Fußball

Emporkömmling ärgert Liverpool Salzburg erkämpft sich Klopps Applaus

Red Bull Salzburg kann trotz der turbulenten 3:4-Niederlage beim FC Liverpool stolz sein. Der Champions-League-Neuling versetzt dem Titelverteidiger einen Schrecken. Jürgen Klopp kann das Spiel mit einer Umstellung gerade noch retten - und sieht sich hinterher bestätigt.

Knapp fünf Monate ist es her, dass man dieses Bild zuletzt im Stadion an der Anfield Road sah. Ein denkwürdiger Abend in der Champions League ging zu Ende, die Spieler reihten sich vor ihren Fans auf, erschöpft, fertig mit den Nerven aber auch beglückt von der eigenen Leistung. Ein paar Minuten standen sie da, während die Fans klatschten und sangen. Diesmal war es allerdings nicht der FC Liverpool, der den Abend auf diese Weise mit seinem Publikum ausklingen ließ, wie nach dem monumentalen 4:0 im Halbfinale gegen den FC Barcelona Anfang Mai. Diesmal standen die Spieler von Red Bull Salzburg vor ihren Fans und ließen sich feiern.

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Am Ende war die Partie des Champions-League-Neulings beim amtierenden Titelträger zwar mit 3:4 verloren gegangen, doch die Gäste aus Österreich können stolz sein auf ihre Darbietung in Anfield. Sie versetzten der Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp einen ordentlichen Schrecken und glichen einen frühen 0:3-Rückstand durch drei Treffer innerhalb von gut 20 Minuten aus. Sie zeigten, dass sie sich auch vom berühmten Stadion des Champions-League-Siegers nicht einschüchtern lassen, zumindest nicht nachhaltig, und meldeten nach dem 6:2-Erfolg zum Start in die Kampagne gegen Genk erneut Ansprüche auf den Einzug ins Achtelfinale an. "Hoffentlich können wir gegen Napoli von Anfang an so spielen", sagte der US-amerikanische Trainer Jesse Marsch mit Blick auf den dritten Gruppengegner.

Salzburg schüttelt den Respekt ab

Die Gäste verschliefen einen großen Teil der ersten Halbzeit, sie spielten mit zu viel Respekt. Das ist in Liverpool immer schlecht. Es sah leicht aus, wie Klopps Mannschaft durch den Ex-Salzburger Sadio Mané, Andrew Robertson und Mohamed Salah komfortabel in Führung ging. Doch der Treffer von Hee-Chan Hwang kurz vor dem Seitenwechsel gab den Besuchern aus Österreich den Glauben an sich selbst zurück. "Wir hatten in der Pause ein gutes Gespräch. Wir haben gesagt, dass wir mit mehr Aggressivität und Leidenschaft spielen müssen", sagte Marsch, der im Frühjahr den nach Mönchengladbach abgewanderten Marco Rose beim Serienmeister ersetzte.

Neben der erhöhten Hingabe trug ein taktischer Kniff dazu bei, dass die Mannschaft zurück ins Geschehen fand. Marsch stellte sein Mittelfeld auf eine Raute um, machte dadurch das Spiel nach vorne effektiver. Takumi Minamino und der kurz zuvor eingewechselte Erling Braut Haaland trafen zum Ausgleich. Das nächste Wunder von Anfield deutete sich an, wie vor knapp fünf Monaten gegen Barcelona, nur diesmal andersherum, mit dem FC Liverpool auf der Verliererseite.

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Der souveräne Tabellenführer der Premier League (sieben Spiele, sieben Siege) operierte in dieser Phase hektisch und leistete sich viele Fehler. Die Abwehr wackelte, vor allem in Person von Joe Gomez, der den angeschlagenen Ex-Schalker Joël Matip vertrat. Aus dem Mittelfeld fehlte der Schutz gegen das Umschaltspiel der Salzburger. Klopp sprach später davon, dass seine Mannschaft "die Tür geöffnet" hätte: "Und sie sind durchgerannt." Erst durch eine System-Änderung seinerseits und die Hereinnahme von James Milner nach dem 3:3 gelang es Liverpool, die Tür wieder zu schließen. Mit seinem zweiten Tor des Abends stellte Salah den Endstand her und hinterließ einen zufriedenen Trainer. "Wir haben eine wichtige Lektion gelernt. Aber ich ziehe es vor, sie in einem Spiel zu lernen als danach", sagte Klopp.

Klopp wusste um Salzburgs Stärke

Seine Hochachtung für den Emporkömmling aus Salzburg und der Leistung des einstigen Sportchefs Ralf Rangnick ist groß, das hatte er schon im Vorlauf auf Liverpools erstes Europapokal-Heimspiel der Saison kundgetan. Durch den Auftritt des jungen Teams erhielt er eine Bestätigung, auf die er auch hätte verzichten können. "Ich habe vorher gesagt, dass sie stark sind. Jetzt haben sie es allen gezeigt. Falls jemand den Beweis gebraucht hat - gern geschehen", sagte Klopp. Salzburg ist jetzt nach Barcelona, Chelsea und Real Madrid erst das vierte Team, das in der Königsklasse drei Tore in Anfield schießen konnte - und das einzige dieses illusteren Haufens, dem die drei Treffer nicht zum Sieg reichten.

Elf Mal war der Klub seit der Übernahme durch Red Bull im Jahr 2005 in der Qualifikation zur Champions League gescheitert, gegen Gegner wie Maccabi Haifa, Düdelingen, Malmö FF und HNK Rijeka - sehr zur Erheiterung der zahlreichen Kritiker des Projekts. In Liverpool bewies die junge Mannschaft, dass sie in dem Wettbewerb ankommt. Wer dem Champions-League-Sieger an der Anfield Road einen Schrecken einjagen kann, muss sich nicht verstecken. "Wenn wir unseren Fußball spielen, haben wir immer eine Chance, auch in einem Stadion wie diesem", sagte Marsch. Auch er hat eine Lektion gelernt.

Quelle: n-tv.de