Fußball

Vor dem Pokalfinale gegen Barcelona Schallende Ohrfeige für Mourinho

DAB3910-20110416.jpg3207604958414274360.jpg

Andere Real-Trainer wären bereits gefeuert worden, wären sie gegen den FC Barcelona ähnlich destruktiv angetreten: José Mourinho.

(Foto: AP)

Real Madrid gegen den FC Barcelona, Teil II: Das zweite von vier Partien innerhalb von 18 Tagen ist das Endspiel um den spanischen Pokal und für Real-Trainer José Mourinho die Chance zur Wiedergutmachung. Nach Reals Angsthasenfußball im Ligaduell geht es für Mourinho um mehr als einen Titel.

Worte können Musik sein und diese waren die Liebeserklärung einer Lichtgestalt an einen großen spanischen Verein. Für Real Madrids egozentrischen Trainer José Mourinho waren sie eine schallende Ohrfeige, die noch nachhallen wird, wenn heute um 21.30 Uhr das spanische Pokalfinale angepfiffen wird. Denn was Reals Ehrenpräsident Alfredo di Stefano mitzuteilen hatte, galt dem FC Barcelona, der dann erneut seinen Königlichen gegenüberstehen wird, wenn es für die spanischen Erzrivalen in Valencia um den ersten Titel der Saison geht.

Di Stefano hat den Mythos Real Madrid mitbegründet. Der heute 84-Jährige war Teil des legendären Real-Teams, das von 1956 bis 1960 fünfmal den Landesmeisterpokal gewann. Doch am vergangenen Samstag war Alfredo di Stefano einfach nur beschämt. Darüber, wie sein Real Madrid von Mourinho in den ersten der vier Clasicos geschickt worden war.

Der Zauber ist verflogen

"Barcelona war ein Löwe, Madrid bloß eine Maus", klagte di Stefano in der Sporttageszeitung "Marca". Das ist an sich schon bemerkenswert und wird noch bemerkenswerter dadurch, dass "Marca" ihre Bestimmung einzig im Kampf für die Königlichen sieht und im Frühjahr 2010 in den medialen Schützengraben gestiegen war, um leidenschaftlich für die Verpflichtung Mourinhos zu agitieren. Der Zauber ist lange verflogen und das 1:1 am Estadio Bernabeu zeigte, warum.

DAB2172-20110418.jpg38167654125308844.jpg

"Barcelona war ein Löwe, Madrid bloß eine Maus": Alfredo di Stefano.

(Foto: AP)

Auf dem Papier war das Remis eine Punkteteilung der Erzrivalen. Auf dem Rasen war es eine Demonstration der spielerischen Überlegenheit der Katalanen. "Barcelona hat Fußball und Tanz angeboten, Madrid ist bloß hin und her gelaufen", schrieb di Stefano und warf sich den Gästen zu Füßen. Mourinho warf er vor, den Real-Fans "das Glücksgefühl" zu verweigern, "das sie verdienen". Andere Real-Trainer wären bereits gefeuert worden, wären sie gegen den FC Barcelona ähnlich destruktiv angetreten.

Der Portugiese geriert sich gern als taktisches Genie. 2010 hat er mit Inter Mailand das Triple gewonnen und im Champions-League-Halbfinale Barcelona ausgeschaltet. Im Bernabeu nun war sein gelungenster taktischer Schachzug, dass er den Rasen nicht mähen und wässern ließ, um die Kombinationsmaschine FC Barcelona zu bremsen. Seine Dreifach-Sechs, für er Offensivkünstler Mesut Özil aus der Startelf gestrichen hatte, war ein Reinfall. Seine theatralische Show samt Schiedsrichterschelte nach dem Spiel auch.

Kein Spielsystem, sondern Angsthasenfußball

Ein klares Spielsystem war beim Angsthasenfußball der Gastgeber nicht zu erkennen. Real Madrid war im eigenen Stadion nicht mit dem Ziel angetreten, Barcelona zu besiegen. Oberste Priorität hatte, nicht wie beim 0:5 im Hinspiel gnadenlos unterzugehen. Deshalb ging Real diesmal nur mit 1:1 unter und machte es seinem Lieblingskritiker Johan Cruyff, der seinerseits beim FC Barcelona Legendenstatus genießt, besonders leicht: "Wer in einem Heimspiel mit sieben Verteidigern antritt, muss schon mächtig Angst haben."

2xee3409.jpg4369078590134852035.jpg

Verkappter Mittelstürmer? Mesut Özil.

(Foto: dpa)

Im Pokalfinale wird Mesut Özil mit ziemlicher Sicherheit in die Startelf zurückkehren. Dass Mourinho seine Defensivtaktik aufgeben wird, bedeutet das nicht. "Marca" vermutet, dass für den Ex-Bremer Stürmer Karim Benzema auf die Bank muss und Özil als "verkappter Mittelstürmer" agieren soll. Den Dreier-Riegel im Mittelfeld mit Sami Khedira, Pepe und Xabi Alonso hält Mourinho weiterhin für unverzichtbar.

Mourinho, aber auch Özil und Khedira können mit Real ihren ersten Titel gewinnen. Sie stehen im Finale um die "Copa del Rey" (Königspokal) aber auch unter Erfolgszwang, denn Real hat die Meisterschaft nach dem 1:1 bei einem unverändertem Rückstand von acht Punkten auf die Katalanen faktisch verloren. Für Mourinho geht es auch um seine Zukunft in Madrid. Dazu muss ein erspielter Titel her, kein ermauerter.

Lautsprecheranlage gegen Pfiffe der Katalanen

Den Pokal konnten die Madrilenen seit 18 Jahren nicht mehr gewinnen. Mit dem Erzrivalen Barça standen sie sich fünfmal im Finale gegenüber, zuletzt 1990. Die Katalanen gewannen drei Endspiele, die Madrilenen zwei. Unvergessen ist die Partie aus dem Jahr 1968, die als das "Finale der Flaschen" in die Geschichte einging. Die Real-Fans ließen damals einen Hagel von Flaschen auf den Platz niedergehen, weil nach ihrer Ansicht der Schiedsrichter bei Barças 1:0-Sieg nachgeholfen hatte.

Im Mestalla-Stadion wurde für die Partie eigens eine Lautsprecheranlage von 100.000 Watt installiert. Sie soll mit ihrer Leistungsstärke verhindern, dass die spanische Nationalhymne "Marcha Real" (königlicher Marsch) in einem Pfeifkonzert katalanischer Fans untergeht. Die Hymne, die beim Eintreffen von König Juan Carlos auf der Ehrentribüne angestimmt wird, soll eine Lautstärke von 120 Dezibel erreichen, was fast an der Schmerzgrenze liegt. Wenn sich Real erneut so uninspiriert präsentiert wie am Samstag im Bernabeu, würden sich damit auch Pfiffe des eigenen Madrider Anhangs problemlos übertönen lassen.

Quelle: ntv.de, mit dpa und sid

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen