverteidigern. Das könnte ich mir auch vorstellen. Auf jeden Fall eine zentrale Position, ob weiter hinten oder weiter vorne, ist egal.

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Experte für die Bundesliga ist er auch.

(Foto: imago sportfotodienst)

Die Bundesliga verfolgen Sie derzeit als Experte bei m Bezahlsender Sky. Drohen uns mit dem FC Bayern und Borussia Dortmund die oft zitierten "spanischen Verhältnisse" mit zwei überragenden Teams?

Es hat schon den Anschein, dass die beiden enteilt sind. Wobei man sagen muss, dass andere Mannschaften ihre wirtschaftlichen Möglichkeiten nicht genutzt haben, als der Unterschied noch nicht so groß war, zumindest zu Borussia Dortmund. Es würde mich freuen, wenn Leverkusen dranbleiben könnte, vielleicht auch andere Mannschaften wieder etwas näher herankommen. Aber Bayern spielt finanziell natürlich in einer eigenen Liga, das sagt ja auch Dortmund. Doch der BVB imponiert mir. Deswegen hoffe ich auf einen langen, erbitterten Kampf um die Meisterschaft. Möge der Bessere gewinnen.

Auch wenn der BVB durch die Niederlage gegen Arsenal um den Einzug ins Achtelfinale kämpfen muss: Denken Sie, dass in der Champions League wieder ein deutsches Finale möglich ist?

Beide haben das Potenzial. Der BVB hat auch das Spiel gegen Neapel weggesteckt, obwohl alles gegen ihn gelaufen ist. Es ist noch alles möglich, aber die Gruppe ist sehr stark. Wenn beide so weiter spielen, kann es wieder ein deutsches Finale geben - wenn die Bayern und die Dortmunder nicht schon vorher aufeinandertreffen.

Sie sind der bisher letzte Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, der die WM gewinnen konnte. Und der einzige deutsche Weltfußballer, den es bisher gab. Glauben Sie, 2014 kann es dazu kommen, dass mindestens einer der beiden Titel nach Deutschland geht?

Absolut. Die DFB-Elf ist neben dem Gastgeber Brasilien und auch Spanien die spielstärkste Mannschaft. Aber die Teams sind enger zusammengerückt und es ist eine Weltmeisterschaft in Südamerika, die haben auch aufgeholt. Uruguay war im Halbfinale bei der WM 2010, Chile und Argentinien sind stark. Alles Mannschaften, die in einem Spiel über sich hinauswachsen können.

Und Weltfußballer? Trauen Sie einem der Nominierten zu, den Titel nach Deutschland zu holen?

Ich traue es allen fünf zu. Es sind ja vier von Bayern dabei, plus Mesut Özil von Arsenal. Aber es gibt eben Ausländer, die noch einen Tick attraktiver gespielt haben. Franck Ribéry ist nicht umsonst Europas Fußballer des Jahres geworden. Ihn sehe ich auch vor Lionel Messi und Cristiano Ronaldo. Aber es entscheiden die Nationaltrainer weltweit mit den jeweiligen Kapitänen der Nationalmannschaften. Und da weiß man nicht, wie vielleicht kleinere Fußballländer in Asien oder Südamerika abstimmen, wo der spanische Fußball besser präsentiert wird als der deutsche. Ich bin gespannt. Wenn es eine korrekte Wahl ist, dann ist Franck Ribéry der Favorit, auf Grund dessen, was er geleistet und mit dem FC Bayern gewonnen hat.

Sie wirken sehr glücklich und zufrieden mit Ihrer Situation. Gibt es nicht trotzdem den Wunsch, doch noch einmal auf die Trainerbank zurückzukehren?

Wunsch ist übertrieben. Einige Sachen haben in der Vergangenheit, mit der Zusammenarbeit mit dem Verbandspräsidenten von Bulgarien beispielsweise, nicht gepasst. Da wurden Dinge nicht eingehalten. Da war man nicht offen und ehrlich zueinander. Ich muss das Gefühl haben, dass beide Parteien ein gemeinsames Ziel haben. Wenn das gegeben ist, dann ja. Aber nicht, wenn ich die kleinsten Zweifel habe. Da hab ich vielleicht mal die Augen zugekniffen in der Vergangenheit, weil ich zu verbissen war, wieder als Trainer zu arbeiten. Das wird mir in Zukunft sicher nicht mehr passieren

Das klingt selbstkritisch. Welche Fehler haben Sie gemacht? Vielleicht auch solche, die verhindert haben, dass Sie bislang noch keinen Job in der Bundesliga ausgeübt haben?

Ja, es hat schon seine Gründe. Natürlich habe ich vielleicht zu schnell eine Entscheidung getroffen. Aber trotz alledem muss ich ja aus meinen Fehlern lernen. Fehler machen wir ja alle. Man hat auch 2003 gesagt: Wieso geht er nach Belgrad, nach Serbien, wo zwei, drei Jahre vorher noch der Krieg getobt hat? Das war eine tolle Erfahrung, eine sportliche Herausforderung. Und unterm Strich stand letztendlich eine Champions-League-Teilnahme. Auch in Israel lief es lange Zeit gut. Wenn der Eigentümer des Vereins das Ganze bis zum Schluss durchgezogen hätte, wären wir vielleicht auch Meister geworden und in die Champions League eingezogen. Aber dann ging ihm das Geld aus. Er hat sich zurückgezogen, so dass die Spieler ihre Gehälter nicht mehr bekommen haben. Aber was dann vielleicht ein Jahr später passiert, weiß man ja vorher nicht, wenn man einen Vertrag unterschreibt. Man muss meine Stationen wirklich differenziert betrachten.

Sobald in der ersten oder zweiten Liga ein Trainer gehen muss, wird als Nachfolger Lothar Matthäus gehandelt. Freut Sie das oder nervt es Sie eher?

Es ärgert mich. Aber die Zeitungen müssen verkauft werden. Und mit Namen, die in der Vergangenheit viel erreicht haben und bekannt sind, kann man besser Schlagzeilen machen. Schön finde ich es nicht, mit Vereinen in Verbindung gebracht zu werden, mit denen ich nie gesprochen habe. Mittlerweile schmunzele ich darüber. Man kann eh nicht beeinflussen, was geschrieben wird.

Würden Sie auch in die zweite deutsche Liga gehen?

Ja, es gibt interessante Vereine. Ich habe letzte Woche ein Fußballspiel gesehen in Köln. 50.000 Zuschauer im Stadion, ein tolles Stadion. Ich glaube schon, dass Deutschland weltweit die stärkste und attraktivste zweite Liga hat. Natürlich wäre es da schön, einen Traditionsverein aus der zweiten Liga in die erste zu führen.

Mit Lothar Matthäus sprach Timo Latsch

Quelle: n-tv.de

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