Gibt's jetzt die Mega-Ablöse?Said El Mala verzaubert den 1. FC Köln mit überraschender Geste
Vorentscheidung verpasst, Vorsprung verwaltet: Der 1. FC Köln kommt dem Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga dank eines späten Comebacks ein gutes Stück näher. Im Fokus steht wieder einmal Said El Mala.
Said El Mala hielt den Ball schon in der Hand und wartete darauf, dass der Elfmeter ausgeführt werden könne. Doch dann reichte das Supertalent des 1. FC Köln das Spielgerät weiter. An Luca Waldschmidt. Der trat an, hatte sich bereits ausgerechnet, wohin er schießen würde - und traf. Die Gäste aus dem Rheinland glichen in der 86. Minute aus und trafen den FC St. Pauli so tief ins Herz..
Die Hamburger waren drauf und dran gewesen, den Abstiegskampf in der Fußball-Bundesliga nochmal richtig eskalieren zu lassen. Mit einem Sieg hätte der Tabellen-16. sechs Klubs vor sich in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Doch weil die Kölner noch trafen, manifestiert sich die Lage im Keller. Etwa für die Kölner, die weiter fünf Punkte Vorsprung haben, bei noch vier Spielen. Verdient war der Punkt für die Gäste nicht unbedingt. In einem Kampfduell waren sie lange Zeit die klar schwächere Mannschaft gewesen.
Egal, Punkt ist Punkt. In diesem Fall ein besonders wertvoller. Und so erzählt das Spiel zwei Geschichten. Die des tragischen Pauli-Helden Karol Mets, der erst das 1:0 mit seinem ersten Bundesliga-Tor erzielte hatte und dann den Elfmeter verursachte. Über sein Foul wollte er gar nicht diskutieren. "Ja, ich habe sein Bein ganz klar berührt", sagte Mets, ohne dass er die Wiederholung gesehen hatte. Die Aktion sei "ungeschickt" gewesen. "Er hat sein Bein sehr gut ausgestreckt und ich bin damit in Kontakt gekommen, daher denke ich, dass es ein Elfmeter ist."
"Ein smarter Move"
Die andere Geschichte des Spiels ist die von El Mala. In einer schwachen Mannschaft hatte er wieder mal die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Früh verzog er nach einem starken Solo knapp, in der zweiten Halbzeit klatschte ein Schuss von ihm an die Latte. Mehr Torgefahr strahlte kein Kölner aus, wieder einmal nicht. So wäre es logisch gewesen, wenn er auch den Strafstoß geschossen hätte. Zumal er vergangene Woche gegen Werder Bremen, ebenfalls so wichtiges Duell im Kampf um den Klassenerhalt, einen Elfmeter verwandelt hatte. Wie kam es nun dazu, dass er den Ball doch noch rausrückte?
"Er hat schon direkt am Mittelkreis gefragt, ob ich ihn nehme. Ich habe gesagt: ja. Dann sagt er: Alles gut, mach ihn", erklärte Luca Waldschmidt später bei Sky. "Er wollte aber im Sechzehner, glaube ich, noch kurz ein bisschen Verwirrung stiften, nach dem Motto: Ich nehme ihn erst mal, damit der Torwart denkt, er schießt. Von daher war das, glaube ich, ein smarter Move." In Köln ist es so, dass der Trainer keine Hierarchie der Schützen festlegt. Die Spieler sollen das unter sich ausmachen, ohne sich dabei zu streiten. Wer sich sicher ist, der soll schießen. "Großen Respekt an Said, in der Situation den Ball abzugeben, und ich freue mich für Luca, dass er ihn dann reingehauen hat", erklärte Interimstrainer René Wagner. "Wenn wir einen einteilen, der sich nicht gut fühlt, und ihn in eine Situation drängen, die er gar nicht möchte, dann wäre uns auch nicht geholfen".
Beim Effzeh sind sie schon die ganze Saison über schockverliebt in den 19-Jährigen. Und noch bleiben ihnen ein paar Wochen, um die Liebe zu genießen, ehe die Zeichen auf Trennung stehen. El Mala ist so gut, dass er Vereine in ganz Europa wuschig macht und noch von der WM-Teilnahme mit dem DFB-Team träumen darf. Er hat elf Tore geschossen, vier vorbereitet und Klub-Legende Lukas Podolski einen Rekord geklaut. Aus England soll Brighton Hove & Albion mit dem deutschen Trainer Fabian Hürzeler ganz vernarrt in den Offensivspieler sein, der dem Klub eine riesige Ablöse einbringen dürfte. Wenn auch noch nicht die 100 Millionen Euro, die Effzeh-Ikone und Weltmeister Pierre Littbarski dem Spieler als künftigen Wert zuschreibt. 50 Millionen sollen dem Effzeh offenbar intern als Entschädigung für den Verlust des Supertalents vorschweben. Bisheriger Rekordabgang des Klubs ist Anthony Modeste, der den Klub 2018 für 29 Millionen Euro verließ.
Preisschild für El Mala? "Total unseriös!"
Sportdirektor Thomas Kessler hat derweil (noch) keine Lust auf die Spekulationen zu El Mala zu reagieren. "Das ist total unseriös, heute Abend ein Preisschild zu nennen. Am Ende hat der Spieler einen Vertrag bis 2030 bei uns. Man hat heute gesehen, wie wichtig er für uns ist", sagte der Funktionär bei Sky. "Sollte es der Fall sein, dass Angebote reinkommen, dann werden wir uns damit auseinandersetzen. Ich werde nicht mit einem Preisschild durch Europa oder durch England rennen und sagen, dafür ist er zu haben. Ich bin sehr froh, dass Said einen Vertrag bis 2030 bei uns hat."
Der Fokus liegt beim FC zunächst ohnehin erstmal nur auf dem Klassenerhalt. Die Chancen dazu stehen gut: "Wir wollen uns beim 1. FC Köln weiterentwickeln, uns in der Bundesliga stabilisieren, dafür brauchen wir erstmal den Klassenerhalt", sagte Kessler: "Was im Vordergrund steht, ist, dass wir die nötigen Punkte holen." Erst danach geht's um El Mala.
